laut.de-Kritik

Thrashige Neujustierung des bekannten Soundbilds.

Review von

Die im Albumtitel anklingende Zerstörung von Heiligtümern lässt sich zunächst auf die bandeigenen Trademarks übertragen. Die sinfonischen, neoklassischen Orchestertexturen finden sich diesmal nur sporadisch ("Iconoclast", "When All Is Lost"). Dafür flicht Michael Pinnella in der Manier eines Sounddesigners viele elektronische Parts in das Klangbild ein. Die Keyboards stehen im Mix entsprechend im Hintergrund.

Die Koketterie mit antiken Themen findet zwar statt ("Prometheus, I Am Alive"), weicht jedoch einer zeitgenössischen Ausrichtung. Das digitale Zeitalter, der (Irr-) Glaube an Technik und sich dadurch verändernde soziale und kommunikative Strukturen bilden das lose Konzept. Zur metallischen Vertonung eignet sich das fatalistische Menschenbild von seelenlosen Bioautomaten, die außer Ficken und Fressen nur die eigene Vernichtung auf dem Schirm haben, par excellence. Daher ziert das Cover ein Android, den ein maschinelles, drei Gesichter mimendes Ungetüm konstruiert.

Damit betreten die Amis zwar kein Neuland (siehe Ayreons "01011001"), laut Sänger Russel Allen war es jedoch das Ziel, eine Neujustierung des bekannten Sounds an zeitgenössischen Ausdrucksformen vorzunehmen.

Dieser lyrischen Programmatik folgt die Musik: Die wesentlich härtere, im Riffing am Thrash Metal orientierte Gitarrenarbeit knüpft an die thrashige und düstere Ausrichtung thrashige und düstere Ausrichtungder letzten beiden Alben an. Ein kraftvoll shoutender Russel, der in den wahrlich pompösen und hymnischen Refrains in melodiöse Stimmlagen wechselt, tut sein Übriges. Langzeitwirkung entfaltet die Platte aufgrund der verschachtelten Songstrukturen und detaillierten Arrangements, wie man sie in diesem Bereich allenfalls bei Blind Guardian oder Dream Theater findet.

Den genialen Gipfel, den "Paradies Lost" auf der letzten Platte markierte, erklimmt die Band hier nicht ganz, aber ein Song wie "Children Of A Faceless God" ist zumindest sehr nahe dran. Hier wandelt Allens Sangeskunst auf den Spuren von Dio oder Robert Plant und mündet in einen Uptempo-Mittelteil, in dem Michael Romeo die Finger glühen lässt, dass selbst ein Malmsteen vor Neid erblassen dürfte. Die Powerballade "When All Is Lost" mit seinen Classic Rock-Anteilen und Images And Words-Zitaten sorgt ebenfalls für Gänsehautmomente.

Leider lag zum Zeitpunkt der Rezension nur die einfache CD-Version vor. Die Limited Edition erstreckt sich über zwei CDs, enthält zusätzlich drei Songs und soll laut Statements aus dem Bandcamp als reguläre Version gelten. Sollte man sich nicht entgehen lassen.

Trackliste

  1. 1. Iconoclast
  2. 2. The End of Innocence
  3. 3. Dehumanized
  4. 4. Bastards of the Machine
  5. 5. Heretic
  6. 6. Children of a Faceless God
  7. 7. Electric Messiah
  8. 8. Prometheus (I Am Alive)
  9. 9. When All is Lost

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2 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Heaven Shall Burn lässt grüßen :D

  • Vor 7 Jahren

    Nein, Heaven Shall Burn lässt sicher NICHT grüßen. Dafür liegen (qualitative) Welten zwischen den zwei Bands. Allerdings muss ich auch selber sagen, dass Symphony X mir von Album zu Album weniger gefallen. Die "Neujustierung" wie sie im Review angesprochen wird, gibt es schon seit dem Album The Oddyssey und hat jetzt ihren Zenit erreicht. Songs wie When All Is Lost zeigen aber noch die alte Stärke dieser Band. Wieso nicht öfter?