laut.de-Kritik

Nine Inch Nails, Russian Circles und Sleep im Mixer.

Review von

An was erinnert das? Der Sound ist Metal, das Feeling Rock. Eine gewisse Stadion-Alternative-Stimmung haftet den Vocals an. Irgendwie geht es trotzdem in die Post-Richtung. Und die Drums schielen gerne mal zu Nine Inch Nails. Dazu eine Prise Hardcore-Shouts.

Dabei passiert oberflächlich gar nicht so viel. Die Gitarren beschränken sich meist auf Powerchords, Garett Harney am Schlagzeug klopft größtenteils auffällig simple Grundrhythmen. Nicht wirklich das Rezept für spannenden Progressive- oder Post-Rock. Und doch sind zwar nicht alle Einzelteile, dafür aber die Struktur der bisweilen auch mal über sieben Minuten langen Kompositionen klar im Progressive-Sektor einzuordnen. Auf den ersten Blick einfach gestrickt, entpuppt sich das Gesamtkonstrukt als unerwartet sperrig.

"Saboteur" ist bereits das dritte Album der 2011 in L.A. gegründeten Silver Snakes. Eine Schande, dass ich erst jetzt von den Herren um Alex Estrada höre. Denn der musikalische Mix, den die Silver Snakes an den Tag legen, riecht nach Großem. Gut, es ist im Endeffekt Post Metal, ein Nischenprodukt. Doch innerhalb dieser Nische sollte man sich den Namen gut merken.

In Infoschreiben findet man den Begriff Post Hardcore, um den Sound der Band komprimiert auszudrücken. Ja, kann man vermutlich so sagen. Doch Vorsicht: Mir zum Beispiel kommt dabei auch sofort La Dispute in den Sinn. Silver Snakes klingen ganz und gar nicht nach La Dispute. Eher nach Russian Circles. Nur zugänglicher. Und nicht ganz so heavy. Obwohl Estrada und Co. schon ziemlich hinlangen können.

Mit Russian Circles haben Silver Snakes vor allem eines gemeinsam: den dominanten Bass. Dass Gitarre und Bass derart gleichberechtigt agieren – sowohl im Mix als auch in Funktion des Tonangebers – hört man selten. Man nehme nur einmal das mächtige "Raindance". Bevor die ersten Gitarrenakkorde auftauchen, rührt Bassist Mike Trujillo schon mal gründlich durch die Magengrube. Was anfängt wie ein düsteres Doom-Industrial-Gebilde wechselt mit Einsatz des Gesangs auf die Alternative Rock-Schiene. Insgesamt sind auf "Saboteur" selten Gitarrensoli zu hören, "Raindance" hat aber eines. So hält der Track auf einmal Kurs in Richtung Stoner-Rock.

Wie "Charmer". Im Grunde ist das nichts weiter als klassischer Laidback-Wüstenrock à la Queens Of The Stone Age. Nur eben vor kranker Industrial-Kulisse. "La Dominadora" zeigt dann, wieso Alex Estrada neben Sleeps "Dopesmoker" Nine Inch Nails als Haupteinfluss für das Album anführt. Auch wenn der Gesang schon wieder leicht an Josh Homme erinnert - der kaputte Beat zieht die Schmerzschraube darunter unbarmherzig fester und fester und fester. Migränepatienten: Finger weg.

Mehr Namedropping gefällig? "Dresden" erinnert mit seinem großzügigen Hall und den Vocalmelodien latent an Pink Floyd. In der zweiten Hälfte ist der Song dann dafür unbestreitbar Doom. "Devotion" geht am Mikro zeitweise gar in Richtung Meshuggah. Andere Teile des Tracks prägen breit angelegte Klangflächen voller Schwermut. Parallele zu Anathema? Klone? Möglicherweise. Mittig driftet das Schlagzeug plötzlich in Drum'n'Bass-Gefilde ab und läutet einen Part ein, der in erster Linie aufgrund seiner dynamischen Gestaltung überzeugt. Das wiederum ist eindeutig Post. Schön, wenn es so einfach ist.

Denkt man, man hätte die Formel nach neun Songs langsam verstanden, überrascht die abschließende Nummer zehn trotzdem. Okay, erst ist alles wie gehabt: Unverschämt simpler Drumbeat, Akkordgitarre, Bass of darkness, Alternative-Gesang, Repetition, Steigerung, Ausbruch, darauffolgender Atmo-Teil, in dem Harney deutlich aktiver wird, der Bass stoisch das Fundament legt, die Klampfe sich an Effekten vergreift. Neuerlicher Dynamik-Aufbau. Und dann? Dann drängen plötzlich Handclaps dazwischen und man ist genauso ratlos wie zu Beginn. Aber eben auch ziemlich beeindruckt.

Trackliste

  1. 1. Electricity
  2. 2. Glass
  3. 3. Raindance
  4. 4. Devotion
  5. 5. Fire Cloud
  6. 6. Red Wolf
  7. 7. Charmer
  8. 8. La Dominadora
  9. 9. Dresden
  10. 10. The Loss

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