laut.de-Kritik

Indie-Rock im Sound-Sammelsurium.

Review von

"Ich möchte alles sehen / Ich möchte die Welt sehen", singt Sänger Levin Krasel im Opener und Titeltrack und trifft den Nagel auf den Kopf. Sparkling können sich nicht entscheiden und machen diesen Nachteil zu ihrem Vorteil. Nebenbei entwickeln sie eine ganz außerordentliche Platte, die so oft den Stil wechselt, wie Arctic Monkeys-Sänger Alex Turner die Frisuren.

Die Geschichte der Kölner lässt sich lesen: In jungen Jahren nach dem Abitur reist das Trio aus ihrer Heimatstadt nach London, um dort ein paar selbst organisierte Konzerte zu spielen. Ihr dreckiger Indie-Rock kommt jedoch so gut an, dass aus den zwei Konzerten schnell ein ganzes Dutzend werden. Zurück in Deutschland nimmt sich ihrer Top-Produzent Moses Schneider an und entwickelt die Erstlings-EP "This Is Not The Paradise They Told Us We Would Live In" (2016).

Dass nun zwischen dem Kurzwerk und "I Want To See Everything" drei Jahre liegen, könnte an zahlreichen Konzerten, die die Band in In- und Ausland spielte oder vielleicht auch an ihrer nicht vorhandenen Entscheidungsfreudigkeit liegen. So oder so – hat ja geklappt.

Das Besondere an ihrem Debütalbum: es klingt eben genau nicht nach einem. Während sich die EP noch im straighten, wilden Indie-Rock mit englischen Texten wälzt, wagen sich Sparkling schon jetzt an uneingängige Sounds, düstere Geräusche und Stilwechsel. Wild sind sie immer noch, aber eben nicht mehr durch schnelle, unsauberere Riffs, sondern unerwartete Songstrukturen. Mutig wechseln sie in "We Don't Want It" nicht nur vom Deutschen ins Englische, sondern ändern auch drastisch den Beat und verzerren den Sound des sonst so jugendlich klingenden Gesangs.

Dem eher softeren Lo-Fi-Vibe folgt wiederum tanzbarer Rock mit seichter, ultraschneller Hi-Hat ("Alive"). Allen Erwartungen zum Trotz brechen Sparkling den Beat jedoch im C-Teil wieder ab und antworten mit Elektrosounds und Daft Punk-Stimmen.

Das ungreifbare Sammelsurium an Sound-Experimenten findet in der Folge kein Ende: Fühlt man sich zu Beginn von "Alles Nur Vielleicht" wie in einem AnnenMayKantereit-Song, beamen die einsetzende Gitarre und das Schlagzeug die Hörerschaft trotz des deutschen Textes wieder zurück ins tiefste England. Dem wiederum folgt "When I Go To Sleep", ein Pop-Lied mit seichten Hip Hop-Einflüssen.

Innerhalb von nur einer Platte toben sich Sparkling in den unterschiedlichsten Genres aus und erzeugen so eine unterhaltsame Mischung aus Bonaparte ("I Want To See Everything"), Arctic Monkeys ("Something Like You") und Die Nerven ("Alles Nur Vielleicht").

Nur ein textliches Stilmittel bleibt konstant bestehen: Wie verrückt wiederholt die Band einzelne Sätze bis ins Unermessliche, bis auch der letzte Hörer versteht, dass diese eine tiefsinnige Bedeutung haben: "Ich möchte alles sehen / Ich möchte die Welt sehen".

Trackliste

  1. 1. I Want To See Everything
  2. 2. We Don't Want It
  3. 3. Alive
  4. 4. Champagne
  5. 5. Alles Nur Vielleicht
  6. 6. When I Go To Sleep
  7. 7. Next To Me
  8. 8. The Same Again
  9. 9. It Isn't True
  10. 10. Something Like You

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