laut.de-Kritik

Ja, Panik-Sänger Andreas Spechtl über den Schlaf.

Review von

Und jetzt alle den Derrida aus dem Bücherregal geholt! Ach Gott, könnte man jetzt hier wieder ausholen. Der philosophische Unterbau im Schaffen des Andreas Spechtl – seines Zeichens Sänger der Band Ja, Panik und Urheber einiger der besten deutschen Songtexte der Gegenwart (siehe: DMD KIU LIDT) – ist ja nichts Neues. Gilt es für das Feuilleton schon seit jeher, bei Neuveröffentlichungen der Burgenländer für die Plattenbeschreibung diverseste Philosophen und Denker zwischen Poststrukturalismus, Postmoderne und Dekonstruktion zu bemühen, schließlich veröffentlicht nicht jede Band dem Album an-, vor- und nachzudenkende Thesen und Pamphlete. Die Philosophen zu bemühen ist aber auch bei Andreas Spechtls erstem Solo-Album "Sleep" nicht zwingend notwendig.

Zu den Fakten: Andreas Spechtl hat ein Solo-Album aufgenommen, heimlich und nach und nach, im Stillen, on the road und mit Field Recording. Das Album dreht sich um den Schlaf, und der ist ja der Bruder vom Tod, oder umgekehrt. Und nachdem der Freitod ja vielleicht sowas wie die letzte Bastion der Rebellion ist, ist der freiwillige Schlaf dann der kleine Bruder der Rebellion, mal um die Ecke gedacht? Mal aufhören, um die Ecke zu denken hier? Gut, dann noch kurz erwähnt, dass Derridas Konzept der "Hauntology" (hat mit Geistern der Vergangenheit zu tun) einer der thematischen Eckpfeiler für Spechtl bei seinem Schlafunterfangen war, das möge man jetzt nachschlagen im Bücherregal oder auf Wikipedia oder beiseite lassen. Denn schließlich gilt es bei aller Diskursverliebtheit ja auch die für ein Album gar nicht so unwesentliche Frage zu erörtern: wie klingt denn das eigentlich so, das Album?

Jetzt, wo es dunkel ist, erst mal die Boots rausholen und schauen, was im Inneren so geht. "Sister Sleep" eröffnet das Album: "The silence of a language / Sounds like the speech of a sister / Noone lives in these cities, no one but sleep" – ein rudimentäres Klavier, dazu Elektronikfragmente, eben jene Fieldrecords, Zirren und Sirren. Alles bricht ab, ein Dub taucht auf – dass Spechtl Dub gerne hat, wissen wir spätestens seit "Libertatia" – dann geht irgendwann das Hauptmotiv weiter, irgendwann kommen Trompeten dazu. Fragment trifft auf Fragment trifft auf Fragment.

"Hauntology" schlägt dann in die gleiche Kerbe, ist eigentlich fast noch mehr Klangkonstrukt mit Dub als der Albumopener, Effekte, Hall, Trompeten. Klar, irgendwo ist da wohl auch ein Folk-Kern drin, ein Quentchen Songhaftigkeit vielleicht, darum geht es Spechtl aber auf "Sleep" nicht so – "DHX Dub" belegt das erneut.

Acht Stücke sind auf "Sleep" enthalten, acht fieberhafte, fragmentarische Stücke zwischen Wach- und Traumzustand, Imagination und Realität. Nachtmusik, aufgenommen in den späten Nachtstunden und für ebendiese gemacht. Ein Einblick ins Private, Innere vielleicht, eine Introspektion. Durchwachsen und intuitiv, naturgemäß keineswegs geradlinig.

Dann ertönt – man ahnt es – ein Dub, ehe es am Ende wieder in einem Stimmenmeer endet. Das letzte Stück "Jinja Nights" geht wieder in Richtung Songhaftigkeit, dann ist der Traum auch schon wieder vorbei.

Trackliste

  1. 1. Sister Sleep
  2. 2. Hauntology
  3. 3. After Dark
  4. 4. Bhx Dub
  5. 5. Time To Time
  6. 6. Duérmete Niño
  7. 7. Cinéma Rif
  8. 8. Jinja Nights

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LAUT.DE-PORTRÄT Ja, Panik

Zunächst ab 2001 unter dem Namen "Flashbax" aktiv, veröffentlichen die Mitglieder von Ja, Panik bereits 2004 das Album "Straight Outta Schilfgürtel".

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