laut.de-Kritik

Oochjooaa ... warum auch nicht?

Review von

Sünde, Hölle, Leidenschaft. Ein paar Sekunden wähnt man sich in einem neuen Album des Black Rebel Motorcycle Club und ihrem Garage-Blues. Diese Seite stand den gefälligen Stereophonics noch nie besonders gut, die meist wie eine solide Coverband ihrer Vorbilder klangen. Der Einstieg in "Oochya!" führt zum Glück auf eine falsche Fährte, denn Sänger Kelly Jones weiß selbst, dass ihm die melancholische Seite viel besser zu Gesicht steht.

Es waren die verletzlichen, souligen Dramen wie "Not Up To You" , "Just Looking" oder später "Dakota", die wirklich die Seele aus der tief-krächzigen Stimme und seinem grundsoliden Songwriting zum Vorschein brachten. Auf die Band aus Wales ist seit Jahrzehnten eben Verlass, was natürlich Überraschungen, aber auch totalen Bullshit ausschließt. Skandale gibt es keine, irgendwie bleiben die sympathischen Phonics immer noch die unscheinbar wirkenden Provinz-Typen aus dem südwalisischen Cwmaman.

Auch "Forever" macht keine Anstalten, irgendeinem neuen Trend zu folgen, und wirkt wie ein alter Bekannter. Das Gefühl trügt letztendlich auch nicht, bereits 2008 erschien der Song auf der B-Seite von "You're Are My Star". Im Gegensatz zu der ungeliebten und monotonen Single favorisierten die Fans schon damals die ruhige Nummer über Isolation und dem Wunsch nach Ausbruch.

Der mustergültige Rocker "When You See It" bleibt mit seinen Led Zep-Riffs ebenfalls im Ohr hängen, auch weil Kelly Jones wieder nahe an das Vorbild Rod Stewart und seine raspelige Stimme kommt. Klassisch, deftig, knackig, grundehrlich - man suche sich eine Phrase aus dem Classic Rock-Lexikon aus. Sie passen alle.

Dieses Homecoming-Gefühl funktioniert auch in dem ersten Abschnitt erstaunlich gut, wahrscheinlich auch weil Stereophonics immer wie ein gelungenes Selbstzitat von früher klingen. "Do You Feel My Love Ya" ist der rockigere Bruder von "Dakota" - irgendwie klangen die Phonics schon auf ihrem Debütalbum wie Mittdreißiger, die mit großer Wehmut auf eine viel bessere Zeit zurückblickten. Genau diese Nostalgie bedient auch "Right Place, Right Time", in der Kelly noch einmal einen Blick zurück wagt und seine Vergangenheit und die seiner Band Revue passieren lässt. "We played some clubs, people saw me sing / They asked if we'd record with them / Wе said, "Why, sure", so we drove to thе smoke / I'd never been that far away from home / We made a few records, top of the charts / Flew around the world, became big stars". Ein besonders subtiler Songschreiber war Jones noch nie, aber die Story von einem Mann, der erst einmal lernen musste erwachsen zu werden, klappt soweit ganz gut. "I tried to integrate the child and the man/Just before it slips through my hands".

Natürlich gehören immer ein paar seichte Songs zu dem Repertoire. "Leave The Light On" erklärt ganz gut, warum diese Gruppe mal Vorband von Schmalz-Barde Bon Jovi war und nie zu den ganz Großen des Britpop aufschloss. Eine belanglose Seicht-Ballade, die wie alles von den Stereophonics nicht weh tut, aber selbst Bryan Adams gelangen schon Lieder mit mehr Kanten. "All I Have Is You" lässt einfach wegen solcher Ausreißer nach unten das Schlimmste befürchten, aber nervt letztendlich nur mit der nie enden wollenden Wiederholung des Refrains.

Es bleibt dabei, die Waliser haben alle Sympathie verdient und man wünscht ihnen nur das Beste. Eine Band, die wie große Brüder schon immer da war und mit der man bei ein paar Pints in der Dorfkneipe die Geschichten von früher austauscht. Besoffen macht das sicherlich Spaß, aber nüchtern betrachtet ist alles komplett auserzählt. Der Beginn gelingt noch vielversprechend, zum Ende kommen eben doch nur die üblichen Plattitüden. Kein grundsätzlich missratener Abend, aber nach Wiederholung schreit gerade die sehr dürftige zweite Hälfte von "Oochya!" auch nicht. Es hätte gerade nach dem vielversprechenden Anfang wirklich wieder was werden können, aber am Ende bleibt das übliche Fazit: Oochjooaa.

Trackliste

  1. 1. Hanging On Your Hinges
  2. 2. Forever
  3. 3. When You See It
  4. 4. Do Ya Feel My Love?
  5. 5. Right Place Right Time
  6. 6. Close Enough To Drive Home
  7. 7. Leave The Light On
  8. 8. Running Round My Brain
  9. 9. Every Dog Has Its Day
  10. 10. You're My Soul
  11. 11. All I Have Is You
  12. 12. Made A Mess Of Me
  13. 13. Seen That Look Before
  14. 14. Don't Know What Ya Got
  15. 15. Jack In A Box

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