laut.de-Kritik

Sie revitalisieren den Hippie-Sound für das MP3-Zeitalter.

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In der Bay Area um San Francisco hatte vor mittlerweile fast 50 Jahren alles angefangen mit Psychedelic-Rock. Die Hippiebewegung startete mit dem Vietnamkrieg ihren Siegeszug quer durch Amerika. Die Liebe wurde frei, die Folk-Gitarren elektrisch. Jefferson Airplane und The Grateful Dead waren die Speerspitzen einer neuen musikalischen Gegenkultur, die mit Soundeffekten genauso experimentierte wie mit Videokunst und Drogen wie LSD.

Psychedelic Rock war das große Ding in den 60er Jahren, ehe The Velvet Underground in New York die Exzentrik für damalige Zeiten noch einmal um eine aggressive Note steigerten. Heute klingt Psychedelic Rock zwischen Techno und Pop als angestaubtester Stil, den man sich nur vorstellen kann.

Mit Sleepy Sun hat sich nun ausgerechnet eine Band aus der Bay Area daran gemacht, die Urform des Westküsten-Psychedelic Rock wieder freizulegen. Ihr zweites Album "Fever" reichert schmeichelnde Gänseblümchen-Folk, der insbesondere im Duett-Gesang von Rachel Williams und Bret Constantino wiederholt aufschimmert, mit schweren Sabbath-Riffs und psychedelischen Jam-Texturen an.

Schon der Opener "Marina" wogt auf über sechs Minuten faszinierend zwischen einem bleischweren Stoner-Groove und rhythmischem New Age-Gospel hin und her. Es folgt mit "Rigamaroo" ein Hauch von astreinem Hippie-Folk, ehe in "Wild Machines" erneut fuzzige Riffmonster in einer Downtempo-Melodie zerbersten, die auch Jim Morrisson gesungen hätte, ohne mit der Wimper zu zucken.

Dabei klingen die sechs Musiker von Sleepy Sun nie nach effekthaschenden Muckern, sondern mit ihrem akustischen Grundgerüst und einer leicht pathetischen Pop-Progressivität schon eher nach Epigonen von Led Zeppelin. Oder nach den noch grundfesteren Kanadiern von Black Mountain, die diese elegische Stilistik schon vor Jahren erfolgreich in den Independent-Kosmos überführt haben.

"Fever" ist ein guter Titel für dieses halluzinierende, dabei aber nicht strukturlose Album. Es kommt schleichend herangekrochen, im Feedback-Momentum von "Acid Love", entlädt sich kurz noch einmal epileptisch in "Desert God" und erreicht die höchste Körpertemperatur im finalen, fast zehnminütigen Multiinstrumental-Exzess von "Sandstorm Woman". Danach ist man geheilt und der San Francisco-Sound für das MP3-Zeitalter revitalisiert.

Trackliste

  1. 1. Marina
  2. 2. Rigamaroo
  3. 3. Wild Machines
  4. 4. Ooh Boy
  5. 5. Acid Love
  6. 6. Desert God
  7. 7. Open Eyes
  8. 8. Freedom Line
  9. 9. Sandstorm Woman

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