laut.de-Kritik

Gehetzt, schlecht gelaunt und monoton – auch auf den Raritäten.

Review von

Brexit, Corona, düstere Aussichten – das Königreich brennt. Mittendrin stehen die Sleaford Mods, die von Nottingham aus den Mittelfinger in Boris Johnsons Richtung strecken. Seit 2007 beschäftigt sich das Duo mit den Problemen der Arbeiterklasse. Schimpfworte befeuern Jason Williamsons beharrlichen Redeschwall aus Alltagsbeobachtungen. Dazu passen die minimalistischen Lo-Fi-Instrumentale von Andrew Fearn, die ihren Ursprung in Hip Hop, Post-Punk und Elektro haben.

Nach dem hervorragenden "Eton Alive" von 2019 legen die Briten "All That Glue" nach, irgendetwas zwischen Best-Of, B-Seiten-Sammlung und Resterampe. Die Platte funktioniert weder als elftes Studioalbum noch als vollständige Werkschau. An der Qualität der Musik nagt das nicht. Dafür haben sich die Sleaford Mods im Laufe ihrer Karriere zu wenige Experimente erlaubt. Egal, ob sieben Jahre alt oder bisher unveröffentlicht, die 22 Lieder klingen wie aus einem Guss.

Bekannte Stücke, von den Mods handverlesen, bilden den Kern von "All That Glue". So enthält die Platte neben Klassikern wie "Tweet Tweet Tweet", "Job Seeker" und "B.H.S." auch das erst ein Jahr alte "O.B.C.T.". Den Greatest Hits stehen allerdings sieben Stücke gegenüber, die es bisher nicht zu hören gab - für Fans ein ausreichendes Kaufargument. Zumal sich die Lieder nicht als Ausschussware entpuppen.

Auf "Blog Maggot" giftet Williamson mit hochrotem Kopf gegen die Pop-Elite: "Robin Thicke? Thick as fuck!" Dass das Duo mittlerweile selbst anständig von der Kunst leben kann, ändert nichts an der Dringlichkeit der Musik. In "Rich List" versetzt sich Williamson in die Lage eines Zeitungslesers, dem die Besessenheit der Medien an berühmten Menschen aufstößt: "I give a fuck about your life."

Der Sound der Briten lebt von Wiederholungen. Drum-Loops brettern unverändert durch die minutenlangen Lieder und entwickeln dadurch eine hypnotische Wirkung. Oft ergänzen das Trance auslösende Schlagzeugspiel lediglich Bassschleifen, die sich bereits nach einem Takt im Kreis drehen. Einfache Sound-Elemente wie Pfeifen oder Melodiehupen lockern die Refrains auf, in denen Williamson die immer gleichen Stichworte mantraartig aufsagt.

Sleaford Mods klingen gehetzt, schlecht gelaunt und monoton. Eine Beschreibung, die vielleicht auch zum Leben der britischen Arbeiterklasse passt. Das Aufbrechen von Hörgewohnheiten kombiniert mit schmerzhaft ehrlichen Texten macht diese Musik so reizvoll.

Trackliste

  1. 1. McFlurry
  2. 2. Snake It
  3. 3. Fizzy
  4. 4. Rich List
  5. 5. Jobseeker
  6. 6. Jolly Fucker
  7. 7. Routine Dean
  8. 8. Tied Up In Nottz
  9. 9. Big Dream
  10. 10. Blog Maggot
  11. 11. Tweet Tweet Tweet
  12. 12. Tarantula Deadly Cargo
  13. 13. Fat Tax
  14. 14. Slow One's Bothered
  15. 15. Revenue
  16. 16. Rochester
  17. 17. TCR
  18. 18. Reef Of Grief
  19. 19. B.H.S.
  20. 20. Second
  21. 21. OBCT
  22. 22. When You Come Up To Me

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