laut.de-Kritik

Hitdichtes Sackpfeifen-Massaker mit Fun-Faktor.

Review von

Saltatio Mortis standen einst mit Trommeln und Sackpfeifen an Straßenecken herum, um für Geld zu musizieren, das man ihnen in die Hüte warf. Heute verbuchen die Karlsruher drei Nummer-eins-Alben in Folge sowie eine Goldene Schallplatte. Nun feiern sie mit "Für Immer Frei" ihr 20-jähriges Bestehen.

Thematisch handelt die Scheibe, wie der Albumtitel schon andeutet, oftmals von Freiheit und Selbstbestimmung ("Loki", "Löwenherz", "Geboren Um Frei Zu Sein"). Ansonsten hat sich gegenüber dem Vorgänger inhaltlich nur wenig geändert. Nur bekommen neben "Patrioten" und sonstigen geistigen Brandstiftern ("Linien Im Sand") auch Klimaleugner ("Palmen Aus Stahl") ihr Fett weg. Daneben darf ausgelassen gefeiert ("Für Immer Jung"), aber auch sentimental einer alten Liebe nachgetrauert werden ("Rose Im Winter").

Musikalisch bleiben Saltatio Mortis ihrer mittlerweile deutschrockigen Marschroute treu, die dank des rotzigen Reibeisen-Organs von Alea der Bescheidene über einen gelungenen punkigen Anstrich verfügt. Dabei gehen die Gitarren schwer nach vorne, während die Sackpfeifen den lauten und treibenden Charakter der einzelnen Songs noch weiter betonen. Schade, dass man mittelalterliche Elemente nur noch in "Factus De Materia" findet. Das bietet nämlich mit traditionellen, spielfreudigen Instrumental-Klängen eine wohltuende Abwechslung zur stromlinienförmigen Ausrichtung der Platte.

Immerhin mangelt es den meisten Stücken, die Saltatio Mortis mit allerlei "Oh-oh-oh"-Chören garnieren, nicht an Eingängigkeit. So animieren in "Loki" harte Saiten-Sounds zum Headbangen und muntere Sackpfeifen-Einschübe zum Tanzen. Dazu lässt sich der Refrain gut mitgrölen. Daneben kupfern die Karlsruher immer noch zu offensichtlich bei den Toten Hosen ab, etwa wenn sie in "Für Immer Jung" das Eingangsriff von "Tage Wie Diese" nahezu eins zu eins übernehmen. Des Weiteren überschreiten sie mit "Seitdem Du Weg Bist", das wie eine Mischung aus schunkeligen Andreas Gabalier-Passagen und saftlosen Christina Stürmer-Gitarren klingt, wieder einmal die Grenze zum Schlager.

Die wenigen Neuerungen auf dieser Scheibe hinterlassen einen deutlich überzeugenderen Eindruck. In "Palmen Aus Stahl" spielen Saltatio Mortis auf Bonez MC & RAF Camora an, was in sprechgesangsähnlichen Passagen auch seinen musikalischen Niederschlag findet. "Mittelfinger Richtung Zukunft" geht noch einen Schritt weiter und vermittelt mit Gastbeiträgen von Swiss & Die Andern und Henning Wehland von H-Blockx authentisches Spätneunziger-Crossover-Feeling. Die Message, alles und jeden mit dem "Mittelfinger" zu begegnen, fällt zwar genretypisch reichlich plump aus, wirkt sich jedoch nicht negativ auf den Fun-Faktor aus.

Dagegen stößt es schon ziemlich sauer auf, wenn Alea der Bescheidene & Co. in "Keiner Von Millionen" mit Rattenfängern und "Faschisten" abrechnen, sich aber gedanklich auf das selbe Querdenker-Niveau herab begeben. Noch schlimmer das folgende "Neustart Für Den Sommer", wenn die Süddeutschen ihren Frust über die aktuelle Pandemie-Situation freien Lauf lassen und sich "einen Sommer, wie er früher einmal war" mit "Remmidemmi" und "Krawall" herbeiträumen, wie es auch viele Corona-Leugner tun. Auf solch unreflektierte "Wir gegen den Rest"-Entgleisungen hätte man gut und gerne verzichtet.

