laut.de-Kritik

Toto goes solo.

Review von

Nachdem die amerikanische Hitschmiede in Sachen AOR und Artrock ihren vierzigsten Geburtstag mit einer Best Of und einer Live-Veröffentlichung begangen hat, folgte im selben Jahr das Zerwürfnis. Mal wieder, möchte der Toto-Fan gähnend hinzufügen.

Gitarrist Lukather sieht mit seinen 63 Lenzen jedoch noch ausreichend Licht im Dunkel, um den Split mit der hoffnungsvoll betitelten Scheibe "I Found The Sun Again" zu beantworten. Die Platte spielte Lukather noch vor der Pandemie ein. Der Lockdown und der Tod seines Kumpels Eddie Van Halen lassen ein solches Statement, wie es im Albumtitel formuliert ist, um so dringlicher erscheinen.

Der Ansatz mutet anachronistisch an: Alle Musiker versammeln sich im Studio und spielen munter drauflos. Ohne Click-Track, mit viel Blickkontakt, verbunden durch den Willen, die Magie des Augenblickes einzufangen. Lukather, Komponist und Interpret zahlloser Nummer 1-Hits, beamt sich somit zurück Anfang der Siebziger, als Anything Goes in Sachen Musik in wahre akustische Freudenstürme mündete.

So nahe an der Essenz der großen Prog-Bands wie Pink Floyd oder Genesis war der Gitarrist hingegen selten. Die drei Coversongs stehen Pate für diese innovative Zeit: Eagle Joe Walsh komponierte "Welcome To The Club", "The Low Spark Of High Heeled Boys" stammt von Traffic und das psychedelische "Bridge Of Sighs" hat 1974 Robin Trowers veröffentlicht.

Auch wenn Lukather drauf steht und sich sein extrovertiertes wie emphatisches Gitarrenspiel durch die gesamte Platte zieht, greift er doch auf zahlreiche alte Bekannte zurück. Mit David Paich und Joseph Williams hat er zwei wichtige Säulen der letzten Toto-Besetzung am Start. John Pierce zupft den Bass eigentlich für Huey Lewis And The News, tut dies natürlich auch für seinen Buddy.

Lukathers Leichtfüßigkeit bricht sich bisweilen Bann. Der Opener "Along For The Ride" spendiert ein knackiges Single Note-Riff und knietief gespielte Townshend-Akkorde. "Serpent Soul" strahlt Gelassenheit und Ruhe aus, während "Run To Me" mit Beatles-Anleihen punktet. Passend dazu hübscht Ringo Starr mit seinen Pappdrums den Song auf hoppelt mit seinen achtzig Jahren anständig durch den Track.

Unter dem Banner Toto goes Solo erscheint auch eine Platte von Sänger Joseph Williams. Beide Veröffentlichung eint das Frontcover, das jeweils das Konterfei der beiden Protagonisten ziert. Während die Lukather-Scheibe - wen wundert's -  Gitarren - und Jamlastig ausfällt, deckt der Output von Williams mehr Genres ab und klingt produzierter. Joseph Williams ist übrigens der Sohn von Soundtrack-Ikone John Williams, der mit den Musiken zu "Star Wars" oder "Der Weiße Hai" ikonische Werke geschaffen hat. Beide Platten eint neben der gegenseitigen Unterstützung die Freiheit in der Wahl der musikalischen Mittel.

Trackliste

  1. 1. Along For The Ride
  2. 2. Serpent Soul
  3. 3. The Low Spark Of High Heeled Boys
  4. 4. Journey Through
  5. 5. Welcome To The Club
  6. 6. I Found The Sun Again
  7. 7. Run To Me
  8. 8. Bridge Of Sighs

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1 Kommentar

  • Vor 4 Monaten

    Nach dem (erneuten) Zerwürfnis der Stammband und der irgendwie zu erwartenden Umbesetzung, in der leider David Paiche nicht mehr Bestandteil ist, sondern ausschließlich Joseph Williams als zumindest zeitweise bekanntes Mitglied zum Lignup gehört, war ein Solo Album der logische nächste Schritt. Als Fan der ersten Stunde ein schönes Werk - wenn auch nicht herrausragend. Einige tolle Momente, technisch immer noch großartig - treibt mir aber immer dann ein Lächeln ins Gesicht, wenn seine alten Kumpanen mit eingreifen. Mein Highlight "The Low Spark Of High Heeled Boys" zeigt deutlich mehr Druck als das Original.
    Im direkten Vergleich zur Soloscheibe von Joseph Williams habe ich in der letzen Woche tatsächlich öfter beim jetzigen Toto Sänger reingehört. Perfekt produziert, natürlich teils Ähnlichkeiten zur Stammband. Aber auch jazzig angehaucht, Steely Dan folgend. Der Lukather Silberling hat meine Erwartungen erfüllt, die Williams Platte überrascht mich auch nach häufigerem Hören mit immer neuen Details.
    Also beide Alterswerke eine willkommene Überbrückung der Wartezeit auf ein neues Toto Album, in dem David Paiche vielleicht als Gast mitmischen könnte. Zusammen sind sie halt nochmal stärker...