laut.de-Kritik

Poppunkige Inkarnation allumfassenden Merchandisings.

Review von

Achtung, liebe Eltern! Erneut setzt euch Disney eine fleischgewordene Inkarnation allumfassenden Merchandisings auf die Wunschlisten eurer vom TV-Wunderland gehirngewaschenen Sprösslinge! So Gott will, Disneys Vorrat an tanzenden, singenden, schauspielernden, bald wohl modelnden Disney-Kinderstars ist auch nach Britney, Miley und Demi noch lange nicht erschöpft.

Selena Gomez erweitert nun also die Heerschaar an perfekten Plastikpüppchen, und ja, auch sie trägt einen Purity-Ring. "Zu Hülf" mag man gen Himmel schreien, widmet Gomez doch "Kiss & Tell" "dem Herrn und Retter Jesus Christus". Das Hörer-Hirn schaltet widerwillig in protestantischen Keuschheits-Modus.

Überraschend hart - ja richtig poppunkig prescht aber der erste Track "Kiss & Tell" im Refrain nach vorne. Disney goes Punk? Mitnichten, synthetische Handclaps und Selenas zuckerwattensüßes Stimmchen machen schnell klar: dieses Album bietet nichts anderes als klebrigen Teeniepop.

Stets Richtung Avril Lavigne schielend klaubt Gomez - bzw. ihr Heer von gestandenen Songwritern - von überall ihre Zutaten zusammen und wirft sie in die Pop-Suppe. Mal ist dies Electro-Pop-Rock ("Naturally", "Tell Me Something I Don't Know") mal Electroclash ("I Don't Miss You At All"), oder Pop-Punk ("Crush", "As A Blonde"), die Hauptzutat bleibt jedoch Plastik-Pop. Der Zeile "You gave me roses but theyre all just made of plastic" ("Falling Down") kann man somit nur zustimmen.

Die bunte Mischung verleiht dem Gomez-Süppchen dabei nur bedingt Würze: Das Endresultat ist ein bestenfalls harmloses Gebräu, von einer "Band" oder von Gomez als deren "Leaderin" kann man eigentlich nicht sprechen. Sie könnte gleichermaßen zu einer Soundkulisse vom Band singen, ein Unterschied wäre kaum feststellbar. Obwohl "harmlos" als Attribut für eine 17-jährige sicherlich ganz im Sinne des Disney-Konzerns liegt.

Natürlich kann man diese Art von Musik als seelenlos verteufeln, da es als Nicht-Fan sowieso schwer ist, den Produkten der Disney-Fabrik irgendwelche Individualität zuzuschreiben. So wird Gomez im Booklet mal als Wachsfiguren-Prinzesschen, mal als Mädchen von nebenan, dann als Miley Cyrus-Klon oder aber wieder als Fashion-Victim präsentiert. Die Persönlichkeit von Selena Gomez ist kaum zu eruieren. Da hilft auch nicht, dass sie immerhin an "I Won't Apologize" mitgeschrieben hat.

Nichtsdestotrotz ist "Kiss & Tell" ein wasserdichtes Teen-Pop-Album, bei dessen Produktion nichts dem Zufall überlassen wurde. Auch Gomez wird ihrem Image als Unschuldslamm bisher mehr als gerecht, für eine Vielzahl von Eltern sicherlich eine große Erleichterung.

Fraglich bleibt, wie lange sie dieses wohl noch aufrecht erhalten mag. Immerhin zeigte Miley Cyrus auch schon ihre Disney-non-konforme Seite in kontroversen Privatphotos. Vielleicht hilft Selena ja ihre Freundschaft mit den Jonas Brothers? Diese halten sich in punkto keuscher Unschuld ja angeblich ziemlich gut.

Trackliste

  1. 1. Kiss And Tell
  2. 2. I Won’t Apologize
  3. 3. Falling Down
  4. 4. I Promise You
  5. 5. Naturally
  6. 6. Crush
  7. 7. The Way I Loved You
  8. 8. More
  9. 9. As A Blonde
  10. 10. I Don’t Miss You At All
  11. 11. Stop And Erase
  12. 12. I Got U
  13. 13. Tell Me Something I Don’t Know
  14. 14. Naturally (Dave Aude Radio Mix)

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12 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Entweder solche Alben gar nicht rezensieren oder vielleicht davor mal ein wenig über die Zielgruppe nachdenken. Dann ist das nämlich nicht soo schlecht sondern eher 3/5

  • Vor 11 Jahren

    Was hat denn bitte die Zielgruppe mit der Qualität der Musik zu tun? Wenn irgendsonne Pop-Rock-Plastik-Disney-Jesus-Funz eine schlechte Platte macht, ohne eigenständigkeit oder sonstwas dann ist die eben schlecht. Da hilft es auch nicht, wenn die Kaufer der CD genauso Geistlos sind wie sie selbst.

  • Vor 11 Jahren

    Außerdem sollte man die Zielgruppe schon mal langsam an ordentliche Musik heranführen. So viertelstündige Progressive Songs oder apokalyptisch melancholischer Postrock würden sich auch hervorragend als Soundkulisse in einem Disney Film machen.

  • Vor 11 Jahren

    @zugehoert: Ui drei mal hintereinander bratuwrst zu posten zeugt schon von .... ich lass es. @ Master A1: An wen ging denn jetzt diese ach so geistreiche Lehrstunde?

  • Vor 11 Jahren

    @Der_Dude (« @ Master A1: An wen ging denn jetzt diese ach so geistreiche Lehrstunde? »):

    Das ist an die gerichtet, die keine Meinung so hinnehmen können und versuchen, die eigene Meinung anderen ins Hirn zu bohren. Wenn's dir zu "geistreich ist", überspringe einfach meine Kommentare und gib nicht deinen unqualifizierten Müll dazu.

  • Vor 11 Jahren

    Hahahaaaa Eigentor. Nur weil du nicht meiner Meinung bist ist es unqualifizierter Müll? Genau das meine ich mit "geistreich". Pack dir erst mal an die eigene Nase. Außerdem ist mir durchaus bewusst was du da geschrieben hast. Und weil ich davon ausgehe, dass es so ziehmlich jedem bewusst ist, ist so eine "Lehrstunde" halt nicht sonderlich von Bedeutung. Nu geschnallt?