laut.de-Kritik

Was auf Platte in Plastik unter blasser Stumpfheit verborgen bleibt, explodiert hier förmlich.

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Auch wenn Lana ihr momentan dicht auf den Fersen ist: Shakiras Spitzenposition auf dem Altar der Popdiven ist noch immer unangefochten.

Das liegt weniger an den uninspirierten Kompositionen und der gesichtslosen Produktion der letzten beiden Alben. Es ist vor allem ihre natürliche Menschenfischer-Persönlichkeit, mit der sie Fans, Künstler und Politiker gleichermaßen für sich einnimmt. Hier liegt ihr großes Plus. Meilenweit vor den oberflächlichen Garderobenständern und sogar der eisernen, alternden Poplady, die selbst so gerne Dorian Gray wäre.

Kein Wunder also, dass Miss Mebarak Ripoli mal wieder auf einen Konzertmitschnitt setzt; dem vierten in zehn Jahren. Die Oral Fixation Tour-DVD war für ihre Verhältnisse ein eher durchschnittlicher Gig. Nun geht es aber wieder aufwärts. Also ab nach Paris. So fällt der Zusammenschnitt zweier Gigs in der Stadt der Liebe in seinen herausragenden Minuten so intensiv aus, wie jene ihrer Visitenkarten "MTV Unplugged" und "Live And Off The Record".

Doch Shakira wäre nicht Shakira, ohne ihre mitunter unfreiwillige künstlerische und optische Irritation. Das geht schon ganz zu Anfang los. Zum romantischen Intro "Pienso En Ti" tragt sie ein auffallend schlecht sitzendes rosa Hochzeitskleid, das fatal an Miss Piggys Modell zur Trauung mit Kermit dem Frosch erinnert. Nur wenige Minuten später springt sie zum Glück mit wallender Mähne über die Bühne. Selbstverständlich in einem Outfit, so gewohnt eng, dass sie es nach der Show mutmaßlich vom Körper schälen muss. Dabei zeigt sich wenig überraschend: Die Songs von "She Wolf" und "Sale El Sol" versagen live nahezu allesamt.

Rhythmisches Gestöhne, Kunststoffbeats und Kirmes-Melodik geben keinerlei Raum für Shakiras gesangliche Qualitäten. Weder die redlich bemühte Band, noch die Kolumbianerin selbst vermögen zu kaschieren, dass sie sich zuletzt songwriterisch stetig nach unten orientierte. Die wirklich interessanten Kompositionen wie "Ojos Asi" oder "Si Te Vas" hat sie schon als 20-Jährige Anno 1998 veröffentlicht. Es ist einfach schade, wenn eine fast überambitionierte Künstlerin die Chance verspielt, von Kumpeln wie Santana zu lernen, statt sie auf Feigenblatt-Soli zu reduzieren.

Dennoch funktionieren auch diese Lieder im Heimkino deutlich besser als die Studioversionen. Was auf Platte in Plastik unter blasser Stumpfheit verborgen bleibt, explodiert hier förmlich. Wer genau hinschaut, wird erkennen, dass all ihr Toben, Springen, Fauchen und Krabbeln samt dem berühmten Hüftschwung, vor allem ihrem leidenschaftlichen Tänzernaturell entspringt. Dieses authentische Element, das ihr in die Wiege gelegt zu sein scheint, rettet sie und einen Teil der langweiligen Bums-Rhythmen. Noch funktioniert es.

Die Zerrissenheit ihrer Künstlerseele zeigt sich vor allem in den ruhigen Momenten sowie den rockigeren Tracks. Der noch immer ebenso ohrwurmige wie charmante Kultklopper "Whenever, Wherever" erhält einen neuen, etwas abgeschabten Gitarrenmantel, der den schrotigen sieben Minuten gut zu Gesicht steht. Eine Rockerin zu sein, ist offensichtlich ihr größter Wunsch.

Mal sind es AC/DC, dann wieder Metallica mit "Nothing Else Matters", die als Referenz herhalten. In solchen Augenblicken ist sie ganz bei sich und der Band. Was ihre Bühnenshow und Gesangsleistung angeht, kann sich manch etablierter Metal-Act samt seinen angedunkelt provinziellenen Pseudo-Operetten mehr als nur eine Scheibe abschneiden. Die Schopf schüttelnde Breitbeinigkeit steht The Hip doch am besten. Es ist große Performance-Kunst, noch den ausgelatschtesten Song so zu präsentieren, dass Skeptiker nahezu paralysiert herum stehen, wie dösige Schafe.

Dennoch müssen wir auch tapfer sein. "Hips Don't Lie" hat seine Halbwertszeit längst überschritten. Der grindige Schmand namens "Waka Waka", den die Barranquillera der Welt letztes Jahr höchst erfolgreich als angeblichen Afropop untermogelte, ruft dieselben körperlichen Qualen hervor, wie nahezu alle grauenvoll tumben Songs mediokrer Sportfeste. Ein solches Verbrechen aus dem unterirdischen Folterkeller Of Song kann man wirklich nur ihr verzeihen.

Eine Shakira-DVD macht immer noch Spaß. Dennoch wird sie sich bald der unausweichlichen Frage stellen müssen, was wohl passiert, wenn ihr mädchenhafter Liebreiz auf der Bühne altersbedingt verschwindet. Es wird bitter Zeit für sie, mehr Wert auf Songwriting und Inhalt zu legen, so sie nicht den Highway To Hell in die wachsende Bedeutungslosigkeit beschreiten möchte. J-Lo, La Houston oder Carey sollten ihr ein warnendes Beispiel sein. Anmut allein wird nicht ewig reichen.

Trackliste

  1. 1. Pienso En Ti
  2. 2. Why Wait
  3. 3. Te Dejo Madrid
  4. 4. Si Te Vas
  5. 5. Whenever, Wherever
  6. 6. Inevitable
  7. 7. Nothing Else Matters/Despedida Medley
  8. 8. Gypsy
  9. 9. La Tortura
  10. 10. Ciega, Sordomuda
  11. 11. Underneath Your Clothes
  12. 12. Gordita
  13. 13. Sale El Sol
  14. 14. Las De La Intuición
  15. 15. Loca
  16. 16. She Wolf
  17. 17. Ojos Asi
  18. 18. Antes De Las Seis
  19. 19. Je L'aime A Mourir
  20. 20. Hips Don't Lie
  21. 21. Waka Waka (This Time For Africa)

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3 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    j-lo ist doch wieder angesagt

  • Vor 7 Jahren

    lana und shakira in eine ecke zu stellen ist schon gewagt. und den terminus pop diva verdient momentan wohl eine ganz andere, die aber auch wieder ganz andere musik macht. ich denke, man weiß, von welcher "lady" ich spreche.
    shakiras letztes album war nicht mehr soo erfolgreich wie die anderen und man hört generell seit 1-2 jahren viel weniger von ihr. als unangefochtene nr 1 der pop diven würde ich sie deshalb nicht bezeichnen...
    zumal es eh nicht passt, sie macht latin pop und ist demzufolge auch irgendwie in einer anderen ecke als ihre kolleginnen...

  • Vor 7 Jahren

    Was erlaubt sich diese Frau Francis Cabrel zu covern und je l aime a mourir zu toeten noch dazu versteht sie wohl kein franzoesisch da hier die liebe eines Mannes zu einer Frau beschrieben wird. Da sie den Text dem Geschlecht nicht anpasst verkommt das Lied zum Lesben schmachter. Cabrel hätte die Schnalle mal so richtig prügeln sollen für diese Schandtat.