laut.de-Kritik

Country-Electro-Pop mit Saunanebel und Sternenstaub.

Review von

Mit nur wenigen Songideen kommt Matthew Houck a.k.a. Phosphorescent auf "C'est La Vie" aus. Seine 46 Minuten verteilt er auf neun Tracks. Etwas kleines Nettes zum Nebenbei-Hören kommt heraus, das nicht dick aufträgt und passagenweise unterhält.

"Black Moon / Silver Waves" steigt als Loungesound ein, im Sinne eines Samplers aus dem Drogeriemarkt, vielleicht "Best Of Sauna Grooves". Nach einer guten Minute beginnt dann "C'est La Vie No. 2" wunderschön zu säuseln. Zarte Background-Lautmalerei zaubert Sternenstaub vor Augen, als schwebte man in den "Andromeda Heights" von Prefab Sprout. Beim häufigen Hören langweilt nur, dass der gute Matthew immerzu die gleichen drei Piano-Töne hämmert. Die Schlussakkordfolge scheint dreist aus "Let It Be" von The Beatles übernommen und beschert dem Song ein schiefes Ende.

In der fünf Minuten langen Single "New Birth In New England" lässt Houck Platz für einen mittig als Bridge gesetzten Kirchenchoral. Passt der dort hin? Der Refrain beschreibt immerhin einen Mann, der in einer Bar sitzt, Bier trinkt und einer Frau beim Klavierspielen zuhört. Der schnell gespielte Country wirkt Leonard Cohens "Tonight Will Be Fine" entlehnt. "And I know ya, and I know ya", da hören sich der Zusammenklang von "And I know" und die Akkordfolge bei Cohen aber überraschend ähnlich an. Natürlich hat Phosphorescent das geschickt gemacht, so dass man kein Sample beweisen kann.

Wenn man "There From Here" zeitgleich mit Cohens "Suzanne" abspielt, kneift man sich noch einmal. Nein, von einem Sample kann man zwar auch hier nicht sprechen, aber gerade das ist das Fiese. Houck vermischt die Riffs mit Knopflers Gitarrentechnik. Nach vielen Tests gelang es mir, das Dire Straits-Original aufzuspüren: Das tragende Gitarrenriff hat etwas mit "So Far Away" (1985) zu tun - schon wieder zu verwaschen, um es sicher zu belegen.

"Around The Horn" eröffnet nach 17 Sekunden Blubbern für den neuen Saunaaufguss (und Zeit zum Nachstimmen der Instrumente) mit einem Harmonieteil aus Barclay James Harvests Klassiker "Hymn". Allmählich wirkt das Album frech in seiner Zitateklauberei. Hier ist wohl die Stelle, an der sich das Unterbewusstsein von der Platte verabschiedet. Man steht vor der Wahl: Berieseln lassen, das Beste der 70er und 80ern in neuem Aufguss klimpern lassen? Oder Stopptaste drücken? Nein, kein Stopp, die Musik lullt zu sehr ein: Man kann sich ihrer lieblichen Gefälligkeit kaum erwehren.

Handwerkliches Niveau erfüllt die Musik in höchstem Maße, so auf "Christmas Down Under" im E-Guitar-Solo mit Rückkopplungen und Übersteuerung. Für einen Moment wird die Indie-Alternative-Szene-Zugehörigkeit ausformuliert. "C'est La Vie" wurde super gespielt und abgemischt, zum Rhythmus lässt sich die erste Hälfte über gut mitwippen. Doch Phosphorescent wagt nichts. Die einfachen Melodien gehen dank zuckriger Instrumentierung quasi sofort ins Blut. Aber Hinhör-Musik steckt bloß den ersten Durchlauf lang drin. So lange es jedoch vergleichbaren Stil von anderen Bands wie Gorky's Zygotic Mynci oder The Magic Numbers nicht mehr gibt, geht der glatte Country-Folk-Electro-Pop erst einmal in Ordnung. Immerhin bietet er eine eigenartige und einzigartige Mischung.

Die Texte ins Deutsche zu übersetzen versetzt einen nicht in Verzückung. Schon die Grammatik enthält Rätsel. Wenn der phosphoreszierende Herr Kris Kristofferson auf dessen Farm in Hawaii besucht, gibt der ihm hoffentlich Nachhilfe. Storytelling mit Anspruch will gelernt sein. Einfach nur Wörter aneinander zu reihen und den Philosophen zu geben, das funktioniert hier nicht. Dazu fehlt Verrücktheit im Gesang. Phosphorescent singt in einem spießigen Dauermodus.

Ein sehr guter Punkt von "C'est La Vie" trotz aller stilistischen Dreistigkeiten: Das Album eignet sich perfekt als Feierabendplatte. Das gilt aber nur, wenn man danach nichts Großes mehr vorhat (wegen des Einlull-Effekts). In "New Birth In New England" heißt es: "I was sitting at a bar in the reeling, I was thinking 'bout another beer." Wenn man keine großen Ansprüche an Kreativität stellt, bekommt man hier eine atmosphärisch-heimelige Platte, die jedem Barkeeper eines Programmkinos für seine Kinokneipe empfohlen sei.

Trackliste

  1. 1. Black Moon / Silver Waves
  2. 2. C'est La Vie No. 2
  3. 3. New Birth In New England
  4. 4. There From Here
  5. 5. Around The Horn
  6. 6. Christmas Down Under
  7. 7. My Beautiful Boy
  8. 8. These Rocks
  9. 9. Black Waves / Silver Moon

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