laut.de-Kritik

Neues Altes vom ewig Hungrigen.

Review von

"Am Anfang wollte sie erzählen von ihrem Ex-Freund / er macht auf krass, sagt, er sei ein deutscher Bad Boy", stänkert Sentino in "#ontherocks". Oder eben auch nicht – das hängt vom Interpretationswillen des Empfängers ab. "Smile" losgelöst von Sentinos Vergangenheit zu hören, das geht jedoch kaum. Vor allem würde es den Inhalten die Tiefe nehmen.

"Ich will keine Freunde, ich will Family / weil jeder dich verrät, sobald er Money sieht", heißt es in "Broskis". Sentino hat einiges erlebt – gefühlt mit allen geflirtet und gestritten. Auch fast 20 Jahre nach einem seiner ersten Auftritte auf dem "Optik Mixtape" scheint der 37-Jährige nicht zur Ruhe zu kommen. Auf "Smile" beschreibt er einen Lebensstil, der noch immer zwischen Glanz und Gosse pendelt.

"Atme ein, atme aus, will nur chillen, will nicht auf die Straße raus / Mama weint, bin seit Tagen drauf / stell dir vor, ich geh und kaufe ihr ein Haus", heißt es an einer anderer Stelle. Elend und Hoffnung liegen in Sentinos Erzählungen nah beieinander. Doch der typische Rapper-Traum vom Eigenheim für die Eltern wird wohl auch mit "Smile" unerfüllt bleiben.

Denn Sentino hat Talent, es aber nie in anhaltenden Erfolg umwandeln können. Egal, welcher Trend in den letzten 20 Jahren angesagt war, der Berliner hat ihn aufgesogen und mit einer eigenen Note versehen. Der Hunger trieb ihn stets zu Höchstleistungen. Das weiß er und stellt in "Ca$h Money" zähneknirschend fest: "Werde nicht satt von Sympathien."

Musikalisch bewegt sich Sentino im Laufe der 43 Minuten auf sicherem Terrain. Heftig stotternde Hihats unterfüttern die schlichten Beats. Kick- und Snare-Drums, Bass und ein einsames Synthie-Element – mehr braucht es oft nicht. Für Sentino bleibt dadurch noch genügend Raum, um eingängige Refrains zu platzieren.

Melodien haben es ihm wieder einmal angetan. Vor allem dann, wenn Zupfinstrumente statt Keyboards für Wärme sorgen, dämpft er seine Stimme und verfällt in einen Singsang. So klingt der fast schon gesungene Flow in den Strophen von "#ontherocks" butterweich. Nur noch dezent muss der Stimmverzerrer seinen Dienst verrichten.

Auf die Gäste hätte Sentino allerdings verzichten können. Rapper wie MSTF, Limit29 und Caney030 schmälern die Qualität des Albums. Auch inhaltlich bleibt die Platte zu blass. Obwohl der Seelenstrip nur einen Takt neben dem Größenwahn liegt, erzählt er die gleichen Geschichten wie schon auf dem Vorgänger "20/20". "Smile" bleibt ein weiteres Album, auf dem Sentino einwandfrei abliefert, aber auch ein bisschen langweilt.

Trackliste

  1. 1. Broskis
  2. 2. Ca$h Money (feat. Limit29)
  3. 3. NLP (feat. Telson)
  4. 4. Bombay (feat. MSTF)
  5. 5. 3 Tage Wach (feat. NOIR40)
  6. 6. Blessuren
  7. 7. Cartier
  8. 8. Grayskull
  9. 9. Paper Bag
  10. 10. SMS
  11. 11. Braunes Gift (feat. Caney030)
  12. 12. #ontherocks
  13. 13. Blue
  14. 14. Keine Poesie (feat. KEZ)
  15. 15. Smile

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2 Kommentare mit 3 Antworten

  • Vor 6 Monaten

    Egaler Rapper macht generische Grütze. Bis auf die Soundästhetik hat sich also nix geändert.

    • Vor 6 Monaten

      puh.... sentino ist ned egal... da fallen mir 1000 andere egalere rapper ein... generisch: gib ich dir bei paar tracks recht, u.a. broskis ist schwach und uninspiriert... aber „cartier“, „paper bag“ „grayskull“ und „smile“ sind echte hits... wer sagt, dass sentino egal ist, hat halt keine ahnung von deutscher rap-geschichte.... sentino ist außerdem, mal ganz abgesehen von relevanzfragen, wirklich einer der talentiertesten im deutschen rap-game - auch wenn das vermutlich nicht allzu schwierig ist.... mmn hat das album paar hammer lieder aber auch paar öde filler ... normalerweise 3/5 aber ich bin ein sentino-fan (ich gebs zu) 4/5

  • Vor 6 Monaten

    ich habe jetzt "telson" gegooglet
    "Das Telson (von altgriechisch τέλσον telson, deutsch ‚Grenze‘, in älterer Literatur häufig auch als Pygidium bezeichnet) ist der letzte, den After tragende Körperabschnitt der Gliederfüßer (Arthropoden)"