laut.de-Kritik

Mit 50-köpfigem Chor und Christopher Lee.

Review von

Manchmal geht's mir wie dem kleinen Jesus, und ich wünsche mit inständig, dass der Kelch an mir vorüber gehe. Doch der gute Joe hing letztendlich doch am Kreuz, und auch der kleine Eddy sieht sich mit dem neuesten Output von Rhapsody konfrontiert. Ist noch irgendwo ein Job als Galionsfigur frei? Nägel bring ich auch selbst mit ...

Aber genug gejammert, immerhin ist man sich bei den Italo-Bombast-Metallern nie darüber im Unklaren, was einen denn mit dem nächsten Werk erwartet. Genau so verhält es sich auch mit "The Symphony Of The Enchanted Lands II", nach dessen Erscheinen die Fans schon lechzen, während die Gegner schon ein Dauergrinsen im Gesicht haben dürften. Auch wenn es hier von allem etwas mehr gibt, und alles größer und mächtiger wirkt. Machen wir trotzdem mal die Erklärung für denjenigen, der der Band noch unvoreingenommen gegenüber tritt.

Wie auf allen anderen Veröffentlichungen der Band eigentlich auch, so wird auch auf diesem Album geprotzt und geklotzt, was das Zeug hält. Der perfekt inszenierte melodische Power Metal lässt spieltechnisch und kompositorisch keinen Zweifel zu, und auch die klassisch barocken und folklorischen Elemente fügen sich bestens in die Kompositionen ein. Dieses Mal gab es genügend Kohle, um nicht nur einen 50-köpfigen Chor, sondern sogar noch das tschechische Bohuslav Martinu Philharmonieorchester zu engagieren. Zusammen mit diesen ist es Rhapsody gelungen, stellenweise echte Soundtrack-Atmosphäre zu schaffen, die wirklich atemberaubend ist.

Bestes Beispiel dafür ist das zehnminütige "Sacred Power Of Raging Winds", das aber an den typischen italienischen Power Metal Krankheiten leidet: Es wird gedüdelt, bis einem Hammer und Amboss aus den Löffeln rieseln. Des weiteren schmalzt es vor Pathos und Heldentum mehr als in der Hauptkonditorei von Dr. Oetker. Nichts gegen eine gute Fantasy-Story, aber die Figuren von Rhapsody sind einfach so strahlend, schön und tugendhaft, dass es schon wieder weh tut. Dass der normale Heldenkrieger sich nie zum Kacken in die Büsche verziehen muss, daran hat man sich ja gewöhnt, aber die Rhapsody-Helden furzen wahrscheinlich noch Jasminduft.

Sämtliche hier angeführten Kritikpunkte sind für Fans wohl höchstens noch zusätzliche Kaufempfehlung, denn genau das macht die Band ja seit jeher aus. Es soll hier auch nicht verschwiegen werden, dass es sich bei dem Album wohl um einen ziemlichen Klassiker dieses Genres handelt, dessen Konzeptstory von keinem Geringeren als dem Saruman- und Dracula-Darsteller Christopher Lee sprachlich verbunden wird. So bleibt einem objektiv nichts anderes übrig, als den Italienern einen gewissen Respekt zu zollen, auch wenn man Sound und Einstellung eher belächelt.

In der Limited Edition gibt es noch eine DVD dazu, die neben drei Videoclips (allerdings alle zum selben Song) auch noch einiges "Behind The Scenes"-Material bereit hält und es insgesamt auf knappe 50 Minuten bringt.

Trackliste

  1. 1. The Dark Secret
  2. 2. Unholy Warcry
  3. 3. Never Forgotten Heroes
  4. 4. Elgard's Green Valleys
  5. 5. The Magic Of The Wizard's Dream
  6. 6. Erian's Mystical Rhymes
  7. 7. The Last Angel's Call
  8. 8. Dragonland's River
  9. 9. Sacred Power Of Raging Winds
  10. 10. Guardiani
  11. 11. Shadows Of Death
  12. 12. Nightfall On The Grey Mountains

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