laut.de-Kritik

Unverkopfte Leichtigkeit zwischen Krautrock und Space-Disco.

Review von

Es ist kein großes Geheimnis, dass die Clubkultur bei aller ultimativen Lust auf die Kombination aus Beischlaf, Rausch und Tanz-Ekstase außerdem stets aufs Neue Restbestände an Infantilität zum Vorschein bringt. So manche Party-Location wie die ehemalige Bar 25 wirkt weniger wie ein dunkler Keller-Club als vielmehr ein verkappter Kinderfreizeitpark, in dem Drogen zirkulieren.

Junge Leute verkleiden sich für eine lange Nacht aufwändiger und alberner als zum Fasching und blödeln mitunter derart präpubertär auf dem Dancefloor herum, dass der Sexualtheoretiker Sigmund Freud seine helle Freude gehabt hätte. Partyveranstalter und DJs tun mit versponnenen sprachlichen Codierungen oft ein Übriges, um sich als besonders hedonistische Jugendszene vom heiligen Ernst des Alltags abzugrenzen.

Prins Thomas, der mit Lindstrom und Todd Terje das führende Dreigestirn eines norwegischen Disco-Sounds bildet, der als Cosmic-Revival längst zum Trademark avancierte, ging bei der ironischen Verniedlichung seines zweiten Albums vermeintlich sogar noch einen Schritt weiter und hat – auf den ersten Blick – ein etwa sechsjähriges Kind das Albumcover von "2" malen lassen.

Eine genauere Studie des krakeligen Portraits weist dann doch eher auf einen erfahrenen Illustratoren mit genug Empathie für die zeichnerische Grobmotorik eines Kindes hin. Doch auch so erscheint das Cover durchaus stilbildend für ein Album, das mit unverkopfter Leichtigkeit zwischen weitläufigen Krautrock-Exkursionen, der pathetischen Space-Disco eines Giorgio Moroder und funkigem House oszilliert.

"2" dürfte weniger für den Hipster denn für den Nerd ein Vergnügen darstellen, steht er dem inneren Kind wegen seines naiven Forschungsdrangs doch bedeutend näher. Der Opener "Bobletekno (Diskomiks)", der einen stotternden Rasenmäher simuliert, mündet direkt in die wunderbar schwofige Cosmic-Sinfonie "Symfonisk Utviklingshemming", die süffige Streicher und Holzbläser mit zwitschernden Bleeps und einem hypnotischen, elegant gedämpften Groove kombiniert.

Nach dem kurzen Interlude "Bom Bom" mutet "Tjukkas Pa Karussel" mit seinem Tuba-Beat im ersten Moment fast wie ein vergessenes Disco-Stück von Arthur Russell an, ehe eine obligatorische Kuhglocke und ein prägnantes Voice-Sample den perkussiven Track in höhere Sphären davon tragen.

In "Bobletekno" und "Søt Kløt" überschreitet Prins Thomas im Anschluss gleich zwei Mal die Zehn-Minuten-Grenze, wobei beide Stücke im Stil einer verkifften Jam-Session lieber sinnierend vor sich hin wabern als zwischendurch ein ekstatisches Momentum anzusteuern. Das wirkt zunächst etwas schade, sollte im Wissen um die etwas sumpfige Psychedelic des ersten Albums des Norwegers aber nicht wirklich böse überraschen.

Trackliste

  1. 1. Bobletekno (Perkmiks)
  2. 2. Symfonisk Utviklingshemming
  3. 3. Bom Bom
  4. 4. Tjukkas Pa Karussel
  5. 5. Bobletekno
  6. 6. Flau Pappadans 1
  7. 7. Sot Klot
  8. 8. Sur Svie

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