laut.de-Kritik

Heraus aus dem Schatten des ewigen Talents.

Review von

Mit dem ambitionierten "Dormant Heart" bringen Sylosis nicht nur ihr viertes Album heraus. Es ist auch ein entscheidender Schritt heraus aus dem Schatten des ewigen Talents und hinauf zum Olymp des Thrashmetal, wo sie den etablierten Genrehelden locker das Wasser reichen können. Zwar ist die Platte songwriterisch nicht immer ein Geniestreich. In Punkto Heaviness, Frickelarchitektur und Spieltechnik entpuppt sich ihr "Ruhendes Herz" indes überwiegend als meisterhaft.

Thrash'n' Death zwischen pur und melodic geben einander zwölf Tracks lang den Knüppel in die Hand. Mit eingebaut: die bei Sylosis stets üblichen Schlenker in Richtung Machine Head. Das wäre für sich genommen erst mal nichts besonderes. Richtig spannend wird "Dormant Heart" erst durch ihre eingebetteten Ausflüge in den Progmetal. Fette Breaks und kunstvolle Schnörkel wuchern durch die besten Songs wie ein Virus.

Die Produktion gelingt ihnen wuchtig, klar und homogen. Sylosis könnten "Dormant Heart" lässig als Blaupause an ihre Vorbilder Metallica schicken und mit dem Zusatz "P.S.: "Death Magnetic"!" versehen. Es wäre alles gesagt. Die Doppelspitze mit Scott Atkins als Knöpfchendreher und Frontman Josh Middleton als Co-Producer presst die Progparts wie eine Wehe in ihre Highspeed-Granaten. Ergebnis: Es passiert unglaublich viel, ohne die Direktheit der Songs einzubüßen.

Auch textlich erweisen die Engländer sich als moderne Band. Statt Ringelpietz mit Bihänder oder grindigem Helden-Kokolores gibt es einen ganzen Haufen sozialkritischer Gegenwart. Nach dem Verkehrsunfall der Band im Spätsommer 2013 sticht dieser Ansatz noch deutlicher heraus. Middleton: "Der Titel des Albums bezieht sich auf Menschen, die wie von einem Autopilot gesteuert durchs Leben gehen und Teil einer Herde sind. Es geht darum, dass die Leute das einfach als Teil einer 'Tradition' akzeptieren, statt sich in der Welt umzusehen und für sich selbst zu denken. Manchmal gibt es Situationen, die unsere Perspektive oder Wahrnehmung verändern."

So bringen sie großartige Lieder wie "Mercy", "Harm" oder das heftige "Callous Souls" mit seinem ruhenden Mittelpunkt. Gleichzeitig fällt jedoch auf, das ihr Songwriting noch nicht für eine ganze Scheibe langt, um durchgehend Weltklasse zu bieten. "Victims And Pawns" oder das Titelstück etwa bieten nicht mehr als routiniertes Bay Area-Geschredder kontinentaler Musterschüler. In diesen gelegentlichen "Lieder, die die Welt nicht braucht"-Momenten geht ihnen die sonst so stringent verfolgte Eigenständigkeit leider komplett flöten.

Doch sie retten sich nicht nur mit der herausragenden zweiten Hälfte der Scheibe. Zünglein an der Waage ist das Filetstück "Quiescent", ein knapp zehnminütiges Epos zwischen sanfter Melancholie und großem Gefühl. Ein hochgradig intensiver Song, der sich in angedeuteter Terassendynamik peu à peu kunstvoll aus dem eigenen Kokon emporschraubt. Besser kann man solche Tracks kaum gestalten. Auch Freunde von Opeth oder Steven Wilson werden an "Quiescent" sicherlich ihre Freude haben.

So gelingt Sylosis mit "Dormant Heart" trotz kleiner Restschwächen ein souveränes Album, das dem Hörer gern den Kopf abschraubt, ohne dass dieser sein Hirn dafür an der Metalgarderobe abgeben müsste.

Trackliste

  1. 1. Where The Wolves Come To Die
  2. 2. Victims And Pawns
  3. 3. Dormant Heart
  4. 4. To Build A Bomb
  5. 5. Overthrown
  6. 6. Leech
  7. 7. Servitude
  8. 8. Indoctrinated
  9. 9. Harm
  10. 10. Mercy
  11. 11. Callous Souls
  12. 12. Quiescent

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