laut.de-Kritik

Markantes Organ erstickt im glattgebügelten Sound-Korsett.

Review von

"Sie wissen also alles über Rea Garvey, richtig? Falsch. Nicht zuletzt, weil er mit seiner neuen Platte höchstwahrscheinlich mehr von sich preisgibt als jemals zuvor", heißt es im knapp zwei Seiten langen Pressetext zum neuen Solo-Album des ehemaligen Reamonn-Frontmanns.

Die Frage, die ich mir allerdings nach nicht einmal einer halben Minute des eröffnenden "It's A Good Life" stelle, lautet: Will ich überhaupt noch mehr wissen? Interessiert es mich, wenn sich der kauzige Ire am tieftönigen melancholischen Erbe von Nick Cave vergreift ("It's A Good Life", "Bow Before You")? Nein.

Klatsche ich begeistert in die Hände, wenn die erdigsten Pogues-Erinnerungen für hiesige Frühstücksradio-Redaktionen und Edeka-DJs neu aufbereitet werden ("Can't Say No")? Nein.

Auch ein durchschaubares Lagerfeuer-Ständchen mit Sirenen-Ikone Heather Nova ("All That Matters") macht aus mir keinen Hör-Voyeur. Ebenso wenig erfreue ich mich an mit klinischen Streichern und nicht minder anorganischen Chören angereicherten Peter Bursch-goes-Hitradio-Anleihen ("Oh My Love"), von blutleerem Allerwelts-Pop-Rock à la "We All Fall Down" mal ganz abgesehen.

Natürlich nicke ich anerkennend mit dem Kopf, wenn mir Rea Garvey einen Blick in sein Innerstes gewährt. Das Ausgraben von schmerzhaften Kindheitserinnerungen, das Wedeln mit dem ausgestreckten Zeigefinger am Grab von Amy Winehouse oder das Nadelstiche-Setzen in Richtung Erfolgsgesellschaft zeugen definitiv von Reife und Einfühlungsvermögen.

Musikalisch hingegen herrscht Tristesse. Garveys nimmermüde Versuche, tiefgehende Strophen mit massenkompatiblen Singalong-Refrains in Einklang zu bringen, scheitern wie eh und je am limitierten Grundverständnis für ausgeklügeltes und facettenreiches Songwriting sowie am glattgebügelten Sound-Korsett. Das ist sicherlich schade, wenn man bedenkt, dass der Ex-"The Voice Of Germany"-Juror über ein durchaus markantes Organ verfügt, aber eben auch nichts Neues.

Trackliste

  1. 1. It's A Good Life
  2. 2. Can't Say No
  3. 3. We All Fall Down
  4. 4. Catch Me When I Fall
  5. 5. The Night Goes On
  6. 6. Oh My Love
  7. 7. The Rain Came Falling From Her Eyes
  8. 8. Candlelight
  9. 9. All That Matters
  10. 10. Forgiveness
  11. 11. Bow Before You

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LAUT.DE-PORTRÄT Rea Garvey

"Ich suche ständig die Herausforderung", sagt Rea Garvey. Der mit der Gruppe Reamonn bekannt gewordene Sänger ist kein Mensch, der die Füße hochlegt.

6 Kommentare mit 13 Antworten

  • Vor 4 Jahren

    Can´t say no find ich doch recht unterhaltsam. Generell find ich Garvey hörbarer als 80% des Mistes (Mists?) des sonst so im Radio kommt.

  • Vor 4 Jahren

    für wahldeutsche gibts einfach generell mal sterneabzug

  • Vor 4 Jahren

    Dieser Kommentar wurde vor 4 Jahren durch den Autor entfernt.

  • Vor 4 Jahren

    Finde die CD sehr stark. Jeder sollte sich ein eigenes Bild machen, finde die Kritiken nicht immer gerechtfertigt. Aber wie auch immer, die Geschmäcker sind verschieden :-)

  • Vor 4 Jahren

    "Pride" von Rea Garvey ist ein absolut geniales Album. Es unterscheidet sich wohltuend von dem 08/15 Mainstream Kram der täglich im Radio läuft.
    Von mir 100% Kaufempfehlung.

    Dem Verfasser der "Kritik" kann ich nur empfehlen, genauer hinzuhören!
    Nach "nicht einmal einer halben Minute des eröffnenden "It's A Good Life"" will sich dieser gewisse Kai Butterweck bereits eine Meinung gebildet haben?
    Mit dieser Anmerkung hat sich Herr Butterweck zu einer peinlichen Oberflächkeit bekannt, die ihn als Rezensenten disqualifiziert.
    Herr Butterweck, suchen Sie sich einen neuen Job. Zum Bewerten von Musik sind Sie jedenfalls nicht geeignet! Das ist ein gut gemeinter Tipp!

    • Vor 4 Jahren

      Oh, vielen dank. an welchen job dachten sie denn so? ich bin für alles offen.

    • Vor 4 Jahren

      Bei dem Namen natürlich Bäcker, Herr Rezensent. Herr Tierlieb ist ja auch Zoodirektor geworden.
      Und ich Astronaut.
      Nordsee2014 wippt dagegen hinter der Theke einer Fast Food Kette im Takt zum aus den Lautsprechern ertönenden Rea Garvey, während ältere Herren vor der Theke Sätze wie "Moin, ich hätte gern ein Backfischbrötchen" in die putzmittelgeschwängerte Vormittagsluft hauchen.

    • Vor 4 Jahren

      solch Poesie.
      Und, nehmt mich... ich erlöse hier und da immer wieder gern die Menschheit. Aber das ist mehr ein Hobby. Mein eigentlicher Beruf ist "Sohn vom Chef".

    • Vor 4 Jahren

      Die Backfischbrötchen von Nordsee sind aber nicht wirklich super. Das einzige was die können sind Bremer. D:

    • Vor 4 Jahren

      Die Bremer da sind toll und preiswert obendrein.

    • Vor 4 Jahren

      geht es hier um Zuhälterei und Versklavung von Leuten aus Bremen oder...

  • Vor 4 Jahren

    Emik

    Wenn man sich mit dem Stolz (PRIDE) der Iren und ihrer Kultur mal etwas auseinander setzt, findet die Zeit in die Tiefe der Texte einzutauchen.
    Der Fuchs ist nicht umsonst auf dem Cover.
    Rea Garvey schickt den Hörer auf eine Reise und verstreut auf dem Weg Krumen von Träumen und Visionen die schwer aber nicht unerreichbar sind, Wenn man bereit ist zu suchen, dafür zu kämpfen, Niederlagen zu verkraften und in Ihnen einen neuen Anfang zu finden.

    PRIDE ist meine erste Soloplatte von REA die ich mir sogar auf Vinyl geholt habe und höre es seit 2 Tagen ununterbrochen.

    Herr Butterweck hätte sich das Album wenigstens ein 2. Mal anhören sollen.
    Von mir bekommt das Album auf jeden Fall nen fetten Daumen nach oben!