laut.de-Kritik

Befreiungsfahrt mit angezogener Handbremse.

Review von

Die schottisch-irische Band blickt mittlerweile auf eine 25-jährige Karriere zurück. Mit ihrem siebten Studioalbum wagt sie den Spagat zwischen Stadion-Hymnen und zarten Indie-Tracks. Mit einem Bein stehen Snow Patrol also weiterhin fest im Mainstream, mit dem anderen tauchen sie zumindest die Fußspitzen in Gewässer abseits der großen Aufmerksamkeit. Songs wie "Don' Give In" tragen Folk-Anstriche, "A Dark Switch" spielt mit Fleetwood Mac-Erinnerungen.

Das Album bedeutete für die Band eine schwere Geburt, zumal Sänger Gary Lightbody gestand, an Alkoholismus, Depressionen und Schreibblockaden zu leiden. Es stellt sich zudem die Frage: Wie sehr hat die Songwriting-Arbeit für Ed Sheeran, Taylor Swift oder One Direction den Snow-Patrol-Frontmann verformt oder verdorben? "Wildness" gibt nach langer Pause einen Einblick in eine geschundene Komponistenseele, die sich nach Befreiung sehnt.

Doch perfektioniertes Handwerk allein reicht offenbar nicht aus, um einen eindrucksvollen oder gar eindringlichen Neuanfang zu schaffen. So zeigt "Wildness" nur einen zaghaften Versuch, sich davon zu befreien und eventuell einen neuen Ansatz im Musikmachen zu finden. Zum Teil gelingt das, vielen Songs wie dem hier motivgebenden "Heal Me" merkt man die frische Energie an. Dennoch: Insgesamt klingt das Album nicht "wild", sondern eher nach angezogener Handbremse. Oder, um das Album-Cover zu interpretieren, die Musik taumelt wie ein Astronaut, der zwischen Tauben herumfliegt anstatt frei zu schweben.

Fans von Snow Patrol finden in den vielen leicht tanzbaren Indie-Tracks und melancholischen Lagerfeuermelodien sicherlich einiges Schönes, zumal sie eben ganze sieben Jahre auf neues Material warten mussten. Andere werden einen tatsächlichen Neu-Anfang vermissen. Zu bedacht wirken die Songs, die einfach auf Nummer sicher gehen.

Trackliste

  1. 1. Life On Earth
  2. 2. Don't Give In
  3. 3. Heal Me
  4. 4. Empress
  5. 5. A Dark Switch
  6. 6. What If This Is All The Love You Ever Get?
  7. 7. A Youth Written In Fire
  8. 8. Soon
  9. 9. Wild Horses
  10. 10. Life And Death

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2 Kommentare

  • Vor 5 Monaten

    Sehr gute Kritik! Mir wurde da auch zu wenig gewagt... aber bisher hab ich die Platte auch nur ein-zwei Mal durchgehört.

    Das angesprochene "A Dark Switch" gefällt mir dabei überhaupt nicht.

    Auf der Deluxe-Edition sind übrigens noch 5 Alternate-Version Songs, welche mir alle besser gefallen als die ausgewählten Tracks auf dem Album.

    Highlights sind: Heal me, What if this is all the love you ever get? und Wild horses.

    3 von 5 geht absolut klar.

  • Vor 5 Monaten

    Das Album ist ganz ordentlich und hat ein paar schöne Tracks drauf. Dabei ist auf jeden Fall zur Deluxe Edition zu raten, weil es runder und persönlicher ist.

    Es fällt aber schon auf, dass Snow Patrol sich wiederfinden musste und noch nicht wirklich weiß, in welche Richtung die Band gehen möchte.

    Der Albumtitel Wildness ist auch völlig irreführend / zweideutig. Hört man sich die lyrics an, so geht es eigentlich eher um das Leben und das Gefühl, verloren zu sein und sich wiederzufinden. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Album. Wildness bedeutet eben Wildheit und auch Wildnis, vermutlich ist letzteres gemeint. Solide 4 Sterne sind schon gerechtfertigt.