laut.de-Kritik

Boom Bap ohne Rostflecken.

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"Wir machen einfach weiter die Mucke, auf die wir Bock haben, egal ob das nun gerade Hype ist oder nicht." So erklärt das internationale Hip Hop-Kollektiv Sound Survivors der Backspin die Liebe zu sample-basierten Beats, die nach den frühen NY-Pionieren klingen.

Bereits ihr letztjähriges "feelthisundastood" jazzte sich trotz starker Platten von Nas und Max Herre zum heimlichen Sommeralbum hoch. 2013 knüpfen sie genau da an, wo die letzte Platte aufhörte, zieht aber doch den Strippenzieher und Produzent Tom Select mehr ins Rampenlicht.

"Wir dachten, wir sollten die nächste Platte mal dem eher im Hintergrund stehenden Mitglied unserer Band widmen – dem DJ. Von daher steht "The Backspin Project" einfach für die ungezwungene Art der Produktion, massig Cuts und Breaks und das Zurückspulen der Zeit auf das Gefühl, welches einem Anfang inne wohnt." Genau diese Lässigkeit, dieses ungezwungene Rappen und Spaß an der Sache haben, hört man in jedem Ton und begeistert erneut den Hörer. Das Ganze folgt zwar dadurch keinem unbedingten Konzept, liefert aber Rap-Musik in seiner reinsten und ungezwungensten Form.

Tom Selects Telefonliste beherbergt Namen wie RZA, U-God, Masta Killa und Cappadonna, die sich als Teil des Konglomerats sehen und eine längst überfällige "Homage To The DJ" einrappen. "Fast alle MCs, die auf der aktuellen Platte zu hören sind, waren auch schon auf dem Vorgänger zu Gast, und sind mittlerweile Freunde oder Bekannte geworden. Wir haben ein bisschen telefoniert, und wer am Abend im Studio am Start war, hat aufgenommen", erklärt der Produzent den entspannten Entstehungsprozess.

Die Trompete im Beat freut sich einen sonnigen Ast, das Sample tänzelt schwungvoll um die Drums. Es erinnert an die 90er und auch die hauseigene Beatfabrik verbaut die qualitativ hochwertigen Teile aus der Golden Era. Doch der Mann an den Reglern schüttelt den staubigen Museums-Beigeschmack einfach ab und überrascht mit einer zeitgemäßen Frische. Bei so vielen Gästen und einem so überragenden Beat kommt auch bei einer achtminütigen Spielzeit keine Langeweile auf.

"Operating Correctly" mausert sich gar zu einem kleinen Hit, der so viel Kopfnicker-Potenzial besitzt, dass es der Taube neben dir auf der Parkbank schwindelig wird. "See The Fire Up On The Hill!" Die Boom Bap Blues-Helden köcheln nicht ihr eigenes Süppchen, sondern laden zur Grillparty neben den Clan-Vertretern auch Undergroundgäste wie Nino Graye oder M-Eighty ein. Das passt, weil Tom Select die richtigen Zutaten im Rucksack hat.

Zwar haben die deutsch gerappten Parts nicht mehr Realschul-Niveau (wie noch im Vorjahr) sondern das eines Gymnasium-Schulsprechers, trotzdem ecken gerade diese Strophen immer wieder an. Keiner verlangt die Stimme eines Caspers, die Wortspiele von Marsimoto oder die Realness von Genetikk, aber so ein klein wenig mehr Flow und Reimstafetten hätten der EP die Kirsche auf die Sahne gesetzt. Schade drum.

Trotz der verpassten Krönung zeigen die Sound Survivors wie auch in Zeiten von RAF 3.0 oder Tyler, The Creator warmer und satter Boom Bap ohne Rostflecken klingen kann. Tom Select und der Rezensent sind sich einig: "Wer Platten hört und sammelt und Wert auf guten Sound und Liebe zum Detail legt, wird viel Freunde an dem Projekt haben."

Trackliste

  1. 1. The Backspin Session | "Homage To The DJ" ft. Rza, U-god, Masta Killa, Cappadonna
  2. 2. The Goblin Session | "Street Math" ft. Tos-el Bashir
  3. 3. The Hennessy Session | "I Can Hear The Rooster Crowing" ft. Nino Graye
  4. 4. The Daddy Real Session | "Operating Correctly" ft. Jaecyn Bayne, M-eighty
  5. 5. Take It Back | Bonus Acapella ft. Craig G.
  6. 6. The Board Session | See The Fire Up On The Hill
  7. 7. The Bongwater Session | Verbal Voodoo Freestyle ft. Nino Graye & M-eighty
  8. 8. The Last Stand Session | The Drum Rises In The East By Tom Select

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