laut.de-Kritik

(Neo-)Klassik neu gedacht.

Review von

Es klöppelt wieder im Kartong. Poppy Ackroyd bringt nach "Escapement" und "Feathers" ihr mittlerweile drittes Studio-Album an den Start, sieht man von der Compilation "Sketches" einmal ab.

Hier liegt unter anderem auch der Hase im Pfeffer begraben, wenn man nach einer Neuausrichtung bei der Komponistin und Produzentin sucht. Die Stücke "Light", "Resolve", "Time" und "Trains" befanden sich nämlich bereits auf dem eben erwähnten "Sketches", haben mit den ursprünglichen Versionen jedoch nicht allzu viel gemeinsam.

Das liegt zuvorderst daran, dass Frau Ackroyd zum ersten Mal andere Musiker ins Studio holt, um an ihren Stücken zu feilen. Die Gästeliste ist kurz, aber hat es in sich. Als da wären: Manu Delago (Hang), Mike Lesirge (Flöte, Klarinette) und Jo Quail. Letztere konnte sich unter anderem auf Tour im Vorprogramm von Caspian beweisen und zeigte dort mit ihrer Einfrau-Show eindrücklich, was man alles mit einem Cello und simplen Loops anstellen kann.

Dieses Dreigestirn haucht nun den Originalversionen neues Leben ein. Spielte Ackroyd die Stücke auf "Sketches" noch solo am Piano, liefert sie nun fast nur noch die Melodie, um die sich ihre Mitstreiter herum schmiegen. Hinzu kommen - neben dem klangschalen-ähnlichen Hang - weitere perkussive Versatzstücke, die Poppy auch schon auf ihren ersten beiden Alben verwendete. Im Ackroyd-Kosmos kommt dies fast schon einer bombastischen Instrumentierung gleich.

Dass Rhythmus eine etwas gewichtigere Rolle spielt, deutet zum Beispiel "The Calm Before" an. Die Klarinette zu Beginn das Stücks fungiert hier eher als Taktgeber denn als Melodie-Instrument. Ein weiterer Pluspunkt gegenüber "Sketches" markiert die überaus transparente und klare Produktion. Den Detailreichtum der verschiedenen Instrumente und Klangerzeuger flankiert zudem immer mal wieder ein schön schiebender Bass.

So schmückt Poppy Ackroyd ihren neoklassischen Kosmos um weitere bunte Tupfer aus. Zwar verharren ihre Kompositionen nach wie vor im schwelgerischen Habitus, aber die neu hinzugefügten, fast schon opulenten Elemente, bereichern ihren Sound ungemein. Spannende und mit einer zarten Dynamik spielende Songs wie das Titelstück profitieren davon. Die Piano-Arpeggios schrauben sich mit sanfter Schubdüsen-Unterstützung ihrer musizierenden Kollegen empor und erschaffen so im Verbund ein ergreifendes Mini-Drama in gerade einmal vier Minuten.

Das wiederverwertete "Time" verdeutlicht exemplarisch Poppys neue Herangehensweise. Sanft geklöppelte Hang-Schalen dominieren den Track und transformieren die Nummer zu etwas völlig Neuem. Ackroyd hat es auch nicht nötig, ihr Klavierspiel in den Vordergrund zu rücken. Im Gegenteil. Sie zieht sich mit ihrem Instrument eher aus dem Rampenlicht zurück und überlässt anderen die Spotlights.

Das famose Konglomerat aus Instrumentalstücken auf "Resolve" ist Ausdruck einer vielversprechenden Experimentierfreude und macht Appetit auf mehr. Die Dame darf sich in dieser Form noch weiter austoben, das Gefühl für Arrangements, Stimmung und Komposition besitzt sie offensichtlich im Übermaß.

Trackliste

  1. 1. Paper
  2. 2. Light
  3. 3. The Calm Before
  4. 4. Resolve
  5. 5. Quail
  6. 6. The Dream
  7. 7. Time
  8. 8. Luna
  9. 9. Stems
  10. 10. Trains

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