laut.de-Kritik

Zieht den Hörer hypnotisch in die Tiefe.

Review von

Ganz schön funkiger Scheiß, den Terranova da mit dem Opener "Grounded" los lassen. Ein 80er Synthie Slap-Bass, Gitarren-Samples, ein peitschender Snare-Sound und allerlei rück-, vor- und seitwärts geloopte Sounds treffen sich mit Jayney Klimeks Stimme auf allertanzbarstem Niveau. So schön beginnt "Digital Tenderness", die digitale Zärtlichkeit.

Terranova schielen jedoch nicht mit beiden Augen Richtung Dancefloor. Atmosphärisch düster gehaltene, schleppende Nummern halten sich mit Zappel-Tracks in etwa die Waage. Aus den pointiert eingesetzten Soundeffekten generiert das Beatbastel-Kollektiv dabei ein Klangmonster nach dem anderen, das mit steigender Phon-Zahl und kunstvoll arrangierten Details die Hirnwindungen ganz gehörig durcheinander zwirbelt.

Geschwindigkeit ist dabei eher nebensächlich. "The Real Thing" zum Beispiel schleppt sich eher gemächlich durch die Landschaft. Ein grummelnder Bass im Hintergrund und abermals Jayneys ausdrucksfähiges Organ, das mit Verfremdungen und Effekten schon fast Richtung Sirenengesang tendiert, ziehen einen hypnotisch in die Tiefe. Da scheint auf einmal gar nichts mehr so 'real', wie es der Titel verheißt.

Das melancholische, mit zarten gebrochenen Beats ausstaffierte "Hush" bereitet dem wunderbaren "Das Plan" den Boden, das abermals mit diesen irrwitzigen Sound-Kleinigkeiten aufwartet, so dass der Hörer beinahe im supersonischen Strudel versinkt. Poppige Melodien harmonieren dabei ganz hervorragend mit den spinnerten Frickeleien der Neuländers.

Dass dieses Mal lediglich eine Person den Gesangspart übernimmt, trägt zum homogenen Gesamtbild der Scheibe bei. Unterschiedliche Stimmungen, Tempi und Pop-Appeal der Songs führen in der elektronischen Achterbahnfahrt auf und ab und halten so die Aufmerksamkeit auf einem hohen Niveau. Eintöniges Einerlei war noch nie die Sache Terranovas, bei "Digital Tenderness" noch weniger als zuvor. Die Scheibe sticht deshalb nicht nur durch ihr quietsche-pinkes Outfit aus dem Plattenschrank hervor.

Trackliste

  1. 1. Grounded
  2. 2. Coomon Places
  3. 3. Cause 4 Effect
  4. 4. The Real Thing
  5. 5. Hush
  6. 6. Das Plan
  7. 7. Back In Time
  8. 8. Storm
  9. 9. Stigma
  10. 10. Hidden Dreams
  11. 11. Assimilate
  12. 12. Ground Of Original Nature

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