laut.de-Kritik

Mit viel Liebe direkt aus den Rippen geschn(w)itzt.

Review von

Seit mehr als einem Jahr ist Superpitchers Album-Projekt in aller Munde, die Wartezeit ließ nicht wenige ihre Fingernägel abkauen. Man muss schon geduldig sein, wenn einer auszieht, seinen ersten Longplayer in Angriff zu nehmen. Vor allem im Falle Superpitcher (alias Aksel Schaufler), der als Frickler und Perfektionist bekannt ist. Allerdings wird sicherlich Enttäuschung der Begleiter sein, wenn man den Künstler nur als One-Track-Artist begreift und ihn vom unterirdischen Technokeller kennt.

Wer nämlich freitags mit Amphetaminen zugeknallt ins Studio 672 rennt, der kann erst mal die Tranquilizer nachwerfen. "People" geht OK. Smooth und sexy in seiner Einfachheit, aber schnörkellos. Bei "Träume" geht der erste Gedanke an "Surabaya Johnny" von Brecht und Weil. Dieser verfliegt aber mit V(iva)J Charlotte Roche am Mikro. Ein nettes Duett bahnt sich da an, das gerne auch mal live erlebt werden will.

"Love Me Forever" und "Fever" nehmen richtig den Fuß vom Gas und treten voll in die Eisen. Argghh! Fever, da fieberkrampft es in mir. Es fällt mir schwer, unbefangen zu sein, aber ich HASSE diesen Song! Tötet (oder sind sie schon tot?) John Cooley und Eddie Davenport für diese Cover-Falle, in die man nicht mehr reintreten sollte.

Überhaupt muss man sich erst an Aksels Stimme gewöhnen, ihr aber gleichfalls eine Chance geben. Denn der slightly Kraut-Accent klingt in den USA und Japan äußerst kraftwerkesk und sexy. Man hört aber auch gelegentliche (technische) Umsetzungsschwierigkeiten, z.B. bei der Überlagerung von verzerrten und unverzerrten Parts im Gesang. Möglich, dass es an der Hardware lag oder einem Fehler im Betrübssystem. Feinste Handarbeit ist es trotzdem, mit viel Liebe direkt aus den Rippen geschn(w)itzt.

Puh, "Fever" war hoffentlich nur ein Lückenfüller! Yep, denn gleichsam steigt Verzückung hoch über "Lovers Rock", der wieder auf Trab bringt, was zwischendurch nur noch kroch. Das ist House Music in Vollendung, mittels metallisch gestampfter Grooves, die in einen treibenden Orgel-Loop bis zum Ächzen scheuchen.

Das vollkommen unhappy daher wabernde "Happiness", kann einen gänzlich aus der Fassung bringen. Schwerelose Uffz-Beats heben die melancholische Schwere in Aksels Gesang über ein kickendes Klavier-Loop. Streicher und flächige Synths tragen dieses Sahnehäubchen von Elektropop hinaus in die schwere See. Ein typischer Superpitcher-Hit, der diese Platte nie mehr aus meinem Schrank verschwinden lässt.

Mit "Even Angels" kommt dann auch schon das Sandmännchen, und wir hüpfen in unser noch vom Schweiß befeuchtetes Bett ...

Trackliste

  1. 1. People
  2. 2. The Long Way
  3. 3. Sad Boys
  4. 4. Träume
  5. 5. Love Me Forever
  6. 6. Fever
  7. 7. Lovers Rock
  8. 8. Happiness
  9. 9. Even Angels

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LAUT.DE-PORTRÄT Superpitcher

Bei Superpitcher stellt man sich zuerst die Frage: Warum firmiert der Typ nicht unter "Schaufler"? Der rechte Kampfname um die Gunst des tanzenden Volkes.

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