laut.de-Kritik

Epischer Prog trifft eingängigen Pop.

Review von

"Eupnea". Alleine der Titel des neuen Pure Reason Revolution-Albums mutet derzeit wie ein Treppenwitz an, bezeichnet der Begriff bei Säugetieren doch eine entspannte Ruheatmung. Dass Chloe Alper und Jon Courtney Corona irgendwie im Hinterkopf hatten, kann man wohl ausschließen.

Eine Dekade hat "Hammer And Anvil", das letzte Lebenszeichen der Band, bereits auf dem Buckel. Eigentlich entschädigte das dritte Album für den vermurksten Zweitling "Amor Vincit Omnia" und wies in eine vielversprechende Zukunft. Dann warf die Band aber alles hin. Dass dieser Schritt etwas übereilt war, dämmerte dem federführenden Duo wohl irgendwann. Schön, das! "Eupnea" holt den Hörer nämlich mit farbenfrohen atmosphärischen Klängen ab.

Wo stehen PRR nun anno 2020? Immer noch in ihrem eigenen Kosmos aus mehrstimmigen Harmonien, wohldosierten Gitarren-Attacken und Elektronica. Was auffällt: Alper und Courtney haben ihre Liebe zu zuckersüßem Pop entdeckt. Zwar stand Melodie als Stilelement schon immer prominent auf der Zutatenliste, aber so dominant wie hier zeigte das Songwriter-Duo seine Vorliebe für den Kessel Buntes noch nie.

"Maelstrom" steht stellvertretend für die gelöstere Stimmung im Sound. Irgendwo zwischen Beach Boys und Abba hangelt sich der Track entlang. Die ehemals düsteren Klanglandschaften, die bisher eher dunkel dräuend daher kamen, weichen einer guten Prise Optimismus und Frohsinn. Das schrammt zwar ab und an nah am Kitsch entlang, geht aber ins Ohr wie nix. Der Gitarreneinsatz im zweiten Teil des Songs bewahrt die Komposition vor allzu platter Dudelei.

Beim Blick auf die Tracklist fällt auf, dass PRR den drei Longtracks des Albums drei kürzere Lieder gegenüberstellen, die sich auch in der Anordnung brav abwechseln. Kurz, lang etc. Das ist bestimmt kein Zufall. Die kürzeren Lieder unterscheiden sich auch in der Produktion vom Rest. Noch nie klangen Pure Reason Revolution so geerdet und reduziert.

Diese Aufspaltung spiegelt auch die stilistische Dualität der Songs wider. Während der Pop in den kurzen Stücken zelebriert wird, steht in den Longtracks die Epik im Vordergrund, die schon das Debüt "The Dark Third" so unwiderstehlich machte. Der eine oder andere Pink Floyd-Moment der Vergangenheit taucht hier wieder auf, genau wie die vermehrte Verwendung von Reverb, der eine spacigere Atmo kreiert.

Das Songwriting steht dabei auf höchstem Niveau, was es auch fast unmöglich macht, einzelne Songs hervorzuheben. Ausufernder Progressive-Rock gibt sich mit lieblichen Pop-Songs munter die Klinke in die Hand. Bei sechs Liedern findet sich kein einziger Ausfall. In der Summe ergibt dies das zweitbeste PRR-Album.

Trackliste

  1. 1. New Obsession
  2. 2. Silent Genesis
  3. 3. Maelstrom
  4. 4. Ghosts & Typhoons
  5. 5. Beyond Our Bodies
  6. 6. Eupnea

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