laut.de-Kritik

Tot ist hier gar nix.

Review von

Strike Anywhere zählen zu jenen Politpunks, die sich am lautesten zur politischen Lage im eigenen Land äußern. Ganz egal, wie man zu amerikanischen Präsidenten und der Politik seiner Administration steht; dass "Dead FM" auf Fat Wreck erscheint, ergibt durchaus Sinn. Und es zeigt, dass auch im Jahr sechs der Bush-Ära die Protestkultur keineswegs darnieder liegt.

Musikalisch hat sich wenig geändert bei Strike Anywhere, die ja schon so etwas wie alte Hasen im Geschäft sind. Sie hauen nach wie vor ordentlich auf die Wurst, allerdings verbunden mit einem lyrischen und intellektuellen Anspruch, der im Punkrock seinesgleichen sucht. Bad Religion können da natürlich mithalten, aber danach wirds schon dünne.Treten Strike Anywhere die Nachfolge an?

Musikalisch gibt es über "Dead FM" nicht viel zu erzählen. Bewährte In-die-Fresse-Beats knüppeln dem Hörer um die Ohren, Akkordminimalismus gleicht eine maximale Melodie-Ausbeute aus. Keine Frage, musikalisch gehören Strike Anywhere zu denjenigen Bands, die Punkattitüde und Härte mit Hörspaß zu verbinden wissen. Obwohl es hauptsächlich auf den Inhalt ankommt, macht die schöne Verpackung alleine schon Eindruck.

Inhaltlich geht es natürlich nur um die Regierung der USA und ihre politischen (Irr-) Wege. Gleich zu Beginn stellt Sänger Thomas Barnett stellvertretend für die Band klar: "Our trust in the system's dead". Er sieht seine Generation in der Pflicht, Rüstung und Krieg ein Ende zu bereiten, wenn er fordert: Hiroshima started in Tennesse/let it end with me". Wer nicht so gut informiert ist wie der Texter mit den Dreads, kann sich aus kurzen Abschnitten im Booklet darüber aufklären lassen, was das Manhattan Project war und was der Staat in den Appalachians mit der Atombombe zu tun hat.

Umweltschutz, Arbeiter- und Frauenrechte stellen weitere zentrale Themen von Strike Anywhere dar, neben politischem mangelt es nicht an sozialem Bewusstsein. Dass sich etwas ändern muss, scheint allen klar, denn: "This country's in distress". Die Lösung: "We'll take back everything they steal", gefordert wird in "The Promise" sicher nicht nur Gerechtigkeit für die indigenen Bewohner Nordamerikas.

Was bleibt also nach knapp 30 Minuten? Musikalische Erbauung? Was drei Akkorde für ein Halleluja so hergeben. Politische Veränderung? Die Revolution wird nicht stattfinden, und Strike Anywhere sind sicher nicht so naiv, als dass sie dies glaubten. Selbstvergewisserungs-Mechanismen greifen hier: die Zeiten sind (in ihren Augen) schlecht, wirklich ändern wird sich in absehbarer Zukunft nichts, und doch muss man irgendwie versuchen, die Zeit abzusitzen.

Also versucht man, die Veränderung herbeizusingen. Dann hat man wenigstens nicht den Mund gehalten und vergessen deutlich zu machen, wo man steht. Der lähmenden Situation geben Strike Anywhere mit dem Titel "Dead FM" Ausdruck, ganz gemäß dem Motto: "Wir singen von der möglichen besseren Welt, auch wenn wir wissen, das wir nichts verändern können." Sie stemmen sich gegen die Starre der politischen Ausweglosigkeit und beweisen damit, dass sie alles andere als tot sind. That's Punkrock in 2006!

Trackliste

  1. 1. Sedition
  2. 2. How To Pray
  3. 3. Prisoner Echoes
  4. 4. Instinct
  5. 5. The Promise
  6. 6. Speak To Our Empty Pockets
  7. 7. Two Thousand Voices
  8. 8. Hollywood Cemetery
  9. 9. Allies
  10. 10. Gunpowder
  11. 11. Dead Hours
  12. 12. Iron Trees
  13. 13. House Arrest
  14. 14. Ballad Of Bloody Run

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