laut.de-Kritik

Zwischen Flötensack-Gedudel und Easy Listening-Hardrock.

Review von

"Traumtänzer" heißt das neue Werk. Ein solcher wäre auch, wer hier tatsächlich an Soundvariation oder gar Innovation glaubte. Nun ist es beileibe kein Geheimnis, dass große Teile der sogenannten Mittelalterrock-Szene die künstlerische Stagnation mitunter eher goutieren denn abstrafen.

Die beinharten Fans als musikalisch eher konservativ zu bezeichnen, ist keine Übertreibung. Entsprechend verhalten tönen neue Ansätze auf den 14 routinierten Genretracks der Schandmäuler. Derartiges muss nicht automatisch zum Nachteil gereichen, so man sein Spartenhandwerk beherrscht. Und genau an diesem Punkt scheidet die Band selbst die Geister.

Doch beginnen wir mit dem Positiven. Schmale Risse halten Einzug im starren Gemäuer des dunklen Sounds. Gimmicks wie beispielsweise die zaghaft überraschende Bossa-Eruption samt Trompete auf "Bis Zum Morgengrauen" hätten den künstlerischen Rahmen in breiterer Streuung sicherlich erweitert. So rar gesät bleibt dies leider nicht mehr als ein Feigenblatt. Warum nur so mutlos?

Dass sich die angebliche Mittelaltermucke über weite Strecken als stinknormales – gleichwohl handwerklich beeindruckend – dem Irish Folk entlehntes Flötensack-Gedudel im Schlagerrockgewand entpuppt, ist schon länger kein Geheimnis.

Die zwar kristallklare aber recht steril tönende Produktion tut ein Übriges: Alles was man gern mal archaisch knarzen hören würde, haben die bayerischen Lästerzungen nicht nur sauber, sondern fast klinisch rein von allem organischen Dreck gereinigt. Besonders deutlich wird das bei den elektrischen Gitarren. Letztere sind zwar ein wenig härter angelegt, dennoch bleibt es bei typischem Easy Listening-Hardrock, wie man ihn auch von gängigen Düster-Chartbreakern und Formatradio kompatiblen Teenie-Ergüssen kennt, wenns mal so richtig abgehen soll. Nein Danke!

Musikalisch bleibt ansonsten alles beim Alten. Ich könnte mich problemlos der hemmungslosen Copy & Paste-Orgie der letzten Review hingeben. Lindners Peter Petrel-Gesang klingt im Studio selbstredend nicht ganz so atemlos und blutleer wie bei so manchem Gig.

Die Überforderung in Phrasierung und Betonung besonders bei textlich dramatischen Stellen ist indes wie ein ungebetener Gast geblieben. Die spielerisch unterforderte Damenriege Muggenthaler/Kränzlein rettet dagegen wie üblich das Schiff vor dem totalen Untergang.

Andererseits ist der gute Thomas Lindner mit Abstand der sprachlich beste und interessanteste Texter der Gauklertruppe. "Assassine" lockt mit spannungsreicher Romantikstory - eine Art 'Middle Ages Pulp Fiction'. Das lyrisch bezaubernde "Die Rosen" weist ihn gar als mindestens passablen Dichter aus.

Kein Wunder, dass man den Frontmann gern auch bei der Umsetzung der Wolfgang Hohlbein-Referenz "Geas Traum" gewähren lässt. Lasst den Mann doch einfach mehr schreiben und etwas weniger singen! Dudelsäcklerin Birgit hingegen langweilt auf Stücken wie "Der Alchemist" oder "Hexeneinmaleins" mit typischen Szenetopics in stereotyper Umsetzung. Bitte, die Welt sicherlich nicht den 10.000sten Durchschnittstrack über Hexensprüche und schwarzmagische Goldmacher.

Doch das unsterbliche Biest der Hoffnung will nicht weichen. Vielleicht erlebe ich noch den Tag, an dem Schandmaul kraftvoll und ausschließlich Lindner-Texte singen, während man den beiden Burgdamen höflich das alleinige musikalische Szepter reicht. Bis dahin erhalten nur echte Fans, was sie brauchen und wollen.

Trackliste

  1. 1. Traumtänzer
  2. 2. Der Alchemist
  3. 3. Auf hoher See
  4. 4. Hexeneinmaleins
  5. 5. Bis zum Morgengrauen
  6. 6. Die Rosen
  7. 7. Schwur
  8. 8. Pakt
  9. 9. Der Anker
  10. 10. Geas Traum
  11. 11. Assassine
  12. 12. Halt mich
  13. 13. Des Dichters Segen
  14. 14. Mein Lied

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16 Kommentare

  • Vor 8 Jahren

    Manchmal komme ich echt nicht dahinter, was Ihr eigentlich wollt - schreiben Schandmaul Klischee-Texte, werden sie vom Rezensenten abgekanzelt, schreibt Lindner Texte, über die man auch mal nachdenken muss, ist es für den Edele gleich pädagogische Waldorfschul-Musik. So richtig die Chance, irgendwas richtig zu machen, hat die Band bei Euch nicht wirklich, oder? Warum eigentlich? Einer von Euch bei den Damen mal abgeblitzt?

  • Vor 8 Jahren

    Ich find es immer wieder amüsant wie jedes Mal auf die Kommentare von Typen wie Ultraviolett eingegangen wird. Statt ihn einfach zu ignorieren. Last ihn doch seine hirnlosen Kommentare schreiben ich wetten sobald keiner mehr auf ihn eingeht würde die Kommentare auch weniger werden. Er schreibt doch nur um zu provozieren und geilt sich dann auf wie ihr ich ärgert.

  • Vor 8 Jahren

    vor 7 Jahren lernte ich die Band bei einem Auftritt in einer Burg kennen. Hielt damals Mittelalter-Rock für mehr Show als Musik... wurde riesen Fan, viele Lieder verbinde ich mit meiner ersten Libe... aber nach Narrenkönig ist es einfach unhörbar. Auch wenn es Instrumental gut ist, muss ich oft "nexten" weil die texte lächerlich kitschig sind. Schandmaul darf wirklich ein bisschen von InExtremo, Saltatio Mortis und co abschauen ...