laut.de-Kritik

Das achte (!) Studioalbum brachte 1981 den Durchbruch.

Review von

Rush sind in jeder Hinsicht eine seltsame Band. Die Kanadier würden heute durch jedes Raster fallen und hätten keinerlei Chance, den Status zu erreichen, den sie seit "Moving Pictures" innehaben. Zum 30-jährigen Jubiläum pimpen sie ihren Meilenstein noch einmal auf und servieren ihn den Fans als Doppelpack mit Audio-CD samt DVD oder Blu Ray-Disc mit dem Album in Surround-Sound-Format.

Heutige Maßstäbe kann und darf man hier nicht anlegen. Wo kommt es denn schließlich noch vor, dass eine Combo mit ihrem achten (sic!) Studioalbum den Durchbruch schafft? Wer heutzutage nicht mit dem dritten Output mindestens Platin einfährt, darf seinen Deal mit einem Majorlabel im Reißwolf suchen.

Insofern darf man den Verantwortlichen von damals gratulieren, einen derart langen Atem gehabt zu haben. Mit "Moving Pictures" legten Lee, Lifeson und Peart nämlich ihr Meisterstück vor, an dem sich alle nachfolgenden Alben messen lassen mussten. Daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert.

Die sieben hier vertretenen Songs wirken im Nachhinein wie die absolute Quintessenz dessen, was Rush ausmachen. Vertrackt-progressive Instrumental-Parts ("YYZ"), griffige Melodien ("Tom Sawyer"), Atmosphäre galore ("Witchhunt"); "Moving Pictures" vereint alle Stärken des Trios auf einem Longplayer. Die Rädchen der technischen Finesse, lyrischen Ideen und songschreiberischen Klasse greifen derart gut ineinander, dass in 40 Minuten kaum Wünsche offen bleiben. Geddy Lee dimmt seinen ehedem etwas hysterisch hohen Gesang eine Oktave tiefer und bildet so ein weiteres wichtiges Teil in der Rush-Maschinerie.

Auf der kommenden Time Machine-Tour soll das Album in voller Länge zu hören sein. Dann kommt der geneigte Fan auch einmal in den Genuss von "Vital Signs" und "The Camera Eye". Weshalb gerade Erstgenannter in der jüngeren Historie nie live zu hören war, ist gerade vor dem Hintergrund kaum verständlich, dass dieser Song die Richtung für die kommende Synthesizer-Periode vorgibt.

Der Surround-Sound der Bonus-Disc spielt ganz gekonnt mit den technischen Möglichkeiten, ohne mit inflationär eingesetzten Gimmicks zum Kirmes-Gedudel auszuarten. Mit einer zusätzlichen Dosis Bass mutiert besonders Neil Pearts Schlagzeugspiel bei "Witch Hunt" zu einem Ohrenschmaus der exquisiten Sorte; einfach herrlich, wie es da im Karton rappelt. Besonders dieser Track profitiert von der Neu-Abmischung.

Den Boost, den der Song auf der klangtechnischen Seite erfährt, benötigt er auf textlicher Ebene keineswegs. Aktualität hat die Hexenjagd nicht eingebüßt, im Gegenteil. Zeilen wie "quick to judge, quick to anger, slow to understand, ignorance and prejudice and fear walk hand in hand" klingen auch 30 Jahre nach dem Verfassen leider beängstigend aktuell.

Was die Extras angeht, kann man diese getost in die Tonne kloppen, ohne etwas zu verpassen. Man sieht die Band bei "Tom Sawyer", "Vital Signs" und "Limelight" im Studio performen. Die Linernotes geben einen kleinen Insider-Einblick, ausufernd ist aber dann doch anders. Zu 100% gerecht wird das Doppelpack dem Album nicht. Da hätte man speziell was die Verpackung angeht noch einen draufsetzen können, statt im doch eher popeligen CD-Outfit an den Start zu gehen.

Für die audiophile Fraktion der Rush-Anhänger ist diese neue Edition dennoch ein absolutes Muss. Wenn damals die heutige Technik zur Verfügung gestanden hätte, das Album hätte wohl genau so und nicht anders klingen müssen.

Trackliste

CD

  1. 1. Tom Sawyer
  2. 2. Red Barchetta
  3. 3. YYZ
  4. 4. Limelight
  5. 5. The Camera Eye
  6. 6. Vital Signs

DVD

  1. 1. Moving Pictures 5.1-Mix
  2. 2. Videos
  3. 3. Photo Gallery

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