laut.de-Kritik

Mit poppig-federleichtem Rap im langen Cro-Schatten.

Review von

Manchmal hört man Sam, der Rap-Stimme des gleichnamigen Duos, seine schwäbischen Wurzeln an. Doch da steht das in ländlicher Idylle aufgewachsene Bruderpaar gekonnt drüber, wie später das selbstironische "Urlaub in Berlin" beweisen wird. "Sie sagen, der junge Schwabe hängt auf einmal in Berlin ab / Der junge Schwabe sieht doch aus wie ein Berliner." Die Two True Brothers strotzen auf ihrem Debüt nur so vor Selbstbewusstsein.

Schließlich müssen sie ein weiteres, sehr populäres Klischee entkräften: Dass sie nur im langen Schatten des Label-Kollegen Cro schwimmen. Den durften sie nach dem Deal mit Chimperator 2012 schließlich gleich auf dessen Raop-Tour begleiten. Gerade weil ihr Rap so poppig daher kommt, passten sie dem Label natürlich gut als Begleit-Act für den damaligen Hype-Panda ins Programm. Selbstbewusstsein geht also klar, man merkt, dass sich Sam und Chelo ihre eigene Welt mit eigenen Themen aufbauen wollen. Sie haben es satt, nur mit Cro in einen Sack gesteckt zu werden, das stellt schon das "Intro" klar.

Alleinstellungsmerkmale müssen her! Ein gutes Jahr hatten die Jungschwaben seit ihrem Plattendeal Zeit, um am Debüt zu schrauben. Ein Jahr, um den nächsten Chimperator-Hype nachzureichen? Ihr auf poppige Beats gebauter, federleichter Rap lässt das vermuten. "Hallo!?", die erste Single kommt mit einem funkigen Gitarrenriff daher, bevor ein melodischer Mitsing-Refrain den Song sprengt. So hat jeder Track auf "TTB" seine in punkto Wortauswahl bewusst simpel gehaltene Stelle. Da macht "Alleine" keine Ausnahme, eines jener Stücke, deren Beat von Shuko ausgeschmückt wurde.

Der Mainzer Produzent hat ganze Arbeit geleistet, seine klavierlastigen Melodien verleihen dann auch Zeilen wie "Ich lass dich nich' mehr gehen / Will dich ständig sehn" irgendwo noch das nötige Prickeln. Solche Lines häufen sich über die gesamte Spielzeit an – braucht diese Art von Next-Generation-Deutschrap sowas? Textlich strecken Sam auf "TTB" zwar nicht gerade ihre Finger nach dem Pulitzer-Preis aus, dennoch nimmt man den Jungs die gewitzt dargebotenen Reime über "Urlaub Auf Hawaii", allerlei zwischenmenschliche Anekdoten und ihren Aufstieg dankbar ab.

Klingt alles ziemlich geerdet, weniger arrogant, dafür spitzbübischer als nach dem - Verzeihung - Plattitüden-Ritt des Bruders Cro. Also durchaus sympathisch. Da darf dann auch ruhig mal Mutti besungen werden, "C'est La Vie" machts vor: Etwas nachdenklicher als das Gros des Albums mit prasselndem Bongo-Beat und stimmstarkem Refrain-Feature – sicher einer der besten Tracks des Albums.

Und mehr muss "TTB" auch gar nicht leisten: Ein paar Melodien haften sich hartnäckig an die Synapsen und verbreiten so etwas wie Frühlingsgefühle. Ein solider Einstand, aber um einen Vergleich mit Cro kommen die Brüder damit auf absehbare Zeit natürlich nicht herum.

Trackliste

  1. 1. Intro (Einfach So)
  2. 2. Déja Vu
  3. 3. Hallo?!
  4. 4. Alleine
  5. 5. C'est La Vie (feat. Fabio Battista)
  6. 6. Neustart
  7. 7. Urlaub in Berlin
  8. 8. Fallen
  9. 9. Kein Blick
  10. 10. Wind
  11. 11. Maschinerie
  12. 12. Unendlichkeit
  13. 13. High (Bonus)
  14. 14. Nachtmensch (Bonus)

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