laut.de-Kritik

Traumreise oder doch mangelnde Courage?

Review von

Schon die ersten Klänge von "Advent", das Robag Wruhme mit Gastsängerin Lysann Zander aufnahm, machen unmissverständlich klar, dass es sich bei "Venq Tolep" nur um ein Pampa-Album handeln kann. Das Label, das insbesondere durch Mitbegründer DJ Koze Ruhm erlangte, postuliert eine stets wiedererkennbare Version von House: Träumerisch geht es zu, die Beats geraten melodisch und bekommen Platz zum Atmen, ohne sich im trivialen Reich des Melodic-Techno zu verlieren.

Wruhme, bürgerlich Gabor Schablitzki und seit den Neunzigern in der Szene aktiv, beherrscht diesen Sound im Schlaf. Zu lang ist der Jenaer schon dabei, als dass ihm noch gravierende Schnitzer passieren könnten. Zu lange hatte er Zeit, seine Fähigkeiten als Produzent zu verfeinern. Das hört man "Venq Tolep" über seine knapp 40 Minuten Spielzeit an.

Womit wir wieder bei "Advent" wären, das den Kurs schon ganz zu Beginn vorgibt. Entrücktes Hauchen Zanders, harmonische Streicher und Klaviertupfer sowie klassisch vergilbte Hi-Hats und federnde Snares definieren das Klangbild. Das 'Pampa'-Sample aus dem Kindermund erfüllt dann noch den Tatbestand der Selbstreferenz. Was Kollege Kozalla gerne mit einem Augenzwinkern versieht, wirkt bei Wruhme weitaus melancholischer.

Das bestätigt auch "Westfal" im Anschluss, das die gleiche Formel mit gleicher Gastsängerin durchexerziert, ohne aber bis in Kickdrum-Gefilde vorzudringen. Insgesamt eine merkwürdige Entscheidung, die beiden Nummern an den Beginn des Albums zu setzen. Fühlt sich schon früh kitschig an. "Iklahx" liefert dann wieder äußerst dezente Percussion und knüpft diesbezüglich beinahe an Villalobos'schen Minimal-House an. Die Melodie hat damit allerdings wenig bis nichts zu tun: Be-, schon eher andächtig verlässt Wruhme seine Deckung, ohne zu viel Aufsehen zu erregen.

"Ak-Do 5" erinnert in Teilen an Brothomstates' "Mdrmx", was ausschließlich als Kompliment zu verstehen ist. Traumhafte Akkordfolgen schieben sich über einen überraschend konsistenten House-Groove, der sich gegen Ende hin in Ambientsphären auflöst. Der wohl beste Track des Albums. "Volta Copy (Ambient Version)" reminisziert dann den Hit "Volta Cobby" von 2015, hat als langsames Ambientinterlude mit dessen Dancefloor-Dringlichkeit aber nichts gemein.

"Komalh" beruft sich einmal mehr auf geglättete Vocalfetzen und wirkt irgendwie wie aus dem Pampa-Baukasten zusammengeschustert. Wenn vorhin noch die Rede von träumerisch war, wird es hier richtiggehend schmalzig. Spielerischen Glöckchen und quietschenden Soundeffekten steht als Kontrapunkt eine majestätische Bassline gegenüber, die den Track doch noch irgendwie rettet.

Gemeckere findet hier natürlich auf hohem Niveau statt. Die ätherischen Soundscapes sind super produziert und weit von anbiedernden Gesten entfernt, die allzu offensichtlich das Risiko scheuen. Schablitzki hat sich offenbar nur dazu entscheiden, die LP ausschließlich in äußerst windstillen, ruhigen Fahrwassern dümpeln zu lassen. Das hat man zu respektieren, Spannung bleibt deshalb aber mehr die Ausnahme als die Regel. Daran ändert auch das extrem eingängige "Bézique Atout" mit der Grenobler Allzweckwaffe Oxia wenig. Selbst wenn das Snare-Gewitter nach zwei Minuten allzu schwelgende Hörer aus dem Sessel schießen lassen dürfte.

"Nata Alma" präsentiert an vorletzter Stelle dann Wruhmes Talent. Gemeinsam mit dem Pianisten Bugge Wesseltoft, der schon mit Henrik Schwarz kollaborierte, und Sidsel Endresen, die für die nachdrücklichsten Vocals des Albums sorgt, entledigt er sich mittels nach vorne preschender Popmusik der lähmenden Monotonie.

"Ende #2" verpasst "Venq Tolep" - wie passend - den denkbar ruhigsten Schlusspunkt. Musikerkollegen und Freunde aus aller Herren Länder stellen sich vor und zählen in ihrer Sprache bis Drei. Mit dabei sind Axel Boman, Dave Aju, Nastia, Jimi Jules, Koze himself und viele weitere. Ähnlich wie das gesamte Album, das insgesamt wenig wagt, stürzt der letzte Track den Hörer in tiefe Ratlosigkeit. Stringent konzipierte Traumreise oder Musik, der die nötige Courage fehlt? Schwierig zu beurteilen.

Trackliste

  1. 1. Advent feat. Lysan Zander
  2. 2. Westfal feat. Lysan Zander
  3. 3. Iklahx
  4. 4. Ak-Do 5
  5. 5. Volta Copy (Ambient Version)
  6. 6. Komalh
  7. 7. Ago Lades
  8. 8. Venq Tolep
  9. 9. Bézique Atout feat. Oxia
  10. 10. Nata Alma feat. Sidsel Endresen & Bugge Wesseltoft
  11. 11. Ende #2

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