laut.de-Kritik

Hardcore-Groove-Monster aus New York: Handeln statt lamentieren.

Review von

"Thinking like everyone else, is not really thinking", wiederholt die schneidende Stimme mantrahaft, die bei jedem Durchgang energischer wird. Hätten sich RATM nicht 2000 quasi verabschiedet, könnte man fast meinen, Zack de la Rocha spricht höchstpersönlich. Stray From The Path aus New York donnern ihren Crossover zwischen Hardcore, Metal-Riffs und Hip Hop gleichwohl seit 18 Jahren durch die Szene.

Der Opener der neuen Platte ist zugleich Kampfansage und Blaupause für das komplette Album: Stray From The Path sind gekommen, um den amerikanischen Traum (oder was davon übrig ist) in all seiner Verlogenheit einzustampfen. Frontmann Andrew Dijorio rappt und screamt sich dabei durch die zehn Songs, eingerahmt von brettharten Metal-Riffs, die nicht selten mit krummen Harmonien aufwarten.

Hervorheben muss man Schlagzeuger Craig Reynolds, seit 2016 festes Bandmitglied. "Internal Atomics" ist in gewisser Weise um das gebaut, was er auf seinem Set zusammenknüppelt: Im Studio standen die Drumparts bei vielen Songs bereits fest, erst danach arrangierte man die anderen Instrumente. Das Ergebnis klingt wahnsinnig tight und Mr. Reynolds ist das Biest, dass dieser Band den Punch verleiht.

Kaum ist der Opener verklungen, sorgt "Kickback" mit Counterparts-Frontmann Brendan Murphy abermals für Herzrasen: aggressive Screamos, böse Breakdowns, absolute Tightness. "The First Be Last" überzeugt durch rhythmisches Spiel, während der Text eher pathetisch daherkommt: "What goes around comes around / The last will be first and the first will be last." Die 'Wir gegen die'-Mentalität wird oft bemüht, auch wenn die Band in "Beneath The Surface" eigentlich genau dies anprangert: "Not everything's so black and white".

Trotzdem geht man mit dem Großteil der Lyrics konform: Stray From The Path thematisieren so ziemlich alles, was in den USA und der westlichen Welt gerade schiefläuft: Egoismus, Kindesmissbrauch durch Priester ("Seconddeath"), Homophobie, Verarmung ("Beneath The Surface") oder auch Polizeibrutalität.

"Holding Cells For The Living Hell" ist dabei der persönlichste Song der New Yorker. Dijorio berichtet von mentalen Problemen seiner Mutter: "She used to save me from the monsters underneath my bed / How can I save her from the one that's in her head?". Zu einer aberwitzigen Mischung aus Punk-Grooves und Blastbeats schreit er sich in Rage, bis er immer verzweifelter die Zeilen "Stop shaking, stop shaking" repetiert und ihm am Ende die Stimme versagt.

Auf "Double Down" growlt dann Matt Honeycutt (Kublai Khan) einige böse Zeilen ins Mic. Gerade er fällt positiv auf, da seine tiefe Stimme einen willkommenen Kontrast zu Dijorios Gesang liefert. Stray From The Paths Produzent Will Putney meinte in einem Interview mit Kerrang! scherzhaft, dass Dijorios wie ein Kind klinge, das einen anschreie, weil man ihm die Baseball-Karten weggenommen habe.

Das mittlerweile neunte Studioalbum der Amerikaner endet mit dem Appell, selbst aktiv zu werden, statt nur zu lamentieren: "Actions Not Words". Sich selbst nehmen Stray From The Path davon nicht aus: Alle Bandmitglieder engagieren sich in humanitären Projekten, etwa den Hilfsorganisationen 'Hardcore Help' - oder eben 'Actions Not Words'.

Trackliste

  1. 1. Ring Leader
  2. 2. Kickback (ft. Brendan Murphy)
  3. 3. The First Will Be Last
  4. 4. Fortune Teller
  5. 5. Second Death
  6. 6. Beneath The Surface
  7. 7. Smething In The Water
  8. 8. Holding Cells For The Living Hell
  9. 9. Double Down (ft. Matt Honeycutt)
  10. 10. Actions Not Words

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1 Kommentar

  • Vor einem Jahr

    https://www.youtube.com/watch?v=WvS6i6355Q4
    ich empfehle an dieser stelle mal life hates me, falls man nach sftp noch nicht genug hat vom soundtrack zum passiv-aggressivem auf und ab hüpfen im kinderzimmer. ja, bla, gibt andere bands dies besser konnten z.B. hätte ein 99er Jon Davis oder ein 01er dave draiman aus bereits sehr intensivem "Holding cells for living hell" ein fucking akkustisches hohlmantelprojektil gemacht aber hey... es ist 2k19...ich bin froh um jeden, der noch den sound macht