Sonst sitzt das Herz bei den Karlsruhern nach wie vor am richtigen Fleck. Das verdeutlicht vor allem das abschließende "Geboren Um Frei Zu Sein", wenn es heißt: "Ich träum von einer Welt / In der Gerechtigkeit mehr als nur ein Wort ist / Und die Hautfarbe nicht von Belang." Am Ende bleibt ein Album, das musikalisch zu sehr auf Nummer sicher geht und inhaltlich an der ein oder anderen Stelle zu sehr übers Ziel hinaus schießt, aber mit seiner enormen Hitdichte schwächelnde Konkurrenten wie In Extremo oder Subway To Sally hinter sich lässt.

Trackliste

  1. 1. Ein Traum Von Freiheit
  2. 2. Bring Mich Zurück
  3. 3. Loki
  4. 4. Linien Im Sand
  5. 5. Für Immer Jung
  6. 6. Palmen Aus Stahl
  7. 7. Löwenherz
  8. 8. Mittelfinger Richtung Zukunft
  9. 9. Rose Im Winter
  10. 10. Factus De Materia
  11. 11. Seitdem Du Weg Bist
  12. 12. Keiner Von Millionen
  13. 13. Neustart Für Den Sommer
  14. 14. Geboren Um Frei Zu Sein

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8 Kommentare mit 46 Antworten

  • Vor 21 Tagen

    Genauso unhörbar wie das letzte Album. Diese generische Deutschrock-Anbiederung tut richtig weh - kaum zu glauben, dass das die gleiche Band ist, die damals "Aus der Asche" aufgenommen hat. Die Texte sind mittlerweile zum Fremdschämen und in jedem Song dieses unfassbar dämliche 'ooooh-ohhh'-Gesinge...da bin ich raus.

  • Vor 21 Tagen

    ungehört 1/5
    wenn ich es hören und kommentieren würde, müsste ich meinen nächsten acc aktivieren

  • Vor 20 Tagen

    Zustimmung für Sharean. Besonders stark merkt man das an "Loki", das anscheinend zu sehr auf "Aus der Asche" gepasst hätte, weswegen man wohl noch schnell ein paar "fetzige" Wohoo-Deutschrock-Chöre dazugepackt hat. Mir ist das mittlerweile zu viel Kopf und zu wenig Herz, ständig hat man den Eindruck, als könnten sich Saltatio Mortis einfach nicht entschieden, was sie wollen. Vielleicht müssen sie das auch gar nicht, vielleicht macht ihnen beides Spaß, aber für mich als Hörer hat das ein "Gschmäckle", zumal man hier beide Welten auf eine CD gepresst hat und dadurch der Kontrast zwischen Mittelalter und Deutschrock noch häufiger forciert wird, dabei aber leider viel zu selten aufgeht.

  • Vor 18 Tagen

    Als Für immer jung im Radio lief dachte ich das wär irgendwas von den Toten Hosen. Peinliche Lyrics: "Wir waren Peter Pan der Straße. Wir rauchten Feenstaub und schwitzten Rock 'n' Roll." Die sollten sich lieber wieder auf ihr Mittelaltergedudel konzentrieren statt so ü50 Deutschrock für Kleingartenvereinklientel zu spielen.

  • Vor 14 Tagen

    Saltatio Mortis, deren letzte Alben allesamt DTH mit Dudelsack waren, sollen laut des Abschlusssatzes Subway to Sally hinter sich lassen, nur weil deren letztes Album geschwächelt hat? Wenn Saltatio Mortis etwas vergleichbares zu MitGift schaffen würde ich den Vergleich überhaupt erst in Erwägung ziehen, geschweige denn deren Schaffen als besser bezeichnen.

    Ich gebe zu, InExtremo haben den leiernden Deutschrock-Einschlag vorgemacht und leiden dabei genau die gleichen Probleme wie Saltatio Mortis es jetzt tut. Langweiliges, oberflächliches Ankauen zeitgenössischer Themen und anspruchslose Woho-Refrains - Musik für die coole Meddl-Mutti, die fürs reine Gewissen auch ein paar rebellische (lol) Ansagen an Pegidioten in ihren Lyrics braucht.

    Und die verdammte YouTube-Social Media-Kampagne, um das Ding zu bewerben. Hat mit der Musik nichts zutun, aber wie offensichtlich muss man sich denn jedem potenziellen Abnehmer anbiedern, mit Live-Prämieren, bei denen die Bandmitglieder (samt PR-Manager) dabei sind.

    Insgesamt sehr würdelos.