laut.de-Kritik

Sascha Funke feiert seine Hochzeit.

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Überraschung im Hause Funke: Der Berliner DJ und Produzent hat mit der Französin Julienne Dessagne nicht nur die Frau seines Lebens gefunden, sondern gleichzeitig auch eine Künstlerin, die seine Kreativität beflügelt. Und das anscheinend derart intensiv, dass die beiden, kaum verheiratet, gleich einmal gemeinsame Studiozeit anberaumten. Das Ergebnis ist vor wenigen Tagen unter dem Titel "Unknown" erschienen: Eine intime, gleichzeitig aber auch vorsichtige und von viel gegenseitigem Respekt geprägte künstlerische Annäherung, die Klasse hat.

Für sein neues Projekt verlässt Funke Ellen Alliens Hauptstadt-Label Bpitch Control und wendet sich nach langer Abstinenz wieder seinen Kölner Kumpels von Kompakt zu. Dort hatte seine Produzentenkarriere 1999 mit dem Release der Maxi "Campus" ihren Anfang genommen und sich seither ja bestens entwickelt. Vielleicht möchte Funke seinem neuen Projekt mit der Rückkehr zu Kompakt auch etwas von dieser Fortune einpflanzen, schließlich soll Saschienne keine kurzlebige Angelegenheit sein, sondern eine Partnerschaft mit Zukunft, wie das Press Release ausdrücklich feststellt.

Wer die Alben "Bravo" und "Mango" von Funke kennt, der findet auf "Unknown" zahlreiche Anknüpfungspunkte an den autorenhaften Techno, den Funke so meisterhaft pflegt und der heute noch so frisch klingt wie zu seiner Entstehung. Zumindest in künstlerischer Hinsicht kann man Saschienne also durchaus Standhaftigkeit bescheinigen.

Das Projekt der beiden ist jedoch keine bloße Fortführung von Funkes Solowerk. Was Saschienne sofort deutlich unterscheidet, ist die stimmliche Präsenz von Julienne Dessagne, die den Songs des Albums eine Tiefe gibt, die weder auf "Bravo" noch "Mango" zu finden war. Ein Kick, den auch Funke spürt. Beim Opener "Unknown" noch schüchterne Background-Stimme, emanzipiert er sich bei "Grand Cru" am Mikrofon. Für einen ansonsten weitgehend stimmlosen Techno-Produzenten eine ganz erstaunliche Wandlung.

Dem melodiösen Gefüge der Songs tut aber nicht nur der Input von Julienne Dessagne gut. Saschienne fächern ihren Klangkanon mit Musikern wie Andi Teichmann am Schlagzeug auf. Beides trägt zusammen mit Dessagnes Vocals maßgeblich dazu bei, das technoide Grundgerüst von "Unknown" nicht zu übermächtig werden zu lassen und dem Album sein eigenes Profil zu geben. Am deutlichsten lässt sich das bei Songs beobachten, bei denen alle erwähnten Elemente in einer Engführung konzentriert zusammen kommen wie auf "Grand Cru", dem besten Stück des Albums.

Trotz der zelebrierten Zweisamkeit kommen die Songs auf "Unknown" ganz ohne schwülstige Romantik aus. Das künstlerische Miteinander wirkt vielmehr wie ein vorsichtiger Akt der Annäherung. Von dieser Spannung leben auch die in den kommenden Monaten anstehenden Live-Auftritte leben: Flitterwochen der besonderen Art.

Trackliste

  1. 1. Unknown
  2. 2. November
  3. 3. Knopfauge
  4. 4. Grand Cru
  5. 5. La Somme
  6. 6. Caché
  7. 7. Alle Mut
  8. 8. Neue Acht

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