laut.de-Kritik

Meine Güte kann die singen!

Review von

Meine Güte kann die singen! Was uns Janne Schra da vorträllert, gehört vom Ausdruck und von der Vielseitigkeit zum Feinsten. Gesegnet mit einer vollen Portion Einmaligkeit sowie technischer Virtuosität, haut uns die Frontfrau von Room Eleven ihren stilistischen Abwechslungsreichtum um die Ohren.

"All Right", das Intro mit Spieluhr-Toy-Piano und Stimme macht Lust auf mehr, "One Of These Days", der folgende Funk, erfüllt die ersten Erwartungen mit tollen Chorsätzen und catchy Refrain, der die titelgebenden 'six white russians and a pink pussycat' besingt. Über den gar nicht so traurigen "Sad Song" streifen die Niederländer auf "Faith" den Blues. "Could That Be You?" arbeitet mit schönen Bläsern im Refrain, aber es schleicht sich langsam das Gefühl ein, dass da irgendwie mehr drin wäre.

"Flavour" flockt locker durch die Pop-Jazz-Laube. "It's Raining" stößt mit der 'eingetüteten' Gesangsaufnahme die Tür zu den 20er Jahren auf. Klasse! Ebenfalls hörenswert, das Akkordeon und der Retro-Charme von "Come Closer". Unüberhörbar präsentiert sich Room Eleven auf dem Debüt als Live-Band. Was jedoch im Club gut funktioniert, offenbart auf CD einige Schwächen.

Meine größte Kritik gilt dabei dem Trommler. Ich habe schon lange niemanden mehr uninspirierter seine Felle bearbeiten hören. Sorry, Maarten Molema, aber das klingt verdächtig nach Top 40-Band. Das fängt bei der Stimmung der Kessel an, die weder knackig noch sonstwie hörenswert wäre, und hört damit auf, das auf einer Albumlänge von 47 Minuten nicht ein einziger Schlag ist, der in irgendeiner Art und Weise überrascht. Ich bitte die ungewöhnlich harte Gangart zu entschuldigen, mit der ich hier zu Gericht ziehe. Aber das ist schon außergewöhnlich unspektakulär, wie hier rhythmisch gearbeitet wird.

Aber meine Liste der Kritik ist noch nicht zu Ende. Auch die Produktion als Ganzes findet in mir keinen Freund. Harmlos, brav und herkömmlich sind die Attribute, die sich aufdrängen. Leider gilt das auch für die musikalische Umsetzung der eigentlich ideenreichen Kompositionen. Wenn die Band bluest, bluest sie nicht wirklich. Wenn sie swingt, swingt sie nicht wirklich, und wenn sie eine Ballade spielt, ist sie nicht wirklich traurig.

Das ist sehr schade, denn die Kompositionen sprühen vor Ideen und vor stilistischer Vielfalt. Die Umsetzung verheddert sich jedoch ständig in den dazugehörigen Klischees. Die Musiker lehnen sich weder klanglich noch harmonisch, rhythmisch, melodisch oder solistisch weit aus dem Fenster. Und irgendwie hat man den Eindruck, die Dinge bleiben nur angedeutet. Gitarre und Rhodes beliefern uns mit Linien und Changes aus dem Katalog, über das Schlagzeug habe ich mich ja schon ausgelassen und der Bassmann sprüht auch nicht gerade vor Kühnheit.

Die Rettung ist einfach immer wieder diese herrlich anzuhörende Stimme. Aber sie allein kann das Album nicht erlösen. Ich darf mir gar nicht vorstellen, wie Janne Schra klänge, wäre die musikalische, arrangement- und produktionstechnische Umsetzung dem Abwechslungsreichtum der Kompositionen angemessenen.

Trackliste

  1. 1. All Right
  2. 2. One of These Days
  3. 3. Sad Song
  4. 4. Faith
  5. 5. Could That Be You?
  6. 6. Flavour
  7. 7. Pressing
  8. 8. It's Raining
  9. 9. You Made Me See It
  10. 10. Greenest Grass
  11. 11. Come Closer
  12. 12. Somedays
  13. 13. Tried to Be
  14. 14. Listen
  15. 15. I Wanna Be Your...

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