laut.de-Kritik

Jubiläums-Feierei auf Ibiza.

Review von

Beim Feiern kennt sich Sven Väth aus. Das weiß seit seinem Auftritt als MC beim Time Warp vor drei Jahren beinahe jeder. Einen Grund für ausgiebige Feierei musste der Frankfurter DJ während der zurückliegenden Saison auf der Partyinsel Ibiza nicht lange suchen. Seit zehn Jahren spielt Väth mit seinem Clubkonzept auf der Insel im Konzert der ganz großen Technostars mit.

Und was zu Beginn keineswegs selbstverständlich war: die Cocoon-Abende montags im Amnesia gehören inzwischen zu den erfolgreichsten Clubveranstaltungen auf der Insel. Mit "The Sound Of The Tenth Season" stellt Sven Väth seine persönlichen Tracks des Ibiza-Sommers 2009 vor und feiert zugleich eine Dekade Cocoon-Clubbing in Spanien.

Wie in den vergangenen Jahren teilt Väth seinen Highlights der Cocoon-Saison auf zwei CDs auf. Die erste schlägt traditionell eine härtere Gangart an, während auf der zweiten Stücke für die Afterhour zu finden sind. Als Bonus erscheint die Doppel-CD in Begleitung einer DVD, die mit Interviews (Richie Hawtin, Ricardo Villalobos und Loco Dice) Bilanz nach zehn Jahren Cocoon auf Ibiza zieht und den ein oder anderen interessanten Blick hinter die Kulissen freigibt.

Außerdem gibt es Ausschnitte aus einer Live-Performance der britischen Rave-Legende Underworld zu sehen. Ein 45-minütiges Live-Set von Sven Väth im Amnesia rundet die DVD ab.

Bei der Trackauswahl für seine beiden CDs macht es sich Sven Väth einmal mehr zur Aufgabe, relativ unbekannte Acts zu featuren. Das trifft insbesondere für den Nacht-Mix zu, auf dem Slowenen Umek und dem Briten Spencer Parker lediglich zwei Produzenten mit einem größeren Bekanntheitsgrad zu finden sind.

Alle übrigen wie beispielsweise der Franzose Antoine Husson alias Electric Rescue oder der Italiener Franco Cazzola dürften in ihrer bisherigen Karriere fast nur Szene-Kenner auf sich aufmerksam gemacht haben. Den technoiden Underground einer großen Schar von Zuhörer vertraut zu machen, ist denn auch eine der wichtigsten Leistungen von Sven Väths Cocoon-Parties auf Ibiza.

Denn während in vielen Clubs auf Ibiza Trance noch immer eine sichere Bank ist und DJs wie Paul Van Dyk, Arnim Van Buuren und Tiesto die Massen ködern, pflegt Cocoon ein Profil, das stärker auf Glaubwürdigkeit in der Szene setzt. Zwar haben die Frankfurter mit Sven Väth, Richie Hawtin und Ricardo Villalobos auch einige große Namen vorzuweisen. Weniger bekannten Produzenten räumt man im Cocoon-Konzept dennoch viel Raum ein.

Das zeigt sich auch auf der zweiten CD von "The Sound Of The Tenth Season", auf der eine ganze Reihe subtiler und mitunter hochkarätiger Afterhour-Nummern zwischen House und Techno zu finden sind. Stark vertreten sind hier Produzenten aus Deutschland, wie beispielsweise DJ Koze, Pantha Du Prince, Stefan Goldmann und Lee Jones. Sie prägen mit ihren Tracks das Flair der zweiten CD ganz entscheidend, in der deren Mittelpunkt mit Michel Cleis allerdings ein Schweizer steht.

Sein Track "La Mezcla" ist der epische Höhepunkt von Väths zweiten Set. Das auf Lucianos Cadenza Label veröffentlichte Stück war einer der Sommerhits und hat deshalb hier sicherlich seine Berechtigung. Die Abnutzungserscheinungen der Formel Latino-Vocals treffen Minimal-Grooves sind jedoch gleichzeitig so deutlich zu hören, dass der Mix gut hätte ohne "La Mezcla" auskommen können.

