laut.de-Kritik

Der neue, nicht ganz ernst gemeinte Porno-Electro-Hip Hop.

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Man ist ja heutzutage als Hip Hop-Hörer einiges gewöhnt, was elektronische Produktionen angeht. Man denke da nur an die Herren Williams und Hugo, die das Wort Synthie Genre-intern neu erfunden haben. Oder an Crunk-Clown Lil' Jon, der das führende Eurodance-Musikinstrument - die Roland 808 - wieder aus der Versenkung holte. Dann gibt es da noch die durchgedrehten britischen Jungspunde, die derzeit unter dem Deckmantel des Grimes fieseste akustische Androide auf die Tanzflächen der Welt schicken.

Doch was dieses amerikanische Duo hier abliefert, lehnt sich noch etwas weiter aus dem Fenster des trauten Hip Hop-Heimes. Dreckigste Tonspielereien und, was Spank Rock noch ein wenig mehr vom Rest abhebt, weit schmutzigere, anzüglichere Inhalte. Das alles auf dem englischen Vorzeige-Label Big Dada. Wie jetzt? Porno-Styles aus dem Zuhause von Roots Manuva, Ty und Diplo? Geschockt? Verwirrt? Keine Sorge, denn der Scheiß macht richtig viel Spaß.

Simpelste Atari-Synthies wurde jedenfalls lange nicht mehr so sympathisch mit einem Hip Hop-Beat unterlegt. Da quietscht, kreischt, knarrt, brüllt und tropft Elektronisches aus den Boxen und bevor man schon vor lauter Skepsis und Lust nach etwas weniger Anstrengendem, nach der Jazzmatazz-Platte greifen will, bleibt man an Naeems Q-Tipisch rappenden Lippen hängen. Bereits der Opener "Backyard Betty" schraubt sich mit Magengruben-Bass und präsentem Deichkind-Taktschlag sowas von ins Gehirn, dass Vokabeln wie innovativ oder experimental zur Makulatur werden.

Was hier als beschreibung viel besser passt, ist kaltschnäuzig. Abgebrüht muss man auf jeden Fall sein, wenn man einen Song aus leiernden Elektrospuren und lateinamerikanischen Drumpatterns "Rick Rubin" tauft. So ein Schabernack sollte mit einem solchen Namen nicht getrieben werden. Viel Zeit darüber nachzudenken bleibt jedoch nicht. Dafür ist "Touch Me", inklusive Tigerfauchen, einfach zu anzüglich. Da verkommt Fiddys "Candy Shop" doch tatsächlich zur Hintergrundmusik für den nächsten Lakritz-Einkauf.

Vom melodiösen New Rock-Stück ("Sweet Talk") bis hin zum gechoppt- und gescrewten Down South-Raptrack ("Screwville, USA") decken Spank Rock die ganze Palette ab. Abstrus, durchgeknallt und auch anstrengend, wie die ersten Tracks von "YoYoYoYoYo" ankündigen. Ganz sauber sind die Jungs auf keinen Fall. Allein der Name: Spank Rock (to spank - auf den Hintern hauen). Hallo, was kommt als nächstes? Grabsch Grunge? Zu allem Überfluß haben Rapper MC Naeem und Produzent Alex Epton noch eine Tanzeinlage erfunden: Air Cock Thrust! Der neue, nicht ganz ernst gemeinte Porno-Electro-Hip Hop hat so definitiv einen Namen.

Trackliste

  1. 1. Backyard Betty
  2. 2. What It Look Like
  3. 3. IMC
  4. 4. Rick Rubin
  5. 5. Touch Me
  6. 6. Bump
  7. 7. Sweet Talk
  8. 8. Chilly Will
  9. 9. Far Left
  10. 10. Coke N Wet
  11. 11. Competition
  12. 12. Screwville, USA

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