laut.de-Kritik

Der Wille zum großen Song ist da, nur die Substanz fehlt.

Review von

Richard Ashcroft reckt die Akustik-Gitarre nach oben, als hätte er einen klaren Sieg eingefahren. Darüber steht's in großen Lettern: Natural Rebel. Einzig: rebellisch klingt auf Ashcroft fünfter Soloplatte leider nichts, dafür vieles überraschend uninspiriert.

Im Opener "All My Dreams", einem der besseren Stücke, tönen die Akustikgitarrenakkorde eingängig und kommen gleich zur Sache, Ashcrofts Stimme nölt sich reibungslos rein. Die anfängliche Wiedersehensfreude trübt aber schnell die Erkenntnis, dass es den Stücken auf "Natural Rebel" einfach an Substanz mangelt. Viel Britpop, hie und da Northern-Soul-Anleihen, Akustik-Gitarren und Streicher - leider wird das schon auf "Birds Fly" ziemlich beliebig.

Auch bei Stücken wie "Surprised By The Joy" oder "That's How Strong" ist keine Besserung in Sicht: Generisches und gefälliges Songwriting, das so wirkt, als hätte Ashcroft gar keine Lust gehabt, alle Reserven aus sich rauszuholen. Nicht einmal seine charismatische Stimme vermag das zu retten, allzu gequält zieht sie sich oft über die Songs. Und als wäre die mangelnde Substanz nicht schon genug, übertreibt es "Natural Rebel" auch mit den Streicher-Arrangements: Die üppigen Violinenspuren wirken allzu dick aufgetragen, manchmal beinahe synthetisch. Bei "How Strong" fällt dies schmerzhaft auf, bei "That's When I Feel It" noch um einiges mehr.

Es gibt auch ab und an ansprechendere Stücke: Der Closer "Money Money" kommt als Rocker daher und bildet zusammen mit dem Opener eines der (wenn auch insgesamt eher bescheidenen) Highlights der Platte.

Ashcroft sieht das anders. "Mit Erfahrung kommt Wissen und für mich ist das hier mein stärkstes Set an Liedern bis jetzt", meint er im Vorfeld der Platte. Damit tut er allerdings seinem eigenen, teils brillanten Werk Unrecht.

Der Wille zum großen Song, zur großen Melodie, zur triumphalen Geste ist vorhanden, das hat Ashcroft genau wie seine Zeitgenossen von den Gallaghers im Blut. Dass Ashcroft das kann, hat er in der Vergangenheit vorallem mit The Verve bewiesen. Auf "Natural Rebel" schafft er es das nicht.

Trackliste

  1. 1. All My Dreams
  2. 2. Birds Fly
  3. 3. Surprised By The Joy
  4. 4. That's How Strong
  5. 5. Born To Be Strangers
  6. 6. That's When I Feel It
  7. 7. We All Bleed
  8. 8. A Man In Motion
  9. 9. Streets Of Amsterdam
  10. 10. Money Money

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3 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    das bewährte Ashcroft-Schema "Gitarre meets Streicher" hat bis dato immer funktioniert - 2 Songs waren immer dabei die herausragend waren. Dieses Mal fehlt mir aber bereits nach den ersten Tracks die Geduld das Teil durchzuhören... einfach zu weichgespült und die opulenten Streicher sind einfach zu obvious billiges Keyboard Klimbim. Schade

  • Vor 2 Jahren

    Für mich funktioniert auch dieses Album - surprised by the joy ist doch klasse :)

  • Vor 2 Jahren

    Also nee, echt pipapo die Scheibe. Ich mag den Richie eigentlich. Der kann doch eigentlich Stimme und Musik. Aber das ist alles so belanglos geworden, ohne Ecken und Kanten. Immer mal so kurz lugt was gutes raus, verschwindet aber genauso schnell wieder in den Niederungen der sich anbiedernden Radiotauglichkeit.