laut.de-Kritik

Ist das Englands neue dirty Boyband?

Review von

Oma sagte immer: "Also, diese Jugend von heute ..." Und wir so: "Hey, Omi. Die Jugend von heute kann sich hören und sehen lassen. Die sehen auch gar nicht so kaputt aus und sind politisch voll interessiert ... Ok, vielleicht ein bisschen laut manchmal, aber ich hab dir doch extra die Ohrstöpsel gekauft ...!" - Szenenwechsel -

"Songs Of Praise" heißt das junge Gitarrenbrett aus London - die fünf Jungs von Shame haben vor allem mit ihren wilden Live-Shows auf sich aufmerksam gemacht. Vielleicht ist das auch das Geheimnis ihres Erfolges. Mit der Menge toben, so wie es auch ihre Befürworter Idles und Fat White Family tun.

"Dust Of Trial" ist die erste Ohr-Schelle ihres Debüts und man hört gleich: hier spielen die Gitarren von Sean Coyle-Smith und Eddie Green die erste Geige. Natürlich ist der Gesang von Sänger Charlie Steen ebenfalls nicht zu überhören. Seine Spoken Words klingen zunächst harmlos, bis es dann aus ihm lautstark ausbricht. So schreit er auch in "The Lick" gegen die Musikindustrie und ihre Machenschaften an. Das funktioniert schon mal ganz gut.

Shame mischen Punk-Rotz und Indie-Schrammel in eine verschmierte, festsitzende Beton-Dröhnung ("Concrete"). Scheitern als Chance. Jason Williamson von Sleaford Mods schrieb dazu: "Yea, it's catchy but ultimately bad." Kann man so stehen lassen. Ist ja auch nicht die beste Nummer auf der Platte und diese Lobgesänge funktionieren halt auf der Bühne sehr viel besser als auf Platte.

Auf den ersten Blick wirken die Jungs wie eine brave Schülerband aus London, die einfach Bock auf Musik hatten. Sie sind fast keine Teenager mehr, aber auch keine beängstigenden Krawallmacher. Schreien einfach ihren kleinen Frust in die Welt hinaus. Schließlich erleben sie den BrexShit hautnah. Nicht nur in London steigen Mieten und Lebenskosten. Also, verschwende nicht deine Jugend, sondern mach was ("Tasteless")!

Hätten sie Tattoos, dann könnte "Anarchie und Adrenalin" auf ihrem Arsch stehen. Aber mal ehrlich Jungs, seid ihr schon so richtig durch die Scheiße gegangen? Musstet ihr für ein paar Pfund miese Jobs machen? Oder habt ihr einfach gelangweilt die Schulbank gedrückt und auf eine bessere Welt gehofft? Gut, die dunkle Seite der Macht erlebt ihr jetzt mit Theresa May. Das reicht schon für einen Protestsong.

"One Rizla" war einer ihrer ersten Songs. Für die einen vielleicht zu viel Klischee, die anderen hören in Shame einfach nur die neuen Oasis. Aber wer hat darauf schon Bock?

Auf Hymnen haben wir aber eigentlich immer Bock. Vor allem wenn sie von der Insel kommen und das ist bei Shame nicht zu überhören. Eine Boyband, die mit ihren Indie-Helden groß geworden ist, aber auch den Post-Punk-Pop Televison Personalities u.a. hören. Spätestens bei "Gold Hole" kann man sich vorstellen, wie man auf dem Live-Event dazu abgeht. Drummer Charlie Forbes knüppelt hier noch mal ordentlich auf die Felle und Josh Finerty am Bass hat, wie immer, auch einen sehr guten Lauf. "Shake me up!"

"Lampoon" dreht am Ende noch mal richtig durch, mit die beste Nummer, bevor es mit "Angie" ruhig zu Ende geht. Die lauten Momente überzeugen allerdings mehr, und wenn die Jungs live tatsächlich so gut sind, wie alle behaupten, dann ziehen wir doch alle unsere T-Shirts dazu aus.

Trackliste

  1. 1. Dust On Trial
  2. 2. Concrete
  3. 3. One Rizla
  4. 4. The Lick
  5. 5. Tasteless
  6. 6. Donk
  7. 7. Gold Hole
  8. 8. Friction
  9. 9. Lampoon
  10. 10. Angie

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