laut.de-Kritik

Safe-Space-Sound einer unsterblichen Legende.

Review von

Noch mehr als in ihrer Heimat Deutschland selbst sind Tangerine Dream weltweit eine Legende der Kosmischen Musik samt wegweisenden Werken für Kraut und Electronica sowie im Soundtrack-Bereich. Ihre elektronischen Elegien waren maßgeblich von Mastermind Edgar Froese beseelt worden, der 2015 starb, doch die Band lebte und träumte weiter.

Das neue Album "Raum" wurde nun mit vollem Zugriff auf Froeses Cubase-Arrangements komponiert und produziert. Die Legendmusik-Verwaltung übernehmen die drei MusikerInnen Thorsten Quaeschning am Piano und Synth, Hoshiko Yamane an der Violine und am Cello und Paul Frick am Synthesizer. Letzterer vertritt den sonst hier sitzenden Ambient-Shoegaze-Künstler Ulrich Schnauss, der im Sommer 2021 unter nicht ganz geklärten Umständen ausgestiegen war.

1967 gegründet, lernte Quaeschning von Froese alles über elektronische Musik, und mit Yamane als Solostimme per Geige arbeiteten die drei über zehn Jahre zusammen. "Raum" ist nun vom vor 50 Jahren erschienenen ikonischen Album "Zeit" inspiriert. Doch was ist schon Zeit in der Welt von träumenden Mandarinen im All?

Neben den bislang unveröffentlichten Musikarchivaufnahmen sind auch wieder Geräusche aus der Natur verarbeitet worden, die die Band eigens dafür sammelte. Die neuen Tracks sind zudem mehr Ambient als je zuvor, ätherisch fließend und abstrakt erhaben.

Schimmernde Arpeggios und Streicher, die in bis zu zehn Spuren übereinander aufgenommen wurden, lassen darüber hinaus den außerweltlichen außerirdischen Klang entstehen, der Tangerine Dream unverkennbar macht, auch wenn nun die Bandbesetzung eine ganz andere ist als 1972, dem Veröffentlichungsjahr von "Zeit". "Raum" ist wie dieses ein Doppelalbum voller Space-Sounds, die sich nun jedoch melodischer und (noch) moog-lastiger und prog-belebter erheben.

"Raum" ist ein warmer pulsierender Strom durch Synthwelten und eine eskapistische Reise, die man gerade jetzt nur allzu gerne antritt. Musik, die man braucht, wenn Dinge aus den Fugen geraten, Musik als Raum, aber eben auch als Safe Space.

Trackliste

  1. 1. Continuum
  2. 2. Portico
  3. 3. In 256 Zeichen
  4. 4. You're Always On Time
  5. 5. Along The Canal
  6. 6. What You Should Know About Endings
  7. 7. Raum

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4 Kommentare mit 6 Antworten

  • Vor 3 Monaten

    Weiß nicht, das dudelt alles auf hohem Niveau so vor sich hin, aber der Spannungsaufbau und die ernsthaft deepen (oder "kosmischen") Momente vieler TD Klassiker fehlen mir. Was dieses Album außer dem Namen mit "Zeit" zu tun haben soll, ist mir ein Rätsel. "Zeit" ist ein (für seine Zeit, haha) radikales, düsteres Drone-Album, ein richtiger Mind-Trip, während hier die melodramatischen, aber leider simplen Melodien quasi nonstop durchlaufen. Klar, bei dem Equipment und Können, klingt das ganze immer irgendwie beeindruckend erstmal, aber bei mir bleibt danach irgendwie wenig hängen, was über das Label "Chill-Out" und akustische Blendgranaten hinaus ginge.

  • Vor 3 Monaten

    4/5? Also fast auf Augenhöhe mit den großen Alben aus den 70ern? lmao

  • Vor 3 Monaten

    Tja, es gibt so musikalische Phänomene wie die Einstürzenden Neubauten oder eben Tangerine Dream: Das Zeug hört sich zwar keine Sau freiwillig an, aber alle bewundern den Pioniergeist, das Können und die Innovation. Faszinierend.

    Und so wird auch das wahrscheinlich 546. Album von Tangerine Dream von der Kritik gelobt werden. Und ab morgen isses vergessen. So wie die 545 Alben davor.

    • Vor 3 Monaten

      Eine Sau muss nicht von sich auf andere schließen.

    • Vor 3 Monaten

      Quatsch, TD haben schon so einige Klassiker released, die auch heute noch von vielen Elektronikfans aufgelegt und geschätzt werden. Dazu kommen aber tatsächlich noch gefühlt 500 andere Alben, da stimme ich zu. Irgendwann sind sie halt in Richtung Masse statt Klasse gegangen und haben sich auf Teufel komm raus dem Zeitgeist angebiedert, anstatt eigene Wege zu gehen.

    • Vor 3 Monaten

      Was für ein elender 0 Ahnung- und Müllkommentar, @OP.

      Will gar nicht wissen, wie viele Leute TD bis heute allein unbewusst gehört und gefeiert haben, weil Menschen schon in den 80ern deren Tracks 1:1 auf SID-Chip umgesetzt und als Hintergrundmusik für Videospiele wie z.B The Last Ninja 2 genutzt haben...

      Hab sogar letztes Jahr in nem Anthology-Mixset zwei Tracks von TD anteilig als musikalische Untermalung für MaiMai-Videos verwurstet! :mad: :nerved:

    • Vor 3 Monaten

      "Was für ein elender 0 Ahnun- und Müllkommentar, @OP."

      :lol:

    • Vor 3 Monaten

      @Scoundscan:
      Na ja, "Zeitgeist angebiedert" ... nö, denke ich eigentlich nicht, dazu schwammen TD immer zu sehr in ihrer eigenen kleinen Blase. Die wesentlichen Änderungen im Sound kamen immer mit Personalwechseln, nicht mit dem Zeitgeist.
      "Masse statt Klasse" - joah, kann man stehen lassen, wobei ich allerdings auch finde, daß es vergleichsweise wenig Alben von ihnen gibt, die durchgängig schlecht sind.
      Gruß
      Skywise

    • Vor 3 Monaten

      @Skywise:
      Ich dachte jetzt z.B. an so Alben wie Melrose mit dem Zeitgeist. Das mit dem Personalwechsel stimmt schon. Also ich kenne alle TD Alben bis Mitte der 80er ungefähr, danach einige aber längst nicht alle. Bis dorthin finde ich die ständige Weiterentwicklung ja positiv, davon lebt ja die elektronische Musik. Also ein für mich völlig unhörbares Album von denen ist mir auch noch nicht untergekommen, aber "nett" ist halt der kleine Bruder von...

  • Vor 3 Monaten

    Schnauss sein Gastauftritt bei TD war ja leider nur recht kurz und das hört man auch.. es geht jetzt wieder etwas in Richtung dieses schwurbeligen was ich eigentlich nicht so mag und weswegen TD bei mir nie in der Plattensammlung einen Platz hatte