laut.de-Kritik

Papa Roach, Limp Bizkit, Puddle Of Mudd: Hier wird alles kopiert.

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Die Jungs von Saliva sind mittlerweile gute zwanzig Jahre im Geschäft. Den bislang größten Coup landeten die Amis sicherlich mit dem Song "Your Disease", der ihnen im Jahr 2002 beinahe eine Grammy-Trophäe beschert hätte. Man könnte also annehmen, die Jungs um Frontröhre Bobby Amaru wissen, wie der Businesshase läuft. Lauscht man aber ihrem neunten Album "Love, Lies & Therapy" könnte man meinen, die Band hätte die vergangenen 15 Jahre im Tiefschlaf verbracht.

Im Ernst: Wer soll denn mit einem derartigen Paket heute noch abgeholt werden? Etwa all die Jungs und Mädels, die darüber schmunzeln, wie sie einst mit Linkin Park-Shirts und "Cut my life into pieces, this is my last resort"-Gebrüll durch die Fußgängerzonen dieser Welt marschiert sind? Oder die Horde von Post-Grungern, die in den Herren Wes Scantlin und Shaun Morgan die Retter eines Genres sahen, das im April 1994 de facto auf Nimmerwiedersehen zu Grabe getragen wurde?

Wie es aussieht soll "Love, Lies & Therapy" diese zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Doch leider erwartet sie hier lediglich ein müder Abklatsch dessen, was vor gut 15 Jahren phasenweise mittelgroße Spuren in Hartholzbereich hinterließ. Sicher, Saliva haben es technisch drauf. Die Drums grooven satt, die Gitarren wummern fett und auch Amarus Schmirgelorgan präsentiert sich energiegeladen und mit der nötigen Spur Rotz auf der Pfanne. Aber was nützt der schönste und stabilste Rohbau, wenn es dem Innenarchitekten an zündenden Ideen fehlt?

Der Einsteiger "Trust" und das mit "New Noise"-Grüßen auf die Reise geschickte "Bitch Like You" heften sich wie garstige Kletten an die Vorbilder namens "One Step Closer" oder "In The End". Auf markante Rap-Parts wird zwar noch verzichtet. Aber sonst? Wir halten fest: Linkin Park mit einem Schuss Alternative, aber ohne Pfeffer und Hooks.

Im Windschatten von Papa Roach machen Saliva keine bessere Figur. Das überladene "RX" würde es bei den Nu Metal-Kakerlaken wahrscheinlich nicht einmal auf eine B-Sides-Compilation schaffen. Ebenfalls im Programm: zwischen laut und leise pendelnde Kniefälle vor Bands wie Puddle Of Mudd, Seether und Adema ("Tragic Kind Of Love", "Broken Wings"). Mit plumpem Limp Bizkit-Gehüpfe ("Go Big Or Go Home") und einem Besuch an Michael Jacksons Grabstätte ("They Don't Care About Us") pusten die Amis auch die letzten Lichter aus. Nun stehen sie im Dunkeln. Aus die Maus. Gut so.

Trackliste

  1. 1. Trust
  2. 2. Tragic Kind Of Love
  3. 3. Bitch Like You
  4. 4. Unchatter Me
  5. 5. Broken Wings
  6. 6. RX
  7. 7. Breakdown
  8. 8. Go Big Or Go Home
  9. 9. Loneliest Know
  10. 10. Refuse To Lose
  11. 11. They Don't Care About Us
  12. 12. Hand In Hand

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4 Kommentare

  • Vor 3 Jahren

    "Papa Roach, Limp Bizkit, Puddle Of Mudd"
    bei derartigen referenzen selbstverständlich ungehört 1/5.

  • Vor 3 Jahren

    Schließe mich den ungehörten 1/5 an. Survival of the Sickest war damals ein ziemliches Brett, die Scheibe höre ich heute noch gerne. Zwar auch nicht der Weisheit letzter Schluss, aber gut gemachter, knackiger Hardrock. Den restlichen Output der Truppe kann man getrost ignorieren.

  • Vor 3 Jahren

    Ich musste reinhören weil ich nicht glauben konnte, dass es wirklich noch Bands gibt die diese Schiene fahren...und Ich bin eines Besseren belehrt worden. Die Atzen hängen echt noch in den frühen zweitausendern fest und das stinkt! buuuh! 1/5

  • Vor 3 Jahren

    Ich finde es schade, dass ein Album hier in den Kommentaren auseinander genommen wird, von Leuten, die diese Musikrichtung anscheinend eh nicht hören.
    Ich bewerte doch auch kein Billy Talent Album mit 1 Stern, weil ich persönlich mit dieser Musik, die die Band da produziert, überhaupt nichts anfangen kann.

    Zum Album: Bleiben ihrem ursprünglichen Stil treu, aber ist natürlich keine Granate.
    3/5