laut.de-Kritik

Einem alten Hund muss man keine neuen Tricks beibringen.

Review von

Einem alten Hund kann man keine neuen Tricks beibringen, lautet eine jener Weisheiten, die sich auf Englisch besser anhören als auf Deutsch. Der Titel des Albums legt jedenfalls nahe, dass Steve Wold so weiter macht wie bisher: Stampfende Gitarren, ein schepperndes Schlagzeug und Geschichten aus einem abenteuerlichen wie ereignisreichen Leben.

Oder auch nicht? Jedenfalls reibt man sich beim Opener verwundert die Ohren. Der Mann, der sich Seasick Steve nennt, singt mit fast verletzter Stimme und begleitet sich dabei ganz sachte auf der Gitarre.

"Viele bezeichnen mich als Bluesmann, aber als einen solchen sehe ich mich nicht. Ebenso liebe ich Country und Bluegrass. Schon bei den letzten Alben habe ich solche Stücke aufgenommen, aber keins davon hat es dann in die Tracklist geschafft", erklärt er.

"You Can't Teach An Old Dog New Tricks" verdankt sich weniger einer Neuausrichtung als neuer Umstände, denn nach Auslauf seines Major-Vertrags hat Seasick ein eigenes Label gegründet und somit alle Freiheiten dieser Welt. Das Grundgerüst des Albums nahm er in seinem Wohnzimmer auf. Wie gewohnt begleitete ihn Dan Magnusson am Schlagzeug, ansonsten kommt er mit eigenen Mitteln aus. Mit zwei Ausnahmen: Einem Chor im abschließenden Gassenhauer "It's A Long Long Way" und einem Stargast in zwei weiteren Stücken.

Der ist John Paul Jones. Seasick kontaktierte ihn über Jones' Gitarrenbauer, den er zufällig kennen gelernt hatte. Der legendäre Bassist von Led Zeppelin, später auch von Them Crooked Vultures, ließ sich nicht lange bitten und bringt im Titeltrack sowie "Back In The Doghouse" die tiefen Saiten zum Vibrieren. Im abschließenden Track spielt er Mandoline und stellt mal wieder unter Beweis, dass er so ziemlich jedes Instrument spielen kann.

Im Mittelpunkt steht aber vollkommen zurecht Seasick, der wieder ein ganzen Sammelsurium an Geschichten und Stimmungen parat hat. Mit dem zweiten Stück, dem Titeltrack, liefert er einen seiner halsbrecherischen Bluesstomper ab. Von denen gibt es noch mehr ("Don't Know Why She Love Me But She Do", "Back In The DogHouse", "Party", "Day's Gone"), doch sind es eher die unverstärkten Stücke, in denen der langbärtige Musiker neue Akzente setzt: "Have Mercy On The Lonely", die entspannte, von seinem Sohn geschriebene "Whiskey Ballad" und den schon erwähnten, mitreißenden Abschlusstrack, der sich schon vor der Veröffentlichung zu einem Publikumsliebling entwickelt hat.

Neue Tricks lernt Steve Wold vielleicht nicht mehr, aber das hat er auch gar nicht nötig. In seiner Truhe lagern genügend Schätze, um uns noch eine Zeit lang zu unterhalten und zu überraschen. "Ich habe noch so verdammt viele Songs. Es ist wie bei einem endlos langen Zug – nur wenige Waggons schaffen es zum Bahnsteig. Die anderen müssen warten, bis der nächste Bahnhof kommt."

Trackliste

  1. 1. Treasures
  2. 2. You Can't Teach An Old Dog New Tricks
  3. 3. Burnin' Up
  4. 4. Don't Know Why She Love Me But She Do
  5. 5. Have Mercy On The Lonely
  6. 6. Whiskey Ballad
  7. 7. Back In The Doghouse
  8. 8. Underneath A Blue And Cloudless Sky
  9. 9. What A Way To Go
  10. 10. Party
  11. 11. Days Gone
  12. 12. It's A Long Long Way

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2 Kommentare

  • Vor 8 Jahren

    Unglaublich was der Mann für eine Ausdauer hat. Da haut der ein Album nach dem anderen raus und die sind auch noch alle extrem hörbar. Weiter so!

  • Vor 8 Jahren

    Also wen die Bluegrass/Country Affinität bei Steve wundert, hat den wohl noch nie gesehen. Das isn Hillbilly aller erster Güte, geradezu klischeehaft.
    4 Punkte vollkommen gerechtfertigt, das Album ist genauso der Hammer wie Man from another Time, Started out with nothing und so weiter. Bei dem Mann kann man ohne bedenken die komplette Diskographie anpreisen.