laut.de-Kritik

Was hat ihm das Schicksal nur angetan?

Review von

Schon wieder ein Cover, auf dem Ron Sexsmith so dreinschaut, als wäre sein Sohn vom Fahrrad gefallen, seine Frau mit einem anderen durchgebrannt und der Kanarienvogel gestorben. Was ihm das Schicksal wohl angetan hat, um solch einen Blick zu ernten? Vielleicht, dass es ihm den großen Publikumserfolg trotz allseitigen Lobes verwehrt hat?

Seine eigene Musik dürfte dem Kanadier jedenfalls keinen Anlass zur Wehmut geben. Der Opener "Hands Of Time" fügt sich nahtlos an das letzte Stück des Vorgängeralbums "Retriever" (2004) an. Akustikgitarren und eine sanfte Rhythmusgruppe begleiten Sexsmiths ruhige, hohe, leicht nasale Stimme, die ein ausgeprägtes Gefühl für Melodien offenbart.

Ohne Brüche reihen sich die Stücke des Albums aneinander. Mit dem langsamen "Snow Angel" und dem verhältnismäßig rockigen "All In Good Time" gleitet der Zuhörer in eine entspannte Stimmung. Spielten die Texte auf "Retriever" noch eine wichtige Rolle, geraten sie hier eher in den Hintergrund. Schade, denn die Geschichten, die Sexsmith erzählt, sind eine erhöhte Aufmerksamkeit wert.

So aber fließt das Album aber vor sich hin, ohne richtige Akzente zu setzen. Hier und da schimmern die Beatles und ihre Mitglieder durch ("I Think We're Lost", "Ship Of Fools", "The Grim Trucker"), aber auch die Country-Anleihen von "Cold Hearted Wind" lassen trotz des viel versprechenden Beginns nicht wirklich aufhorchen. "Jazz At The Bookstore" ist eines jener Stücke, auf die man getrost verzichten kann.

An sich ist nicht viel anders als auf "Retriever", aber der Produzentenwechsel scheint Einiges bewirkt zu haben. Erstaunlicherweise zum Schlechteren, obwohl Mitchell Froom nicht gerade ein Unbekannter ist und zudem für Sexsmiths erste Alben in den 90er Jahren verantwortlich war. Der direkte Vergleich zeigt aber unmissverständlich, dass Martin Terefe mit dem Material besser umzugehen wusste.

Froom hat immerhin die Produktion wohltuend einfach gehalten und auf eine überladene Begleitung verzichtet. Ein Sessiongitarrist unterstützt gelegentlich Sexsmith an seiner eigenen Akustikklampfe, im Hintergrund wirken ein Bassist und ein Schlagzeuger, die sonst für Elvis Costello spielen. An Qualität mangelt es also wirklich nicht, wie das abschließende "And Now The Day Is Done" beweist, eine jener unglaublichen Balladen, die Sexsmith aus dem Handgelenk zu schütteln scheint. Anstatt auf schwere Orchestrierung zu setzen, begleiten Stimme und Gitarre lediglich einzelne sanfte Orgelnoten und ein leichtes Hummen.

"The world is a avery small place, and people we know are back in our own space", singt Sexsmith in "Some Dusty Things". Vielleicht täte es ihm gut, mal etwas anderes auszuprobieren, ohne dabei seinen Stil groß umzukrempeln. Vielleicht wäre es sogar ausreichend, wenn er auf seinem nächsten Cover mal etwas fröhlicher in die Kamera schauen würde.

Trackliste

  1. 1. Hands Of Time
  2. 2. Snow Angel
  3. 3. All In Good Time
  4. 4. Never Give Up
  5. 5. I Think We're Lost
  6. 6. Reason For Our Love
  7. 7. Cold Hearted Wind
  8. 8. Jazz At The Bookstore
  9. 9. Ship Of Fools
  10. 10. The Grim Trucker
  11. 11. Some Dusty Things
  12. 12. And Now The Day Is Done

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