laut.de-Kritik

Berliner Indierock mit Pink Floyd-Gedächtnisgrifftechniken.

Review von

Pop lebt vom Besonderen. Der Mainstream mag für unterstellte Gleichförmigkeit gehasst werden - sich wirklich gutem Pop zu entziehen, ist dennoch Verdrängungsarbeit für Überzeugungsignoranten. Eingängige Singalongs, außergewöhnliche Songdramaturgie, überwältigende Instrumentierung oder Textzeilen … es gibt so viele Merkmale des "gelungenen" Popsongs wie Graustufen zwischen Kommerz und Subkultur.

Super700 aus Berlin versuchen mit ihrem Indierock nun schon eine geraume Zeit, dem schwer fassbaren Popappeal auf die Schliche zu kommen. Zum Blitzlichtgewitter hat es trotz Superproduzenten im Hintergrund (Gordon Raphael, Rob Kirwan) bislang jedoch nie ganz gereicht, man blieb Geheimtipp in und um Berlin herum.

Zwischen dem zweiten Album "Lovebites" und dem neuesten Output hat man sich vom Septett aufs Quartett zusammengeschrumpft. Sängerin und Texterin Ibadet Ramadani steht nun ohne ihre Schwestern am Mikrofon. Geblieben sind Mitbandgründer Michael Haves und das erweiterte Setup aus Bass, Gitarre, Schlagzeug.

Elektronische Fragmente haben Super700 in dieser Umbruchszeit ausradiert. Resultat ist keine grundsätzliche Neuausrichtung, sondern eine eher nüchterne, zurückhaltend arrangierte Herbstplatte. Wo "Dear Wolf" sowie der Opener mit fast stonerrockiger Schwerkraft auf Ramadanis Schultern lasten, Wut und Anstrengung und Erschöpfung in Zeiten der postmodernen Bedeutungsauflösung gut transportieren ("I'm a 21st century girl in the age of nullification"), strahlt das Gros der Tracks etwas zu viel einvernehmliche Harmlosigkeit aus.

Schon zwischen genannten Stücken lullen uns die Berliner sehr mit bittersüßer Streicher-Melancholie ein: "Life With Grace" knappst so ausgiebig bei Get Well Soon, vor allem aber beim Folk Maria Taylors und Rilo Kileys ab wie fadere Katalognummern bei Saddle Creek Records.

"One Of A Kind", nur im Titel ironisch, macht dann ganz ohne Augenzwinkern den kammermusikalischen Schlager, der am Ende auch vor Pink Floyd-Gedächtnisgrifftechniken nicht zurückschreckt, während der Titeltrack etwas zu sehr an das Gitarrenmotiv von "All Apologies" erinnert. "Wir haben erkannt, dass man nicht leiden muss, um etwas zu kreieren. Man muss nicht schwitzen, um zehn Schritte zu gehen, man kann sie auch entspannt gehen", umschreibt Sängerin Ibadet die neue Arbeitsweise.

Das (Pop-)Besondere bleibt dementsprechend auch auf der zweiten Albumhälfte absent. Und Super700 damit vom hehren Ziel wieder einmal mehr als eine Kurzstrecke entfernt.

Trackliste

  1. 1. 21st Century Girl
  2. 2. Life With Grace
  3. 3. Descent Snow
  4. 4. One Of A Kind
  5. 5. Under The No Sky
  6. 6. When The Evening Comes
  7. 7. Old Moon
  8. 8. Dear Wolf
  9. 9. Make Rain
  10. 10. My Bones
  11. 11. Queen Of Inbetween

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2 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    (angebliches Abkupfern faellt offenbar immer nur bei denen negativ auf, die dafuer nach undurchsichtigen Kriterien als 'nicht qualifiziert' erachtet werden, aber auch diejenigen, von denen hier [angeblich] abgekupfert wurde haben genau das selbst getan, ohne darum im uebrigen viel weniger 'harmlos' zu klingen..)

  • Vor 7 Jahren

    ok, Herrn Manthe gefällt's offensichtlich nicht;
    macht nichts, mir gefällts trotzdem!