laut.de-Kritik

Dieser schluffige Hornbrillen-Gestus hat 2021 etwas Tröstliches.

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Bald drei Dekaden ist es her, da zogen Teenage Fanclub durch hiesige Clubs, arbeiteten sich leidenschaftlich an deutschen Brauerei-Produkten ab und waren infolgedessen zuweilen so angezählt, dass Roadies während der Show die Instrumente übernehmen mussten. Einer ihrer größten Fans hieß Kurt Cobain, kein Wunder, verbanden die Tracks auf ihrem Überalbum "Bandwagonesque" doch gar göttlich den Jingle-Jangle der Sixties mit dem brachialen Bratzen der aufstrebenden Flanellhemd-Generation.

Anno 2021 haben sich die Ecken und Kanten, die die Band einst auszeichnete, völlig abgeschmirgelt. Auf den Konzerten der letzten Jahre wirkten Raymond McGinley, Norman Blake & Co. zuweilen fast so stirnrunzelnd, als würden sie sich selbst wundern, dass sie dieses Indie-Ding immer noch durchziehen. Mit "Endless Arcade" nun, dem ersten nach Gerard Loves Weggang, schreiben TFC ihre Geschichte fort, ohne dabei das solide abgesteckte Terrain zu verlassen.

Warum auch? Ihre Byrds'schen Harmoniegesänge kennen kein Verfallsdatum, der zuweilen etwas schluffige Hornbrillen-Gestus hat in diesen Tagen etwas überaus Tröstliches, die Sonne spiegelt sich immer noch sanft in ihren Melodieführungen.

Ob sich die Band mit dem Tracklisting einen großen Gefallen getan hat – das größtenteils ereignisarme, sieben Minuten lange "Home" zum Auftakt nicht eben ein überwältigender Türöffner – ist die Frage. Aber sei es drum, der normalgebräuchliche TFC-Hörer unterliegt derlei Mechanismen möglicherweise sowieso nicht. Mit dem Titelsong, inklusive quirligem Keyboard-Solo, ist dann schon einiges mehr los ist, "Warm Embrace" ist fast schmissig geraten, bei "In Our Dreams" sind tatsächlich lange Zeit ungehörte, angezerrte Gitarren im Spiel.

Kurz vor Schluss setzt "Living With You" noch einmal einen etwas anderen Ton, das proklamatorisch-folkige Element, wie man es etwa von The Coral kennt, ist wirklich schmuck geraten, das perfekt austarierte Solo mit einer Prise Wah-Wah ein echtes Highlight. "Silent Song" zum Abschluss schunkelt das Tempo dann noch mal Richtung Nulllinie.

Fazit: Überraschungsarm, aber durchweg solide ist "Endless Arcade" ein klassisches TFC-Album geworden, in Sachen Melodien und Stimmung wissen die Glasgower immer noch genau, was sie tun. Ein bisschen mehr Körperspannung, wie etwa auf dem nun auch schon wieder 21 Jahre alten, letzten großen Wurf "Howdy" täte der Band dennoch ganz gut.

Trackliste

  1. 1. Home
  2. 2. Endless Arcade
  3. 3. Warm Embrace
  4. 4. Everything Is Falling Apart
  5. 5. The Sun Won't Shine On Me
  6. 6. Come With Me
  7. 7. In Our Dreams
  8. 8. I'm More Inclined
  9. 9. Back In The Day
  10. 10. The Future
  11. 11. Living With You
  12. 12. Silent Song

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