laut.de-Kritik

Statt krautrockiger Elektro-Welten lockt jetzt der 80er-Pop.

Review von

Der ehemalige Schrottgrenze-Bandleader und Produzent des neuen Station 17-Albums Alexander Tsitsigias zeigt sich dieser Tage optimistisch: "Ich bin froh, dass wir mit dem neuen Album Songs erzeugt haben, die zumindest theoretisch ein großes Radio-Potenzial besitzen. Sollten wir damit tatsächlich in die Charts kommen, kann es der ganzen Sache doch nur dienlich sein", so der musikalische Regisseur von "Alles Für Alle".

Zu gönnen wäre es dem mittlerweile seit 25 Jahren bestehenden Musik-Projekt aus Hamburg allemal. Wer Station 17 noch nicht kennt: Hier lassen behinderte und nichtbehinderte Künstler ihren musikalischen Gefühlen freien Lauf, und das inzwischen schon seit einem Vierteljahrhundert, festgehalten auf bisher acht Studioalben.

Das neunte Werk des kreativ-sozialen Unterfangens aus der Hansestadt dürfte als das bis dato Außergewöhnlichste in die Geschichte von Station 17 eingehen. Statt sich nämlich, wie in der Vergangenheit, in krautrockigen Elektro-Welten zu drehen, begeben sich die sieben Musiker mitsamt Gästen (Strizi Streuner, Findus) und Produzenten auf eine Reise ins ihnen bisher unbekannte Reich des klassischen 80s-Pop.

Mit gewohnt sozialkritischen Texten über das Nehmen ("Alles Für Alle"), das Ausbrechen ("Es Tut Dir Leid") und unaufhörlichen Zusammenhalt ("Nachtwache") im Gepäck, klopfen die Verantwortlichen an die ehemaligen Proberäume von Heaven 17 oder Human League. Auf dem Weg durch die musikalischen Katakomben der Bundfalten-Antike stehen jede Menge Beats, flächendeckende Synthies und akzentuiert eingeworfene Effekt-Einschübe Spalier.

Richtig große Sprünge macht allerdings keiner der insgesamt elf Songs des Albums, was zum einen an dem etwas lieblos und einfallslos geschnürten Sound-Korsett und zum anderen an den doch etwas limitierten Gesangsdarbietungen liegt. So dürfte es wohl schwer werden mit den Charts. Spaß macht das Album aber trotzdem. Vor allem regt es aber zum Nachdenken an. Allein dafür klatscht man am Ende anerkennend mit den Händen.

Trackliste

  1. 1. Kairo
  2. 2. Alles Für Alle
  3. 3. Es Tut Dir Leid
  4. 4. Halma
  5. 5. Mosaiksteine
  6. 6. Welle Der Enttäuschung
  7. 7. Bellealliance
  8. 8. Nachtwache
  9. 9. Lass Es Frei
  10. 10. Deine Zeichen
  11. 11. Strand

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