laut.de-Kritik

Post Rock mit Zukunft aus Köln.

Review von

Kaum jemanden ließen Shipwrecks an ihr Debütalbum ran. Neben der Musik stammt auch das Artwork aus den eigenen Reihen, die Produktion übernahm man ebenfalls selbst. Nur fürs Mastering zogen die Kölner einen Außenstehenden hinzu: Cult Of Lunas Magnus Lindberg. Den Status dessen Band müssen sich Shipwrecks zwar erst noch erspielen, ihr erster Longplayer ist – nach der selbstbetitelten EP von 2016 – jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung.

Zu Cult Of Luna lassen sich prompt auch musikalische Parallelen ziehen. Dem bedachten, sehr langsamen Aufbau von "Monument" haftet melancholischer Doom-Vibe an – allerdings ohne jegliche Schwere. Auf Metal-Elemente verzichten Shipwrecks fast durchgehend, obwohl in den typischen Post Rock-Höhepunkten natürlich etwas Heaviness ins Spiel kommt. Tremolos entfalten ihre Wirkung schließlich am schönsten, wenn sich der Hörer dazu noch schwelgend wiegen kann.

Am liebsten aber spinnen Shipwrecks feine Harmonien mittels zweier Clean-Gitarren. "Home" ist ein schönes Beispiel dafür. Der Hauptteil ist das klangliche Äquivalent einer erblühenden Knospe: Zögerlich springen nur einzelne Blättchen auf, doch nach und nach ergibt sich ein immer volleres, bunteres und vielschichtigeres Bild. Muster schälen sich heraus, Tautropfen fließen herunter. Und sphärische Beckenschläge mimen den malerischen Sonnenaufgang.

Dass Shipwrecks trotzdem düster können, beweisen sie in "Waldeinsamkeit". Lange verweilen sie in rhythmusloser Soundscape-Dunkelheit, Atmo-Geräusche zeichnen ein Trauergemälde. Lichtstrahlen stehlen sich erst nach mehreren Minuten in Form perlender Gitarrentremolos in die Komposition. Schließlich bündeln sich mehrere Spuren und münden in einen sehnsüchtigen Dämmerungsmarsch. Gwegen Ende glänzt vor allem Drummer David Caspar, der die entstandene Wall Of Sound mit filigranen Figuren auflockert.

Wer etwas mit Caspian und Explosions In The Sky anfangen, Cult Of Luna gut leiden, aber auf deren Metal-Heaviness verzichten kann, dürfte bei Shipwrecks richtig sein. Die Band beweist Gespür für Harmonien, herrlich positive, warme Melodien und die im Post Rock unvermeidbare Eruption. Man darf gespannt sein, was da in Zukunft noch so aus der Domstadt anlandet.

Trackliste

  1. 1. Monument
  2. 2. Haven
  3. 3. Maelstrom
  4. 4. Home
  5. 5. Waldeinsamkeit

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8 Kommentare mit 8 Antworten

  • Vor 4 Jahren

    Dieser Kommentar wurde vor 4 Jahren durch den Autor entfernt.

  • Vor 4 Jahren

    Aktuell noch zu zahm, aber dafür mit ner Prise Entwicklungspotential.

    Wer Cult of Luna oder die noch mächtigeren Isis hört, der/die tut das m.E. vor allem wegen dieser Kontraste zwischen vielschichtigen Melodiebögen mit doppelten oder dreifach instrumentierten Clean-Läufen und den tonnenschweren mäandernden Doomparts der zumeist Baritongitarren.
    Lässt larq eins von beidem großzügig aus, wird's wahlweise schnell zu eintönigem Harmoniegedudel oder milde inspiriertem Random Doom.

    • Vor 4 Jahren

      in sachen tonnenschwer mäandernder doomparts können cranial aushelfen: https://www.youtube.com/watch?v=Kg8xG2V4eEo

    • Vor 4 Jahren

      Die Doomparts sind in der Tat tonnenschwer, aber ich vermisse im Hörbeispiel ein wenig die kontrastierenden im Schönklang schwelgenden Clean- und/oder Reverbgitarren, ergo die viel zitierte "Post-Rock-Klaviatur" (wusste im anderen Beitrag SOFORT, was du meinst :D ). Werde mit mehr Zeit im Rücken wohl nochmal intensiver auf Cranial zu sprechen kommen...

    • Vor 4 Jahren

      im unwahrscheinlichen fall, du liest das hier, obwohl der beitrag echt was her ist:
      hätte hier eine post-rock-band für dich, die cult of luna als vorband gut stünden: HANDLINGNOISE (sie schreiben sich anscheinend in majuskeln - ich verzichte im inet drauf :P). ihr einziges album, s/t, ist atmosphärisch sehr dicht und zugleich songwriterisch durchgängig packend auf eine weise, die im post-rock wirklich selten ist. die musik ist oft erstaunlich treibend und dynamisch, ohne an atmosphäre einzubüßen. zudem wird oft auf gesang gesetzt, als melodischer roter faden, als warmer teppich über düsteren soundgebilden oder als emotionales ventil, allerdings immer gleichberechtigt mit der instrumentierung und immer im dienste der atmo.
      als referenzen fallen mir da intuitiv (ich hör das album, während ich hier schreibe) ein: the twilight sad, daturah, caspian, iLiKETRAiNS, pg.lost ein.
      ist für mich echt eine der großen neuentdeckungen des jahres, nicht nur im post-rock.
      das album gibts krasserweise kostenlos auf bandcamp: https://handlingnoise.bandcamp.com/

    • Vor 4 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 4 Jahren durch den Autor entfernt.

    • Vor 4 Jahren

      als referenzen müssen unbedingt noch dazu: junius, collapse under the empire, september malevolence