laut.de-Kritik

"Bald wird alles besser; ich komme mit dem Schlachtermesser!"

Review von

Zur Feier des 20 jährigen Bestehens erfreuen Poems For Laila ihre Anhänger erstmalig mit einem Livekonzert. Die DVD beinhaltet das Jubiläumskonzert in Berlin vom Juni 2008 sowie Livemitschnitte aus dem Jahr 1992 plus einige Videoclips und Fotos der Band.

Die Zuschauerzahl im schummrigen kleinen Bassy-Club ist sehr überschaubar. Der Ort erinnert eher an das unaufgeräumte Wohnzimmer einer Großfamilie denn an eine Konzerthalle. Das sind genau die Zutaten, aus denen Tomàs seine intime fesselnde Atmosphäre hervorzaubert.

Denn eigentlich handelt es sich bei Poems For Laila ja um die One-Man-Show von Sänger und alleinigem Songschreiber Nicolai Tomàs. Besonders die Gigs leben von der leidenschaftlichen Performance des charismatischen russischstämmigen Berliners.

Das Konzert beginnt verhalten akustisch mit "Another Poem", "Gespenster" und "When I Die". Die schnellen Polkapunksongs bleiben erst einmal in der Kiste. Intensiv und leidenschaftlich zelebriert Tomás seine ruhige Ader. Danach zieht er das Tempo langsam an. Das herrlich sarkastische "Alles Wird Gut" liefert östlichen Pogofolk für Straßenkämpfer. Mit dem Megaphon herrscht Tomás sein Publikum an: "Bald wird alles besser; ich komme mit dem Schlachtermesser!"

Romantisch geht die Reise durch 20 Jahre Poems For Laila mit dem beschwörenden leicht psychedelischen "Egal" weiter. "Liebe Hat Keine Moral" glänzt mit dem poetischen Humor eines desillusionierten Liebesveteranen. "Ich denke nicht, dass wir uns gern erinnern. denn es war immer sehr banal. Ich hör die Hoffnung schon im Hausflur wimmern. (...) Liebe hat keine Moral."

Tomàs verpasst gesanglich gern mal den einen oder anderen richtigen Ton und das richtige Tempo. Das stört jedoch nie und geht als bewusstes Stilmittel à la Nick Cave oder Shane Macgowan von den Pogues durch. Besonders anschaulich zeigt er dies auf der wunderschön dramatischen Coverversion "Apologia", die im Original vom schrägen irischen Gothic-Chansonnier Gavin Friday stammt. Zum Ende servieren Poems For Laila dem Publikum noch drei Klassiker, das charmant Balalaika schwelgende Duett "Morning After" sowie die Pogo-Polkas "Tina" und "Russian Billy".

Nikolai Tomás beweist mit dieser Darbietung erneut, dass er ein Songwriter und Interpret von seltener Qualität und Intensität ist. Um so ärgerlicher sind die handwerklichen Mängel der DVD. Das Konzert ist mit einer knappen Stunde Spielzeit eigentlich nur ein halbes. Die Bildschärfe lässt zu wünschen übrig und die Kameraführung ist bestenfalls Freizeitfilmerniveau. Das beigegebene Füllmaterial überzeugt ebenfalls nicht. Die Live-Schnipsel von einem Gig aus dem Jahr 1992 erreichen auditiv und visuell nur Handy-Bootleg-Qualität.

Die nur zu erahnende Klasse des Auftritts kann man so nicht genießen. Die restlichen Videoclips und Konzertfotos reißen da nichts mehr raus. So etwas kann sich jeder Fan auch ohne großen Aufwand im Netz anschauen. Das ist sehr schade. Poems For Laila sind der untypische Fall, in dem die Verpackung deutlich weniger verspricht, als das künstlerische Niveau hält. Tolle Truppe, miese Produktion.

Trackliste

  1. 1. Another Poem For The 20th Century
  2. 2. Gespenster
  3. 3. When I Die
  4. 4. Letter From Far Away
  5. 5. Alles Wird Gut
  6. 6. Umgestalten
  7. 7. Egal
  8. 8. Liebe Kommt, Liebe Geht
  9. 9. Save Me
  10. 10. Apologia
  11. 11. The Morning After
  12. 12. Tina
  13. 13. Russian Billy
  14. 14. Katamandu
  15. 15. The Morbning After
  16. 16. Gypsy Beat
  17. 17. I Know
  18. 18. Now You're Gone
  19. 19. Zigular
  20. 20. Time Away
  21. 21. Nights In Bordeaux
  22. 22. Sorrow/Cold World
  23. 23. Suche Nach Dem Glück

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