Trackliste

CD 1 - Nacht

  1. 1. Alejandro Mosso - Somebody
  2. 2. Anthea & Celler - Ceadmon Loop
  3. 3. Spencer Parker - The Beginning (Michel Cleis Rmx)
  4. 4. Sebastian Lutz - I'm Telling You (Nico Purman Remix)
  5. 5. Dreher & Smart - Call of Banganzwe (Matt John Discopub Remix)
  6. 6. Electric Rescue - The Darkest Star
  7. 7. Franco Cazzola - In Mexico With You (Ahmet Sisman Remix)
  8. 8. Egbert - Magie (Techno Version)
  9. 9. Umek - Pravim Haos
  10. 10. Marc Marzenit - Not Assigned
  11. 11. Ilario Alicante - Living in Africa

CD 2 Tag

  1. 1. Prostitune - Money Nugget
  2. 2. Basti Pieper feat. Eddy Pirax - I Love You
  3. 3. Lee Jones - Aria (Lawrence Remix)
  4. 4. Cesare vs Disorder - Mean Land
  5. 5. Precious System - The Voice Of Planet Love
  6. 6. Yousef - Come Home
  7. 7. Michel Cleis feat. Totó La - La Mezcla
  8. 8. Stefan Goldmann - Art of Sorrow
  9. 9. DJ Koze - Mrs Bojangels
  10. 10. Pantha Du Prince - Behind The Stars

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7 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Das ist das erste mal das ich mir nicht sicher bin ob ich diese CD kaufen soll.

    Ich habe in diesem Jahr schon viele Sets von Väth gehört und muss leider sagen das er dieses Jahr soundmäßig ziemlich abgebaut hat.

    Man hatte nicht mehr das Gefühl das Sven sein eigenes Ding macht sondern das er genau das macht was so viele andere auch momentan machen nämlichn stinklangweiligen, tribellastigen Minimal der einfach nicht zum Punkt kommt und nur so vor sich hindümpelt.

    Was mich angeht, sehe ich 2009 so:

    Mix-CD des Jahres:

    Len Faki - Berghain 03

    Album des Jahres:

    Ben Klock - One

    Überraschung des Jahres:

    Snuff Crew - Snuff Crew

    Naja, aber wahrscheinlich werde ich mir die CD im Endeffekt doch wieder kaufen, alleine der Vollständigkeit halber...

  • Vor 11 Jahren

    Meinen Geschmack trifft das neue Werk besser als alle bisherigen Saison Kompilationen zuvor. Kann es sein, dass hier mittlerweile das Alter des Konsumenten/Interpreten eine Rolle spielt? Sven Väth ist Baujahr 1964! Fängt er langsam an, das Thema zu verfehlen? Mir wär's recht.

  • Vor 11 Jahren

    bizarro,

    du checkst die Lage mal wieder voll.

    Ich bin selbst DJ und bei BX3 explodiert jeder Club...

    Ostgut Ton ist momentan mein Lieblingslabel...

  • Vor 11 Jahren

    hahaha

    das hätte selbst max goldt nicht schöner hinbekommen.

    prolet..

  • Vor 11 Jahren

    Das Thema ist es, der Zielgruppe Minus 30 wenigstens das zu geben, was sie gewöhnt ist. In meinen Ohren tut er das mit Nr. 10 nicht, sondern bedient die Tänzer/Hörer, die eine vergleichsweise ruhige/harmonische Gangart bevorzugen. Aber hat sich der Clubzeitgeist nicht längst vom groovenden Rythmus gepaart mit nachvollziehbarer Melodie verabschiedet? Ich hätte nichts gegen weitere Neuerscheinungen in diesem Genre, bei denen das Klangschema wieder öfter hör- u. spürbar gemacht wird.