laut.de-Kritik

Klingt schon jetzt verdächtig schön nach Klassiker.

Review von

Dreizehn Jahre ist es mittlerweile her, dass sich Supergrass mit ihrem Debüt "I Should Coco" in quasi Lichtgeschwindigkeit an die Spitze der englischen Albumcharts und mitten ins Herz der internationalen Indiegemeinde gebeamt haben. Frisch, frech, fröhlich, stets leicht angetörnt und mit einer Handvoll Spitzensongs bewaffnet waren sie plötzlich das große Ding mit den dicken Koteletten. Und zwar völlig zurecht. Yeah, alright.

Dann begann, zunächst ganz langsam, was nach einem solch furiosen Start fast naturgemäß kommen muss: der "Abstieg". Die nächsten Alben gehen auf die Plätze zwei ("In It For The Money"), drei ("X-Ray") und schließlich auf die neun ("Life On Other Planets" und "Roud To Rouen"). Viel entscheidender jedoch ist der Umstand, dass auch die kreative Schubkraft der Alben nachließ. Klar, da kam mit "Mary" schon noch mal eine richtig fette Single ums Eck, doch speziell "Road To Rouen" klingt doch ziemlich fad und scheppert allzu diskret vor sich hin.

Um so schöner ist es nun zu hören, wie sich die Band mit ihrem mittlerweile sechsten Studioalbum "Diamond Hoo Ha" mit Donnerhall zurückmeldet und ihren seit "I Should Coco" wohl besten Longplayer abliefert. Schon die Vorab-Single "Bad Blood" ließ ahnen, dass da etwas Großes auf uns zukommt.

Ein Gaz in bester Sangeslaune gibt uns in der Strophe eine Vorstellung davon, dass er auch bei den verehrungswürdigen Stooges eine gute Figur am Mikro abgeben würde. Die Band spielt die Viertel im Groove einer ausgewachsenen Rockmaschine, und im Refrain explodiert der Song mit einer Wucht, die bei Supergrass in dieser Form überhaupt noch nie zu bewundern war. Wow.

Ebenso der Opener und Titelstück "Diamond Hoo Ha Man" - coole groovy Rockmusik, musikalisch und gesanglich über alle Zweifel erhaben. Auch die anderen neun Songs des Albums sind durchweg mindestens gut. Ironischerweise trägt dabei der am wenigsten überzeugende Song den Titel "Return Of Inspiration". Zudem ist er als sechstes Stück auch geografisch der Mittelpunkt von "Diamond Hoo Ha". Dennoch muss man dem Titel aufs ganze Album gesehen voll und ganz zustimmen. Sollte sie (die Inspiration) jemals weg gewesen sein, so ist sie nun unüberhörbar zurückgekehrt.

Über volle Albumlänge drückt dabei Gaz' unverwechselbares und gleichzeitig sehr wandlungsfähiges vielschichtiges Organ der Scheibe ihren Stempel auf. Bei "Ghost Of A Friend" beispielsweise gemahnt seine Stimme im Refrain sehr charmant an Bob Dylan zu besten Zeiten, der Anfang von "Bad Blood" klingt (wie bereits angedeutet) ein wenig nach wiederbelebtem Iggy Pop, und über die gesamte Platte hinweg blitzt immer wieder ein Hauch von David Bowie ums Eck, besonders im Endstück "Butterfly", wenn die Stimme hoch geht.

Schade, dass sich das alles scheinbar noch nicht bis zum Publikum rumgesprochen hat - bis jetzt ist "Diamond Hoo Ha" mit Platz 19 der kommerziell schwächste Chartentry von Supergrass. Vom künstlerischen Standpunkt aber ist es ein fulminantes Comeback, das ich ehrlich gesagt in dieser Form nicht mehr erwartet hätte. Aber manchmal lässt man sich ja sehr gerne eines besseren belehren ....

Trackliste

  1. 1. Diamond hoo ha man
  2. 2. Bad blood
  3. 3. Rebel in you (Album Version)
  4. 4. When I needed you
  5. 5. 345
  6. 6. The return of ...
  7. 7. Rough knuckles
  8. 8. Ghost of a friend
  9. 9. Whiskey & green tea
  10. 10. Outside
  11. 11. Butterfly

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7 Kommentare

  • Vor 13 Jahren

    Naja, eine gewisse Ähnlichkeit ist schon da. Mit dem Unterschied, dass der Schlagzeuger von Supergrass einen Vierviertelrhythmus halten kann. Meg White ist damit ja schon überfordert.

  • Vor 13 Jahren

    immer schade wenn die single das schlechteste stück auf dem album ist

  • Vor 13 Jahren

    @placebo (« ("Life On Other Planets , ist für mich das beste album , fand den Glam darin sehr geil , noch mal so ein kurzes aufleben , mit den anderen alben kam ich nicht so mit klar, aber natürlich hör ich mir das neue album an . bin schon sehr gespannt:-) »):

    so habs gehört , wenn ich ehrlich sein soll , ausser der erste track und track 11 , sind die einzigen songs die mir im ohr hängen bleiben.

    also lauf ich zu meiner CD Wand und hol das Life on Other Planets , ach ja und moving, :-).