laut.de-Kritik

Mehr als partytaugliche Rage Against The Machine.

Review von

Boots Riley und Tom Morello nehmen die wirtschaftliche Schieflage als Startrampe für ihre Wut. Majestätisch ragen auf dem Cover zwei Maschinengewehre aus dem Ghettoblaster: Der Angriff auf Kriegstreiber, Banker und Snobs ohne soziales Bewusstsein kann beginnen.

Dabei verkörpert der The Coup-Frontmann einen Revolutionär par excellence. Riley zwinkert mit einem Auge, klagt ironisch an ("big bosses guard your sack, because we'll put it in the squeeze"), starrt mit dem anderen Auge jedoch fanatisch und emotionslos und skandiert provokante Zeilen ("but somewhere in the world it's midnight and the guerrillas just shot two pigs").

Rileys lyrische Brandbomben sind unterlegt mit simplen, repetierenden Palm-Mute-Riffs und fettem Distortion-Sound, die Refrain-Slogans fliegen dem Hörer wie Wurfsteine ins Gesicht. Tom Morello brilliert mit freakigen Sounds, Speed-Licks, finessenreichen Phrasierungen und funkigen Gitarren-Riffs.

Gelegentlicher Eskapismus kitzelt die Ohren mit süßlichen, popkulturell bekannten Melodien. Kurzzeitig scheinen alle Probleme wie weggefegt. Dafür sorgen Classic-Rock-Ausflüge, Singer/Songwriter-Farbkleckse sowie eine partytaugliche Stadionrock-Atmosphäre mit Singalong-Parts und Konfettiregen.

Doch schon im nächsten Augenblick nimmt das Reinigungskommando keine Gefangenen mehr und wirft dir dein Leben als einen ungenießbaren, verfaulten Batzen Fleisch hin, aus dem wie Maden dreckige Heavy-Riffs kriechen und anklagende Vocals vom Leid und vom Scheitern des eigenen Lebensentwurfs künden.

Es mutet aktionistisch und marktschreierisch an, den wahren Verlieren der Krise – den gewöhnlichen Bürgern und Kreditnehmern – einen Soundtrack auf den iPod zu liefern, der sie dazu anstachelt, die Wall Street zu stürmen. Dabei setzen Riley und Morello ganz auf die Strahlkraft ihrer vorherigen Bands und Projekte. Von wegen klassenlose Nischenmusik: Was die Leistung jedes Einzelnen betrifft, findet der Hörer zunächst wenig Neues, geschweige denn Revolutionäres.

Dennoch ist das Duo mehr als die Summe seiner einzelnen Teile und lässt sich nicht auf RATM, Audioslave oder The Coup reduzieren. Die beiden brillanten Musiker und Aktivisten mischen ihre Fähigkeiten zu einem hochexplosiven Cocktail, der, von spröden/schönen Schallwellen getragen, die Herzen sozial engagierter Musikfans entflammen wird.

Trackliste

  1. 1. Fight! Smash! Win!
  2. 2. 100 Little Curses
  3. 3. The Oath
  4. 4. The Squeeze
  5. 5. Clap For The Killers
  6. 6. Somewhere In The World It S Midnight
  7. 7. Shock You Again
  8. 8. Good Morning, Mrs. Smith
  9. 9. Megablast
  10. 10. Promenade
  11. 11. Nobody Moves (Til We Say Go)

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14 Kommentare

  • Vor 9 Jahren

    @Trigger (« Wer die Aggressivität einer RATM-Platte sucht, sollte sich eine RATM-Platte kaufen, die diese auch hauptsächlich durch Zack de la Rocha erhält. Riley hat halt einen anderen Stil. »):

    Es ist ja nicht nur Gesang, der mir nicht wirklich zusagt (Geschmacksache...). Es fehlt einfach der unvergleichliche Groove, den die Rythmusfraktion von RATM damals versprühte und hinzu kommt, dass (so leid es mir tut) Morello vergleichsweise lustlos spielt. Und das Songwriting ist auch alles andere als gelungen: Bei den Songs bleibt so gut wie nichts hängen und die Refrains sind einfach nur lahm...@Trigger (« Für ein "Nebenprojekt" ist "Street Sweeper Social Club" durchaus gelungen! »):

    Nur durch die Tatsache, dass es sich um ein Nebenprojekt handelt, wird die Musik auch nicht besser...

  • Vor 9 Jahren

    @blusi (« @Trigger (« Für ein "Nebenprojekt" ist "Street Sweeper Social Club" durchaus gelungen! »):

    Nur durch die Tatsache, dass es sich um ein Nebenprojekt handelt, wird die Musik auch nicht besser... »):

    Nein, aber von einem Nebenprojekt sollte man halt nicht zuviel erwarten ;)

    Und man sollte schon gar nicht mit einem Self Titled oder Battle of LA von RATM vergleichen...

  • Vor 9 Jahren

    Die Nightwatchman- und Axis Of Justice-Geschichte würde ich nie mit RATM vergleichen, bei SSSC sieht es aber anders aus: Wenn ein Nebenprojekt vom Stil her so nahe bei der (ehemaligen) Hauptband liegt, zwingt sich der Vergleich doch geradezu auf... Selbst dann, wenn von vornherein klar ist, dass das Nebenprojekt niemals an die Hauptband heranreichen wird.