laut.de-Kritik

Durchgedrehte Abrissbirnen und seltsame Chöre.

Review von

Ich muss gestehen, dass ich ein bißchen verwirrt bin. Bin ich doch eigentlich davon ausgegangen, dass Devin Townsend seine Solo-Band ins Leben gerufen hat, um sich bei Strapping Young Lad vollkommen auf seine musikalischen Gewaltausbrüche zu konzentrieren. Hat er mit "Alien" doch genau das getan.

Nun dreht sich aber "The New Black" in meinem Player und schon habe ich das Gefühl, dass der verrrückte Professor schon wieder anfängt zu mischen. Neben den absolut brachialen 'Ich-reiß-dir-den-Arsch-auf-und füll-Tabasco-rein'-Nummern, finden sich auf diesem Album auch einige Sachen, die vom Härtegrad und der Eingängigkeit her eher auf einer Veröffentlichung der Devin Townsend-Band Sinn gemacht hätten.

Schon beim Opener "Deciminator" ist man sich nicht so ganz sicher, denn die Gitarrenmelodie klingt eine Spur zu positiv für Strapping Young Lad und auch der klare Gesang überwiegt. So richtig die Schwarte lässt eigentlich nur Gene Hoglan krachen, der sein Drumset wieder mal quer durch's Studio gejagt haben muss. Bevor's aber zu kuschelig wird, bekommt man den Hassbatzen "You Suck" vor den Latz geknallt.

Vollkommen verrückt und abgedreht, genau so, wie man es sich von den Kanadiern erwartet. Dieser Track dürfte ab sofort in keinem Liveset mehr fehlen. "Antiproduct" explodiert direkt hinterher, doch kaum setzt der Gesang ein, ziehen Devin und Co. die Handbremse. Der Wahnsinn wird bei diesem Groovemonster aber nicht geringer. Ganz im Gegenteil, denn auf einmal tauchen Bläser und sogar Flöten im Mittelpart auf. Von den seltsamen Chören will ich gar nicht erst reden.

Als Mittelding aus Parade-Marschmusik und ein wenig Apokalypse präsentiert sich im Anschluss "Monument". Mit 'sperrig' ist die Nummer noch gnädig beschrieben, aber zum Glück gibt es mit "Wrong Side" die nächste durchgedrehte Abrissbirne. Exakt so stell ich mir einen Strapping Young Lad-Song vor und das ist wohl auch das, was die meisten anderen Fans hören wollen. Komplizierter wird's da schon wieder mit dem mittelschnellen "Hope".

Hierbei handelt es sich nämlich wieder um einen Track der zwar etwas zu düster für seine Solo-Band gerät, im Strapping Young Lad-Kontext aber nur mit Abstrichen funktioniert. Dafür ist er aber nach wie vor ein ganz wütender, unser Heavy Devy. So macht er seinem Ärger im recht simplen "Far Beyond Metal" und dem prägnant betitelten "Fucker" doch ganz schön Luft. Dort darf ihm übrigens Bif Naked gesanglich unter die Arme greifen und macht das natürlich ganz bezaubernd.

Gerade, wenn man denkt, dass "Almost Again" nun aber definitiv nicht hierher gehört, weil man solch positive Schwingungen von den Lads nicht kennt, gibt es eine 180 Grad-Wende und der Song peitscht dir voll ins Gesicht. Trotzdem eher bedenklich das Teil, genau wie das kurze "Polyphony". Daran schließt der Titeltrack nahtlos an, wird bei Fans vom Vorgänger "Alien" aber ebenfalls nicht für uneingeschränkte Glückseligkeit sorgen.

Verstehen wir uns nicht falsch, "The New Black" hat gute bis ausgezeichnete Songs auf Lager. Allerdings fehlt die Kompromisslosigkeit des Vorgängers. Vor allem vermisse ich die massiven und kilometerhohen Keyboardwände, die einen zusammen mit dem Gitarren einfach erschlagen. Ein klasse Album, aber spitze ist es dennoch nicht.

Trackliste

  1. 1. Decimator
  2. 2. You Suck
  3. 3. Antiproduct
  4. 4. Monument
  5. 5. Wrong Side
  6. 6. Hope
  7. 7. Far Beyond Metal
  8. 8. Fucker
  9. 9. Almost Again
  10. 10. Plyophony
  11. 11. The New Black

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