laut.de-Kritik

Berührende Momente, schlimme Hooklines.

Review von

"Kritik trifft hart wie ein Schlag auf dein Nasenbein. Es schmerzt", befindet Philo in "Blind". Das stimmt wohl - doch wer solche Erfahrungen vermeiden will, muss für sich allein in der stillen Kammer musizieren. Auch, wenn der Mannheimer sympathisch rüberkommt - vollständig erspart bleibt ihm die Kritik an dieser Stelle nicht.

"Soul-Rap" verspricht das beiliegende Presseinfo. Statt es dabei bewenden zu lassen, dass die Seele in den Sprechgesang einfließt, bedeutet das natürlich wie so oft auch hier wieder: unerträglich schmalzige Hooklines. Kaum auszuhalten, wenn einem ein an Theatralik nicht zu überbietender Amir ("Zwischen Wolken") oder eine überkandidelte Yvonne Ambree ("Blind") ins Ohr heult.

Man möchte eigentlich gleich wieder ausschalten - was schade wäre, fährt "Traum Vom Fliegen" doch den einen oder anderen berührenden Augenblick und eine ganze Reihe überaus gelungener, sanft bestrickender Beats auf. Letztere gehen größtenteils auf das Konto von Daniel Ruß und DJ Smoove.

Bedeutungsschwanger und melancholisch marschiert das Instrumental zu "Zwischen Wolken" einher, als flankierten Rührtrommeln Bronski Beats "Smalltown Boy". Wenn "Immer Wieder Weiter" oder "Du & Ich", die Akustikgitarre auspacken, keimt heimelige Hausmusik-Atmosphäre. Elektronische Elemente oder ein knackiger Rhythmus bewahren allerdings vor allzu großer Betulichkeit.

Klavier und staubiges Schlagzeug garnieren "Sie Steht Auf Frauen". Nahezu elefantös stapft "Du Weißt Schon Wo" mit Orgelklängen im wuchtigen Beat daher. "Wie Gestern" weckt zu Beginn gar leise Erinnerungen an Kraftwerk. Klein angefangen, wächst sich die Musik im Opener "Aufstehen" zu voller Erhabenheit aus. Abstecher in Drum'n'Bass-Gefilde (etwa in "Prächtig") befeuern den Eindruck, an den Reglern sitze eine etwas lebensbejahendere Ausgabe von Tua.

Philo selbst flowt zwar nicht über die Maßen aufregend, wächst aber immer da über sich hinaus, wo er wirklich anrührende Themen aufgreift. Viel packender als zuweilen ziemlich zielloses Kreisen um den eigenen Bauchnabel ("So Viele Chancen" - ja, welche denn?) oder wenig bis gar nicht originelle Beziehungs-Szenenbilder geraten Stellen, die sich mit Verlust befassen - und mit der Angst davor.

"Wach Auf" birgt einen solchen Moment, in dem Philo seine Protagonisten erbarmungslos mit dem bereits die Sense wetzenden Tod konfrontiert. Oder, wie in "Superstars" aufgezeigt, das Ringen um alte Identitäten und neues Gleichgewicht, nachdem man einen Schicksalsschlag einzustecken hatte.

"Sie Steht Auf Frauen" hätte möglicherweise unterhaltsam ausfallen können, nähmen Songtitel und erste Textzeile nicht die Vergeblichkeit der beschriebenen Anmache vorweg. Am Aufbau der Erzählungen ließe sich noch feilen, humorvolle Selbstkritik wie in "Du Weißt Schon Wo" darf Philo dagegen gerne beibehalten.

"Ich kann es schaffen, doch es kann auch schief gehen", konstatiert er ganz richtig in "So Viele Chancen". Philos "Traum Vom Fliegen" illustriert beide Möglichkeiten. Jetzt aber genug der Nasenstüberei. Taschentuch?

Trackliste

  1. 1. Aufstehen
  2. 2. Zwischen Wolken
  3. 3. Immer Wieder Weiter
  4. 4. Du & Ich
  5. 5. So Viele Chancen
  6. 6. Blind
  7. 7. Wach Auf
  8. 8. Du Weißt Schon Wo
  9. 9. Sie Steht Auf Frauen
  10. 10. Superstars
  11. 11. Wie Gestern
  12. 12. Prächtig

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