laut.de-Kritik

Die sexy Platte alternder Indie-Rocker.

Review von

Als alternde Indie-Band darf man sich gerne einmal etwas Neues einfallen lassen. Ansonsten läuft man Gefahr, zum Klischee zu verkommen. Diesen Weg schlagen Spoon mit ihrem neunten Album "Hot Thoughts" ein. Die Musiker aus Austin, Texas versuchen sich einiger maßgeblicher Charakteristika zu entledigen: Der rohe Klang von "They Want My Soul" weicht wabernden Synthies und an Blues erinnern einzig Momente wie die Memphis-Anbetungen im Text von "Can I Sit Next To You".

Mangelnder Wagemut ist der Band um Sänger und Gitarrist Britt Daniel und Drummer Jim Eno somit nicht vorzuwerfen. "Hot Thoughts" kommt ganz ohne akustische Gitarre aus – und die elektrisch verstärkte tritt noch dazu oft in den Hintergrund. Stattdessen herrschen synthetisch erzeugte Klänge vor, wie es bereits das Stück "Inside Out" auf der letzten Platte angedeutet hatte.

Dieses Konzept macht umso mehr Spaß, je kompromissloser es umgesetzt wird. "Pink Up" sticht hierbei als einziger Song heraus, da er zwar eine zentrale Gitarrenmelodie aufweist, ansonsten aber mit schweren Vibraphonklängen, verwaschener Percussion und verfremdeten Vocals arbeitet. Bei genauerer Betrachtung setzen Spoon allerdings doch auf Hybride zwischen Frickelei und geradlinigem Indie-Song: Beginnt "WhisperI'lllistentohearit" mit einer weiten Sound-Landschaft, die sich über wabernden Synthies aufbaut, endet es doch recht unspektakulär. Einem ähnlichen Konzept folgt auch der Titeltrack, bei dem Keyboards und elektronische Beats ebenso viel Raum einnehmen, dessen Angelpunkt jedoch ein äußerst funkiges Gitarrenriff darstellt.

Der Titel der Platte und die vielen tanzbaren Passagen dürfen als Statement verstanden werden. "Hot Thoughts" soll Spoons sexy Record sein. Britt Daniels Texte handeln von bestimmten Formen der Liebe und Beziehungen. Doch weil dieses Themenfeld sehr universell ist, tun sich zwangsläufig Doppeldeutigkeiten auf: Nimmt "Shotgun" beispielsweise Bezug auf die aktuelle politische Lage Amerikas? Das lyrische Ich wendet sich darin an ein Gegenüber, das immerzu für das Erreichen weiterer Eskalationsstufen verantwortlich sein soll ("You're the one that brought a shotgun"), so dass jetzt metaphorisch zurückgeschossen werden müsse.

Einfallslose Momente wie diesen findet man auf der Platte glücklicherweise selten. Britt Daniel ist schließlich jemand, der lieber einfache und klare Sprachbilder baut, als dass er intellektuell dichtet. Hier und da geht ihm auf "Hot Thoughts" aber selbst diese Fähigkeit ab, so dass unterm Strich Passagen abgekauter, sehnsüchtiger Liebeslyrik stehen. Ihren Tiefpunkt erreicht die Platte, wenn solche in "I Ain't The One" auf eine schlicht leer wirkende Orgel-Ballade treffen. Oder bei "Tear It Down", das sich anhört wie ein günstiger Abklatsch von Coldplays "Fix You" und Modest Mouses "Float On": ein plumper Indie-Hit, der wie ein kalkuliertes Zugeständnis an die Vergangenheit wirkt und den die Platte nicht gebraucht hätte.

Konsequentere Experimentierfreudigkeit bezüglich der elektronischen Klänge hätten "Hot Thoughts" eindeutig besser gestanden. So berauben sich Spoon ihrer Rotzigkeit, ihrem dosierten Hauch von Altherren-Rock, der sie bisher auszeichnete – und kreieren im Gegenzug wenige Momente, die wirklich hängen bleiben. Dafür geht "Hot Thoughts" mit seinem Funk- und Synthie-Glitzer glatt als Prince-Hommage durch.

Trackliste

  1. 1. Hot Thoughts
  2. 2. WhisperI'lllistentohearit
  3. 3. Do I Have To Talk You Into It
  4. 4. First Caress
  5. 5. Pink Up
  6. 6. Can I Sit Next To You
  7. 7. I Ain't The One
  8. 8. Tear It Down
  9. 9. Shotgun
  10. 10. Us

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