laut.de-Kritik

Dancehall-Feierei zur Aufhellung trüber Spätherbst-Tage.

Review von

Allein das großartige Cover rechtfertigt schon, diesem Dancehall-Mixtape ein Ohr zu leihen, zumal Slonesta selbiges kostenlos unters Volk jubelt. Gut 30 Minuten Partystimmung: Mehr will "Guten Morgen Welt" gar nicht bieten. Dafür kann man sich schon mal mit der Zahnbürste in der Fresse ablichten lassen.

Der Mix aus Reggae, Ragga und Drum'n'Bass hegt, das wirkt auch mal ganz erfrischend, keinerlei tiefschürfenden Anspruch. Slonesta will weder die Welt retten noch mit erhobenen Zeigefinger über die mannigfaltigen Probleme unserer Zeit dozieren. Er ist verdammtnochmal ein Dancehall-DJ, und als solcher macht der Buschwerk-Bouncer einen hervorragenden Job.

"Bin Slonesta, nenn' mich Entertainer, stell' mich auf die Bühne, wo jeder mich seh'n kann, erzähl' die Geschichten, die jeder versteh'n kann, programmier' die Drums, zu denen jeder abgeh'n kann." Spätestens nach dem Intro liegt Slonestas Intention offen auf dem Tisch.

"Guten Morgen Welt" birgt - in bester Basement-Manier mithilfe von Sirenen, Fanfaren und blubbernden Effekten zusammengeschnitten - Feierei der spaßigen Sorte. Ehe irgendetwas zu langweilen beginnt, liegt längst der nächste Tune parat.

Von "Winterstarre" keine Spur, der Remix brennt wie Feuer. "Passe" reitet einen deutlich reduzierteren Synthiebeat, auf dem Slonesta die Unnötigkeit bekundet, auf Großstadthipster zu machen. Wozu auch, wo man, wie jeder weiß, auch im Badischen deftig feiern kann?

Zu getriebenen, dabei aber verblüffend melodischem Drum'n'Bass-Klängen, setzt sich der Offenburger statt dessen mit seinem Bayreuther Kumpel Rojah wieder einmal als "Dreamteam" in Szene. Obendrauf gibts zum Ende noch zwei klassische Ganja-Tunes, letzterer mit so mächtig schiebendem, dunklen Quak-Sound, dass der Text vollends zur Nebensache verkommt.

Slonestas Auftreten zeugt von Energie und Engagement. Der Kerl will die Hütte rocken, und das glücklicherweise ganz ohne die aufgesetzte Ballermann-Attitüde, die andere zu diesem Behufe zur Schau tragen müssen.

Live mag das Konzept rundum aufgehen. Auf Tape nerven die ständig dazwischen gequatschten Ansagen und Selbstvorstellungen auf Dauer dann aber doch. Zumindest ein bisschen. Trotzdem: Zum Aufhellen trüber Spätherbsttage taugt "Guten Morgen Welt" - kostenfrei hier oder hier beziehbar - allemal.

Trackliste

  1. 1. Guten Morgen Welt (Intro)
  2. 2. Peter Pan
  3. 3. Winterstarre (RMX)
  4. 4. Gut Aus
  5. 5. Übertrieben
  6. 6. Homie Killer
  7. 7. Boom Tune
  8. 8. Passe
  9. 9. Echo
  10. 10. Dreamteam RMX feat. Rojah Phad Full
  11. 11. Slo Na Na Na Na Na Na
  12. 12. Fehler
  13. 13. Ringfinger
  14. 14. Zeigefinger
  15. 15. Hi Dro Slo
  16. 16. Blazen

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LAUT.DE-PORTRÄT Slonesta

"Bin Slonesta, nenn' mich Entertainer. / Stell' mich auf die Bühne, so dass jeder mich seh'n kann. / Erzähl' die Geschichten, die jeder versteh'n kann.

4 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    Klingt auf Soundcloud ganz nett, wärs doch nur im Sommer erschienen. Gibts das auch in getaggt, also einzelne Tracks?
    P.S: Kann mir jemand gute Dancehall-Tips geben? Aus dem bereich hat mir bisher nur The Bug gefallen, alles was ich sonst so kenne klingt so ekelaft cheesy Autogetuned. Danke.

  • Vor 7 Jahren

    @ mobeat
    schau dir mal Deadly Hunta auf Youtube an, der Typ is wirklich gut, feinster britischer Ragga.

  • Vor 7 Jahren

    Und zu Slonestas Mixtape selbst:
    Nach hören des Clickwheels muss ich sagen, es ist nicht schlecht, seine Vocals sind ganz gut, die Melodien durchschnittlich, die Lyrics sind trotz Partymucke nicht zu platt geworden, die Beats hingegen sind teilweise schon ein bisschen nervig. Also alles in allem ist er nicht schlecht, es gibt aber besseren Dancehall da draußen. Da bleibt man doch lieber bei Seeed^^

  • Vor 7 Jahren

    @Luksoropoulos (« @ mobeat
    schau dir mal Deadly Hunta auf Youtube an, der Typ is wirklich gut, feinster britischer Ragga. »):

    Nice, danke. haste noch mehr davon?